Karrierekiller Kind?

  • Dienstag, 3. Mai 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 3. Mai 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. Mai 2016, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 4. Mai 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 4. Mai 2016, 16:40 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 7. Mai 2016, 14:05 Uhr, SRF info

Einen garantierten Urlaub für Väter gibt es nicht. Das hat das Parlament entschieden. Gleichzeitig ruft die Wirtschaft nach Fachkräften, auch nach Frauen. Kinder und Karriere unter einen Hut bringen. Geht das mit genügend Wille oder braucht es vom Staat verordnete Korrekturen?

Die Schweiz sei eine «familienpolitische Bananenrepublik», behaupten böse Zungen. Einerseits wolle man die Frauen im Beruf, andererseits setze man auf Eigenverantwortung, wenn es um Fragen der Kinderbetreuung geht. Und verheiratete Paar werden steuertechnisch noch immer bestraft. Erwerbsarbeit für beide lohnt sich oft nicht.

Kinder sind Privatsache, heisst es auf der anderen Seite. Wer will, kann - mit genügend Wille und Engagement. Und für das Familienglück soll man auch bereit sein, Opfer zu bringen. Wer also einen Vaterschaftsurlaub möchte, soll dafür Ferien nehmen und nicht den Staat belasten.

Vereinzelt sind Firmen zwar dazu bereit, auch ihren männlichen Mitarbeitern ein paar Tage Urlaub zu gewähren. Doch reicht das? Wie passen Kind und Karriere unter einen Hut? Muss der Staat vermehrt Zeichen setzen, um damit ein grösseres Selbstverständnis für die Anliegen junger Familien zu schaffen?

Im «Club» diskutieren unter der Leitung von Karin Frei:

Yvonne Schärli, Präsidentin der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen
Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Travail.Suisse
Sibylle Stillhart, freie Journalistin und Autorin
Yvonne Seitz, Head of Diversity, AXA Winterthur
Benjamin Giezendanner, Unternehmer, SVP-Grossrat AG
Edi Strub, Journalist, erster Schweizer «Vaterschaftsurlauber» 1982

Positionen:

Yvonne Schärli: «Solange sich Männer wie Frauen für die Kinderbetreuung immer noch erklären müssen, so lange bleiben Schuldfragen ein Thema. Was die Politik der Gesellschaft vorgibt, spielt deshalb eine grosse Rolle.»

Edi Strub: «Es gibt keinen Widerspruch zwischen einer familienfreundlichen Politik, wie sie Schweden kennt und Erfolg im wirtschaftlichen Bereich. Das habe ich in Schweden so erlebt.»

Sibylle Stillhart: «Zwei Jahre Elternurlaub wären ideal. So würden die jungen Familien entlastet und man könnte sich ohne schlechtes Gewissen den Kindern widmen.»

Benjamin Giezendanner: «Kinder sind ein grosses Glück. Doch weil wir Eltern uns selber für Kinder entschieden haben, sind wir auch selber für sie verantwortlich. Einen Tribut bezahlen und auch zurückstecken - das gehört zur Selbstverantwortung.»

Matthias Kuert Killer: «Der heutige Entscheid ist ein Hohn für alle Väter und Mütter. Der Nationalrat will damit nicht einmal einer Minimallösung zum Durchbruch verhelfen. Eine solche Familienpolitik ist alles andere als zeitgemäss.»

Yvonne Seitz: «Das Leben verändert sich, Bedürfnisse verändern sich und entsprechend macht es Sinn flexible Arbeitsmodelle anzubieten. Das ist manchmal etwas aufwändig, bringt unter dem Strich aber einen Mehrwert. Die Mitarbeiter sind motiviert, loyal und bleiben länger.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Im «Club» diskutieren unter der Leitung von Karin Frei: Yvonne Schärli, Präsidentin der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen. Matthias Kuert Killer, Leiter Sozialpolitik, Travail.Suisse. Sibylle Stillhart, freie Journalistin und Autorin. Yvonne Seitz, Head of Diversity, AXA Winterthur. Benjamin Giezendanner, Unternehmer, SVP-Grossrat AG. Edi Strub, Journalist, erster Schweizer «Vaterschaftsurlauber» 1982.

  • Benjamin Giezendanner: «Familie ist Keimzelle der Gesellschaft»

    Der Aargauer SVP-Grossrat, Unternehmer und frischgebackene Vater Benjamin Giezendanner plädiert in Sachen Elternzeit vor allem an die Eigenverantwortung. Jahrhundertelang habe das so funktioniert, die Familie sei die Keimzelle der Gesellschaft. Die Verantwortung habe immer in der Familie selbst gelegen, man habe sich selber organisiert. Dies sei keinesfalls Sache des Staates.

  • Edi Strub: «Der Staat macht auch eine AHV»

    Der Journalist Edi Strub war als Auslandkorrespondent in Schweden 1982 wohl der erste Schweizer «Vaterschaftsurlauber». Warum der Bund in der Schweiz kein Modell für eine Elternversicherung schaffe, ist ihm ein Rätsel. Mittlerweile gebe es mehr hochqualifizierte Frauen als Männer in vielen Studienbereichen, die wegen der Mutterschaft der Wirtschaft verloren gingen. Es müsse den Frauen ermöglicht werden, dass sie ihre Ressourcen in den Arbeitsmarkt einbringen könnten.

  • Yvonne Seitz: «Flexibilität lohnt sich auch für die Wirtschaft»

    Kaderfrau Yvonne Seitz ist bei einer Versicherung unter anderem verantwortlich für das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden. Ziel ist es, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, um qualifizierte Arbeitnehmende im Betrieb zu halten. Sie ist überzeugt davon, dass flexible Arbeitsmodelle somit auch der Wirtschaft nützen. In ihrer eigenen Firma hat sich beispielsweise der Anteil der Frauen im Senior Management um 90% vergrössert.

  • Sibylle Stillhart: «Kleine Kinder bedeuten vor allem Arbeit»

    Die freie Journalistin und Autorin Sibylle Stillhart hat drei Kinder und hat ihren Job aufgegeben. Sie räumt mit vielen Vorurteilen auf. Sie zeigt sich empört, dass sie sich als Mutter immer wieder dafür verantworten müsse, dass sie nicht arbeite. Dabei arbeite sie ja sogar sehr hart. Wer einen Haushalt mit Kleinkindern führe, der arbeite mindestens 55 Stunden in der Woche, das belege eine Studie des Bundesamtes für Statistik. Wenn daneben noch die Stunden eines Teilzeitjobs aufsummiert würden, so käme eine Mutter auf über 70 Arbeitsstunden pro Woche.

  • Yvonne Schärli: «Es fehlt die Selbstverständlichkeit»

    Yvonne Schärli, Präsidentin der eidgenössischen Kommission für Frauenfragen, berichtet, dass sie schon als junge Frau gehofft hatte, dass Männer im Haushalt zur Selbstverständlichkeit würden. Jetzt erhalte sie bereits eine AHV und fairere Rollenmodelle hätten sich immer noch nicht etabliert. Sie glaube aber stark daran, dass sich das ändere, wenn auf allen Ebenen Klarheit in Sachen Rollenverständnis und Chancengleichheit herrsche.

  • Matthias Kuert Killer: «Man muss Neues ausprobieren»

    Der Leiter Sozialpolitik der Travail.Suisse Matthias Kuert Killer spielt in Sachen Teilzeitmodelle in der Arbeit auf das Sprichwort «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es» an. Er plädiert dafür, dass man Neues ausprobieren soll. Beispielsweise könne man eine Versuchsanordnung schaffen, in der Arbeitnehmer während etwa zehn Wochen ein Teilzeitmodell ausprobieren dürften. So könnten Arbeitgeber, Arbeitnehmer oder auch die Eltern selbst zuhause ausprobieren, ob das funktioniere.