Können Dicke nichts dafür?

Übergewichtige fühlen sich unwohl in ihrer Haut und leiden unter dem Stigma, selber schuld zu sein. Die Forschung sagt jedoch klar, sie seien krank. Werden sie damit aus der Eigenverantwortung entlassen? Und ist Abnehmen also keine reine Willenssache? Die Kontroverse im «Club» mit Karin Frei.

«Wer behauptet, er fühle sich als dicker Mensch gut, kann unmöglich die Wahrheit sagen», sagt die Krienserin Petra Niederberger. Erst ein Magenbypass hat ihr dabei geholfen, 45 Kilo abzunehmen. Heute kämpft sie dafür, dass übergewichtige Menschen in der Gesellschaft nicht mehr als faul und undiszipliniert wahrgenommen werden. Die meisten adipösen Menschen, das sagt inzwischen auch die Forschung, seien nicht selber schuld sondern krank.

Damit steht die Frage der Eigenverantwortung auf dem Prüfstand. Sind Dicke unentrinnbar ihrem krankhaften Schicksal ausgesetzt? Können sie mit Wille und Disziplin, mit Diät und Bewegung nicht trotzdem mitgestalten, wie ihr Körper aussieht?

Im «Club» bei Karin Frei erzählen Menschen von ihren einschlägigen Erfahrungen mit dem Dicksein und ergründen Experten die Grenze zwischen Krankheit und Lifestyle.

Gesprächsgäste

  • Petra Niederberger, Putzfrau, wog vor dem Magenbypass 125 Kilo
  • Michael Lips, Wirtschaftsprüfer, hat 27 Kilo abgenommen
  • Sepp Trütsch, Entertainer, mit Magenbypass 60 kg abgenommen
  • Martin Sykora, Chirurg, Leiter Adipositaszentrum Zentralschweiz
  • Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin, Gesundheitspolitikerin
  • Erika Toman, Psychologin, Leiterin Kompetenzzentrum für Essstörungen und Adipositas
  • Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin, Gesundheitspolitikerin

Fach- und Beratungsstellen

  • SAPS: Schweizerische Adipositasstiftung
  • ENES: Experten-Netzwerk-Essstörungen Schweiz
  • Suisse Balance: Projektförderstelle Ernährung und Bewegung des Bundesamtes für Gesundheit

Buchtipp

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Moderatorin Karin Frei

  • Erika Toman, Psychologin

    Erika Toman, Psychologin

    «Wille ist nicht das gleiche wie Motivation. Das Bewusste „ich will abnehmen“ ist nur ein Teil der Motivation. Die echte Motivation ist sehr viel komplexer und basiert auf verschiedenen Faktoren, die zum Teil unbewusst sind.»

  • Sepp Trütsch, Entertainer, mit Magenbypass 60 kg abgenommen

    Sepp Trütsch, Entertainer, mit Magenbypass 60 kg abgenommen

    «Nach meinen Sendungen konnte ich mich nur mit Essen beruhigen und kochte mir oft um Mitternacht noch Spaghetti. Aufgerüttelt hat mich der Tod meiner Mutter 1999. Bei ihr habe ich gesehen, was Übergewicht alles auslösen kann: Diabetes, Bluthochdruck und hoher Cholesterinspiegel.»

  • Petra Niederberger, Putzfrau, wog vor dem Magenbypass 125 Kilo

    Petra Niederberger, Putzfrau, wog vor dem Magenbypass 125 Kilo

    «Ich sagte immer: ich fühle mich gut wie ich bin, ich werde auch so akzeptiert. Heute behaupte ich: Jeder Mensch, der sagt, er fühle sich gut als dicker Mensch, kann unmöglich die Wahrheit sagen. Das sind Schutzbehauptungen.»

  • Michael Lips, Wirtschaftsprüfer, hat 27 Kilo abgenommen

    Michael Lips, Wirtschaftsprüfer, hat 27 Kilo abgenommen

    «Es ist für alle möglich abzunehmen. Wenn Kopf und Bauch in Einklang sind, ist es zu schaffen. Das heisst, der Kopf weiss es lange vorher. Der zwanziger muss fallen und erst wenn auch der Bauch für eine nachhaltige Veränderung bereit, kann es zum Erfolg führen.»

  • Martin Sykora, Chirurg, Leiter Adipositaszentrum Zentralschweiz

    Martin Sykora, Chirurg, Leiter Adipositaszentrum Zentralschweiz

    «Die Adipositas-Patienten liegen mir ganz besonders am Herz, da sie meist mehr für ihre Gesundheit machen als die Allgemeinbevölkerung, aber dennoch üblen Vorurteilen ausgesetzt sind. Starkes Übergewicht ist eine hormonelle Erkrankung.»

  • Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin, Gesundheitspolitikerin

    Ruth Humbel, CVP-Nationalrätin, Gesundheitspolitikerin

    «Nicht jede Normabweichung ist Krankheit und entbindet von Eigenverantwortung.»