Kommen Opfer zu kurz?

  • Dienstag, 3. September 2013, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 3. September 2013, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 4. September 2013, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 4. September 2013, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 5. September 2013, 4:05 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 5. September 2013, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 7. September 2013, 14:10 Uhr, SRF 1

Täglich werden Unschuldige schwer verletzt, verprügelt, getötet. Oft ist das Hauptinteresse beim Täter – die Opfer leiden häufig still, erhalten kaum Genugtuung und kämpfen lebenslang mit den Folgen der Tat. Im «Club» diskutieren vergessene Opfer und Gewaltexperten.

Nicht selten fühlen sich Opfer schwerer Gewalttaten alleingelassen – sei es im Kampf um eine Entschädigung oder in der Beschaffung von Informationen über den Täter. Das schwächste Glied einer Gewalttat kämpft oft gegen amtliche und gesellschaftliche Hürden, was die Verarbeitung des Grauens umso schwieriger macht.
20 Jahre nach Inkrafttreten des Opferhilfegesetztes existieren unzählige staatliche und private Anlaufstellen, wo Betroffene und Angehörige Beratung und finanzielle Unterstützung finden.
Trotz dieses Ausbaus des Opferschutzes ist das Netz nach wie vor lückenhaft und mancherorts immer noch unprofessionell. Welche Hilfe man erhält, hängt unter anderem vom Wohnort ab. Von den gerichtlich zugesprochenen Genugtuungszahlungen erhalten die Opfer oft nur einen Bruchteil, während in die Reintegration der Täter, wie aktuell beim Fall „Carlos“, grosszügig investiert wird. Zudem sind vielerorts die Informationsrechte für Opfer unzureichend und der Datenschutz verkomme zum Täterschutz, monieren Fachleute.
Dramatisches Beispiel hierfür ist der „Fall Bonstetten“, bei welchem Reto Gisler einen Mordversuch seines Vaters nur knapp und mit schwersten Behinderungen überlebte. Nach Aussagen von Reto Gisler schlugen die Behörden seine Warnungen in den Wind. Der vorbestrafte Vater brachte schliesslich den 4-jährigen Halbbruder um.
Höchst tragisch war auch das Martyrium von Nicole Dill, die 2007 von einem notorischen Gewalttäter beinahe ermordet wurde. Die Behörden hatten ihr jegliche Auskunft über das Vorleben des Täters verweigert. In beiden Fällen, so klagen die Opfer an, hätte vermutlich Schlimmeres verhindert werden können, hätten Behörden und Polizei Ängste und Warnungen der Betroffenen früher ernst genommen.

Was muss geschehen, dass Gewaltopfer jene Unterstützung und Solidarität erhalten, die sie verdienen?
Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren u.a.:

Nicole Dill, 2007 von notorischem Gewalttäter beinahe ermordet
Reto Gisler, erstes Opfer des Täters Gustav G., Halbbruder des ermordeten Florian
Frank Urbaniok, Professor für forensische Psychiatrie
Tanja Brigger, Beraterin Opferhilfe
Martin Killias, Professor für Strafrecht

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Das sind die Gesprächsgäste, die mit Karin Frei über die Rolle der Opfer, über ihr Verhältnis zu den Tätern und die Gründe der gesellschaftlichen Ungleichbehandlung reden:

  • Reto Gisler

    Wie kommt es, dass sich Opfer trotz der lauthals bekundeten Empathie dennoch gesellschaftlich benachteiligt fühlen?

  • Frank Urbaniok

    Mitleid mit den Opfern und Wut auf die Täter können zu Gefühlen des Überdrusses und der Ohnmacht führen. Der Psychiater erklärt den Mechanismus:

  • Martin Killias

    Die neue Strafprozessordnung hat in den Augen des Strafrechtlers den Opferschutz weitgehend abgeschafft mit fatalen Folgen:

  • Nicole Dill

    Das Opfer eines schweren Gewaltverbrechens schildert an ihrem Beispiel die fehlende gesellschaftliche Bereitschaft zur finanziellen Untestützung:

  • Tanja Brigger

    Erlebt das Opfer wenigstens bei der Opferhilfe solidarische Untestützung und tatkräftige Hilfe?

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