Land am Abgrund – Auswege aus der griechischen Tragödie

  • Dienstag, 7. Juli 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 7. Juli 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 8. Juli 2015, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 8. Juli 2015, 8:35 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 8. Juli 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 8. Juli 2015, 12:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 9. Juli 2015, 4:15 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 9. Juli 2015, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 11. Juli 2015, 9:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 11. Juli 2015, 10:40 Uhr, SRF info

Die Griechen haben das EU-Spardiktat am Wochenende deutlich abgelehnt. Nach diesem trotzigen Nein zeichnen sich erste Krisentreffen ab. Griechenland versinkt weiter im Schuldenelend. Ist ein Austritt aus dem Euro nähergerückt? Was rettet die Griechen jetzt noch?

Alle Versuche, sich auf ein europäisches Rettungsprogramm zu einigen, waren geräuschvoll gescheitert. Ist der Sparkurs, den Europa den Griechen nach wie vor aufzwingen will, wirklich der einzige und richtige Weg aus der Misere?

Vetternwirtschaft, ein ineffizienter Verwaltungsapparat und ein Volk, das sich drückt, seine Steuern zu bezahlen. So werden die Griechen von aussen gerne wahrgenommen.

Die Innensicht ist eine andere: Viele Griechen empfinden die Forderungen der Euroländer und involvierten Institutionen als demütigend und unfair. Sie arbeiten, mühen sich ab und kommen auf keinen grünen Zweig. Können sich diese gegensätzlichen Pole finden? Wie geht es weiter im Griechen-Poker?

Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren die Clubgäste über den Schrecken eines «Grexits» und über alternative Auswege aus der der griechischen Tragödie.

Die Positionen der Gäste:

Theodoros Paraskevopolous: «Es braucht vor allem eine Reform der öffentlichen Verwaltung. Griechenland muss aber unbedingt in der Währungsunion bleiben, ein Währungswechsel in der Krise wäre fatal.»

Christina Tsouras: «Soll sich in Griechenland wirklich etwas ändern, braucht es die konsequente Durchsetzung strukturierter Reformen. Da die Griechen stolz und teilweise starrsinnig sind ist hier interkulturelle Vermittlungsarbeit die einzige Chance, um Erfolge zu erzielen.»

Spyros Arvanitis: «Man muss die Schuldenfrage auf Eis legen, die Schulden sind im Moment nicht das Allerwichtigste. Aber man muss die Ausgaben genauer unter die Lupe nehmen und den Staatsapparat durchforsten. Dort gibt es viel zu viele Verwaltungseinheiten.»

Tobias Straumann: «Die Gläubiger haben in den letzten fünf Jahren völlig versagt. Wenn sie jetzt immer noch nicht bereit sind, ihre Politik zu ändern, gibt es für Griechenland nur noch eines: den Austritt aus der Eurozone.»

Reiner Eichenberger: «In einem überzentralisierten Staat hat niemand ein Interesse, seine Zeit und Ressourcen für allgemeine Sparsamkeit und Effizienz einzusetzen. Weil das Geld irgendwo weit weg versickert. Griechenland braucht Dezentralität statt Zentralismus.»

Rudolf Strahm: «Ob Grexit oder nicht, Griechenland braucht jetzt vor allem eines: Liquidität! Kapitalsperren und das Begrenzen der Geldbezüge sind verkehrt.»

Beiträge

  • Die Gästerunde

    Moderatorin Karin Frei stellt ihre Gäste vor: Griechen, Ökonomen und Wirtschaftshistoriker stellen sich der Diskussion.

  • Theodoros Paraskevopolous, Ökonom, Mitglied Syriza-Partei

    Theodoros Paraskevopolous erklärt, was den Griechen ermöglicht, wenig oder keine Steuern zu bezahlen. Auch die superreichen Reeder bezahlen kaum Steuern. Deren rund 5000 Schiffe machen 15% der globalen Handelsflotte aus.

  • Christina Tsouras, Griechin, Unternehmensberaterin

    Christina Tsouras über ihre Zerrissenheit gegenüber dem eigenen griechischen Volk. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, die Griechen seien faul und nicht vertrauenswürdig. Sie plädiert für eine bessere kulturelle Übersetzungsarbeit zwischen Griechenland und dem restlichen Europa.

  • Spyros Arvanitis, Ökonom Konjunkturforsch.stelle KOF, ETH Zürich

    Wachstum statt Fokus auf den Schuldenabbau: Spyros Arvanitis wünscht sich ein Sanierungsprogramm, das aus dem Inneren des griechischen Volkes kommt. Und der Wille sei da. Er bemängelt die Konzeptlosigkeit aller griechischen Parteien.

  • Reiner Eichenberger, Prof. für politische Ökonomie, Uni Fribourg

    Griechenland fehle ein föderalistisches System und sei viel zu zentralistisch organisiert, die einzelnen Inseln viel zu stark nach Athen ausgerichtet. Reiner Eichenberger erklärt, warum die Griechen zu wenig Anreize haben, um ihren Staat auch effektiv zu unterstützen.

  • Tobias Straumann, Wirtschaftshistoriker Universität Zürich

    Tobias Straumann schlägt vor, dass man die Schulden der Griechen nicht abschreibt, aber zeitlich hinausschiebt, um Zeit zu gewinnen. Griechenland und der Euro: eine unglückliche Vermählung.

  • Rudolf Strahm, Ökonom, Experte für Makroökonomie

    EU und Griechenland als unglückliche Paarung, Griechenland mit 316 Mia. Euro Schulden, 174% des griechischen Bruttoinlandproduktes. Rudolf Strahm erklärt, warum man das nicht bereits zu Beginn erkannt hat und warum die Lehrbuchmodelle der Troika in Griechenland nicht fruchten.

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