Mein Amerika

  • Dienstag, 8. November 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 8. November 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 9. November 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 9. November 2016, 16:35 Uhr, SRF info

Für die einen ist es immer noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, für andere ist der amerikanische Traum geplatzt. Vier Amerikanerinnen, die in der Schweiz leben, erzählen von den grossen Veränderungen in den USA, den Sorgen und Nöten, aber auch vom unvergleichlichen «American Way of Life».

Suzan LeVine, die amerikanische Botschafterin, glaubt immer noch an das Erfolgsrezept «USA»: Laufend werden neue Jobs erschaffen, die US-Wirtschaft wachse und die Kriminalität nehme ab.

Die Gymnasiallehrerin Mariabeth Silkey hat 14 Geschwister, die in den USA leben. Viele ihrer Verwandten kommen trotz solider Ausbildung und Arbeit in finanzielle Nöte. Als Vizepräsidentin der Democrats Abroad Deutschschweiz ist sie eine überzeugte Wählerin von Hillary Clinton.

Die Kommunikationsfachfrau Kathleen Elsig ist mit einem Schweizer verheiratet und lebt mit ihrer Familie seit 12 Jahren hier. Aufgewachsen in Los Angeles hat sie auch die Schattenseite der amerikanischen Gesellschaft kennengelernt. Ihr Vater arbeitete mit benachteiligten Kindern in den Ghettos, wohin sie ihn oft begleitete. Sie ist überzeugt, dass die Minderheiten und Unterprivilegierten nur mit Hillary Clinton als Präsidentin eine Chance bekommen.

Bettina Kälin aus Maienfeld ist in Florida aufgewachsen. Die Ökonomin und fünffache Mutter ist überzeugte Trump-Wählerin. Nur er könne garantieren, dass die Mittelklasse in den USA wieder gestärkt wird; nur er spreche aus, was viele denken.

Wie ist es dazu gekommen, dass derart unterschiedliche und polarisierende Persönlichkeiten wie Hillary Clinton und Donald Trump für das Präsidentschaftsamt kandidieren?

Die ehemalige First Lady Hillary Clinton repräsentiert als langjährige gestandene Politikerin das politische Establishment Amerikas schon fast ikonenhaft. Ein Establishment, mit dem die krisengeschüttelten Amerikaner und Amerikanerinnen unzufrieden sind. Donald Trump steht ihr als Enfant terrible gegenüber: unflätig, sexistisch, fremdenfeindlich. Er erhält Zustimmung vor allem von weniger privilegierten, weissen Männern und von jenen die sagen, «egal was kommt, Hauptsache es kommt anders.»

Der «Club» unter der Leitung von Karin Frei über das Lebensgefühl und die Lebenssituation der Amerikaner.

Positionen

Suzan LeVine: «Ob in den USA, der Schweiz oder dem Rest der Welt, in mancher Hinsicht war die Lebensqualität nie besser als jetzt. Die Menschen haben mehr Möglichkeiten und es geht ihnen persönlich besser als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Ist dies der Eindruck, den wir via News und Social Media täglich erhalten? Wahrscheinlich nicht, aber die Fakten zeigen, dass sich die Menschheit in die richtige Richtung bewegt und es ist unsere Pflicht zusammenzuarbeiten, damit das auch so bleibt.»

Mariabeth Silkey: «Der Begriff «working poor» hätte schon lange aussterben sollen; unglücklicherweise ist dies in den USA nicht der Fall. In der bevorstehenden Präsidentenwahl geht es um den Kern Amerikas und vernünftigerweise kann es nur einen Wahlsieger geben: Hillary Clinton. Zugleich sollten alle Amerikaner, besonders die Parteibasis der Demokraten, mehr Transparenz einfordern. Dies wäre die beste Unterstützung für Frau Clinton um ihre Wahlversprechen umzusetzen.»

Kathleen Elsig: «Die Wahlen zeigen die Schwächen des politischen Systems in den USA auf. Themen kommen zu kurz, um sich mit den wirklichen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Wir sehen eine Schlammschlacht, die nur auf individuelle Eignung der Kandidaten abzielt. Die Demokratie ist in Gefahr und es stellt sich die Frage, ob das 2-Parteien-System, die Interessen von über 300 Millionen US-Bürgern noch korrekt abbildet.»

Bettina Kälin: «Als Ökonomin sehe ich vor allen 3 Problemkreise in den USA: Das grosse Defizit kann kaum abgebaut werden und kann so in naher Zukunft zu einem weiteren Crash führen, welcher die angeschlagene Wirtschaft weiter schädigt. Das Übergewicht eines Grossteils der Bevölkerung, vor allem der Kinder, wird erhebliche Kosten verursachen und damit in Zukunft auch die Wirtschaftsleistung schwächen. Der auf Pump aufgebaute Wohlfahrtsstaat belastet vor allen den Mittelstand und damit die staatstragende Schicht.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Die vier Frauen erzählen von den Freuden, Sorgen und Nöten in ihrer Heimat und beschreiben den unvergleichlichen «American Way of Life».

  • Suzan LeVine: «Es gibt viele freie Stellen in den USA.»

    Die US-Botschafterin begründet, warum es eine gute Zeit für die USA ist: es gibt inzwischen mehr Leute auf dem Arbeitsmarkt und momentan 6 Millionen freie Stellen wie auch Lohnerhöhung. Dies ist das Ergebnis der politischen Entscheidungen der letzten 8 Jahre. Aber noch nicht alle spüren die Vorteile.

  • Mariabeth Silkey: «Man kann in den USA ärmer sein als in Europa.»

    Die Gymnasiallehrerin hat engen Kontakt mit ihren Verwandten in den USA und kennt deren Probleme und Sorgen gut. Sie betont, dass Millionen von Amerikanerinnen und Amerikaner arbeitslos sind und auch keine Hilfe erhalten.

  • Kathleen Elsig: «Die Amerikaner haben lange gelitten.»

    Die Kommunikationsfachfrau kritisiert, dass Donald Trump die Angst der Menschen instrumentalisiert und mit seiner Kampagne Hass verbreitet.

  • Kälin: «Mit Donald Trump wird es wieder mehr Jobs geben.»

    Die Ökonomin hat Donald Trump gewählt und glaubt an den «American Dream»: dass ein Geschäftsmann - und nicht Politiker - wie Donald Trump Präsident werden kann zeigt: in Amerika ist alles möglich.

  • «Es gibt viele Globalisierungsverlierer.»

    US-Korrespondent Peter Düggeli beschreibt das politische Erbe der letzten amerikanischen Präsidenten und deren Regierung: die Freihandelsverträge zur Zeit von Bill Clinton, die Globalisierungspolitik unter George W. Bush und Barack Obama. Dies hatte Globalisierungs- und Automatisierungsverlierer zur Folge. Donald Trump konnte daraus politisches Kapital schlagen.

  • Skype-Interview mit Yangzom Brauen, Schauspielerin

    Die Schweizerin versucht ihren «American Dream» umzusetzen und arbeitet als Schauspielerin und Regisseurin in Hollywood.

  • Skype-Interview mit Xeno Müller, Ruder-Coach

    Der ehemalige Schweizer Ruder-Olympiasieger lebt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kalifornien. So sehr er das Leben in den USA schätzt, sieht er das Land und den nächsten Präsidenten mit grossen Problemen konfrontiert.

Mehr zum Thema