«Mein Kind kämpft beim IS»

  • Dienstag, 4. Oktober 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 4. Oktober 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 5. Oktober 2016, 16:35 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 6. Oktober 2016, 4:15 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 6. Oktober 2016, 12:50 Uhr, SRF info
    • Freitag, 7. Oktober 2016, 10:05 Uhr, SRF info

Knapp 80 Anhänger des IS aus der Schweiz sollen sich im Gebiet der Terrormiliz aufhalten. Für die betroffenen Familien eine Tragödie: Die Kinder entglitten und von einer extremen Ideologie verführt. Wie ist das möglich?

Sie werben junge Menschen als Rekruten für den Dschihad an. Die Verführer gehen dabei ganz gezielt vor. Islam-Experten sagen, dass der Salafismus für die jungen Menschen auch eine Jugendprotestbewegung sei.

Eine wachsende Menschenfänger-Szene, gefährlich und sehr aktiv, die junge Menschen tagtäglich mit radikal-islamischem Gedankengut infiltriert, meist gezielt einer Gehirnwäsche unterzieht und sie auch immer wieder als Selbstmordattentäter in den schnellen Tod schickt.

Wie ist es möglich, dass junge Menschen Opfer dieser Verführer werden? Welche Warnzeichen gibt es für die Angehörigen dieser gefährdeten Jugendlichen? Wie können Eltern verhindern, dass ihre Kinder im Dschihad verschwinden? Ein Angehöriger und Experten erzählen.

Joachim Gerhard, Vater von zwei jungen Männern beim IS
Miryam Eser Davolio, Expertin jihadistische Radikalisierung, Erziehungswissenschaftlerin und Sozialpädagogin
Daniele Lenzo, Psychologe, Krisenmanager, Leiter Fachstelle für Gewaltprävention Stadt Zürich
Kurt Pelda, Kriegsreporter
Hugo Stamm, Sekten- und Extremismus-Experte

Positionen:

Joachim Gerhard: «Der IS verführt die jungen Leute, belügt sie und macht ihnen falsche Versprechungen. Das muss gesagt werden. Am meisten läge mir aber am Herzen, meine Söhne zurückzubekommen.»

Miryam Eser: «Wenn sich ein Jugendlicher radikalisiert, bleiben die Eltern weitgehend alleine gelassen. Wir haben zu wenig Beratungsangebote.»

Daniele Lenzo: «Wir Erwachsenen positionieren uns oft zu wenig. Sei dies aus Angst, Unwissen oder Bequemlichkeit. Als Kind muss ich die Werte und Haltungen meiner Eltern kennen. Und die Eltern dürfen die Auseinandersetzung darum nicht scheuen.»

Kurt Pelda: «Bildungsmangel, ein mangelndes Geschichtsverständnis und in der Folge die Unfähigkeit Verschwörungstheorien kritisch zu hinterfragen, machen es radikalen Verführern leicht, junge Menschen zu rekrutieren. Hier hätte unter anderem die Schule eine Aufgabe zu erledigen.»

Hugo Stamm: «Der IS ist eine extreme Gruppe, die nach sektenhaften Mustern funktioniert. Und ähnlich wie bei Sekten ist es schwierig, die Rekrutierung zu erkennen und wirksam zu intervenieren.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gästerunde vor.

    Welche Warnzeichen gibt es für die Angehörigen gefährdeter Jugendlicher? Ein Angehöriger und Experten erzählen.

  • «Die Behörden hätten meine Söhne aufhalten können!»

    Die beiden Söhne von Joachim Gerhard sind zum Islam konvertiert und gingen vor zwei Jahren zum IS nach Syrien. Er selber hätte nicht von deren Plänen geahnt, aber die deutschen Behörden hätten deutliche Anzeichen gehabt und hätten die Möglichkeit gehabt, die beiden und deren Anhänger zu stoppen. Der Schutz vor den Verführern sei jedoch absolut nicht gewährleistet.

  • «Dieses Video entstand unter Zwang.»

    Joachim Gerhards Söhne haben ihrem Vater u.a. ein Video gesandt, in dem sie sich von ihm lossagen. Er vermutet, dass seine Söhne dazu gezwungen wurden.

  • «Der IS ist eine Falle für sinnsuchende Menschen.»

    Miryam Eser Davolio, Expertin jihadistische Radikalisierung, Erziehungswissenschaftlerin und Sozialpädagogin, schildert, wie der Islamische Staat sein eigenes positive Bild zelebriert und dazu benutzt, junge Menschen damit zu verführen. Ein perfides und gefährliches Spiel mit unsicheren Menschen, die auf Sinnsuche sind,

  • «Eltern machen häufig gar nichts falsch.»

    Daniele Lenzo, Psychologe, Krisenmanager und Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich, berät immer wieder beunruhigte Angehörige oder Lehrer. Wann sollten denn gerade bei Eltern die Alarmglocken läuten?

  • «Er hat mit uns Frauen nicht mehr gesprochen.»

    Eine junge Frau schildert, wie sich ihr Kollege durch den Kontakt mit IS nahen Menschen veränderte. (Rundschau SRF, 22.4.2015)

  • «Man darf die Gehirnwäsche durch den IS nicht unterschätzen.»

    Kurt Pelda, Kriegsreporter, kennt einige Menschen, die dem IS gefolgt sind und auch einige, die zurückgekehrt sind. Er nimmt Stellung zu Aussagen einer jungen Frau, die bei einem ihrer Freunde eine radikale Veränderung wahrgenommen hat. Ihre Warnungen verhallten.

  • «Es passiert eine totale Entfremdung vom alten Leben!»

    Hugo Stamm, Sekten- und Extremismus-Experte, erläutert, wie die jungen Menschen nach und nach von ihrem alten Leben und ihren Angehörigen entfremdet und schliesslich abgekoppelt werden.

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