Nichts geht ohne Doping

Das Dopinggeständnis von Armstrong lässt aufhorchen: Wie funktionieren Doping-Betrugssysteme im Spitzensport generell? Wer deckt wen und wie schaffen es Sportler, die Fahnder immer wieder auszutricksen? Karin Frei diskutiert im «Club» mit Dopingsündern und Fahndern, mit Ärzten und Sportexperten.

Die Dopingbeichte von Lance Armstrong in der US-Talkshow von Oprah Winfrey hat zu keinen neuen Erkenntnissen geführt, aber dennoch schockiert. Jetzt wissen wir auch aus dem Mund des gefallenen Radhelden, dass er all seine grossen Siege mit verbotenen Substanzen herausgefahren hat. Das Fundament seines Ruhms bilden Epo, Bluttransfusionen, Testosteron, Kortison, Wachstumshormone.

Er hat jedoch nur das gestanden, was angesichts der erdrückenden Beweislast durch die Enthüllungen der USADA, der US-Anti-Doping-Behörde, nicht mehr geleugnet werden konnte. Dass er sein raffiniertes Betrugssystem nicht ohne Wissen und Hilfe von Teamkollegen, Managern und vermutlich der UCI, des Radweltverbandes, betreiben konnte, glaubt niemand. Armstrong bezeichnet sich im Interview als Mitläufer einer Dopingkultur, die auch für seine Rivalen völlig selbstverständlich gewesen sein soll.

Ob der Lügner Armstrong jetzt plötzlich die Wahrheit sagt, wird weitum bezweifelt. Solange er das mafiöse Betrugssystem nicht offen legt, bleiben bohrende Fragen:

Wer waren die Helfer und Mitwisser seiner verbrecherischen Dopingpraxis? Wer deckt wen? Ist Spitzensport generell mit Doping verseucht, weil grenzenloser Ruhm und Reichtum locken? Welche Rolle spielen die grossen Verbände und die Sponsoren, die mit den unsauberen Sporthelden viel Geld machen? Ist es angesichts von Ruhm und Reichtum naiv, an eine dopingfreie Zukunft im Leistungssport zu glauben?

Gesprächsgäste

  • Martin Born, Sportjournalist
  • Jiri Dvorak, Facharzt für Neurologie, medizinischer Leiter der FIFA
  • Sandra Gasser, ehem. Spitzenläuferin
  • Rolf Järmann, ehem. Radprofi
  • Matthias Kamber, Direktor Antidoping Schweiz
  • Beat Villiger, Olympia-Arzt

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Moderatorin Karin Frei

  • Martin Born, Sportjournalist

    Martin Born, Sportjournalist

    «Ich bin der Meinung, dass im Fall Armstrong pauschal auf den Radsport eingedroschen wurde und nicht unterschieden wurde zwischen der zu 99 Prozent verseuchten Armstrong-Zeit und den letzten Jahren, als der biologische Pass und die verbesserten Kontrollen mit dem peinlich genauen System der Aufenthaltsmedlungen zu wirken begannen. Ich finde es ungerecht, wenn alle auf den Radsport einprügeln und andere Verbände, die nichts oder wenig tun in der Dopingbekämpfung unbeheligt bleiben.»

  • Beat Villiger, Olympia-Arzt

    Beat Villiger, Olympia-Arzt

    «Spitzensport ohne Doping wird es nie geben. Zudem: Das System ist auf Stars wie Armstrong angewiesen, deshalb galten für Armstrong andere Regeln. Es braucht viel mehr, um einen solchen Superstar auffliegen zu lassen.»

  • Sandra Gasser, ehem. Spitzenläuferin

    Sandra Gasser, ehem. Spitzenläuferin

    «Die wichtigste Message ist: Es gibt saubere Athleten, die Topleistungen ohne Doping erbringen können, das ist möglich! Ich kann nicht für alle Sportarten sprechen, aber was den Mittelstreckenlauf angeht, da habe ich das selbst erlebt und gesehen.»

  • Matthias Kamber, Direktor Antidoping Schweiz

    Matthias Kamber, Direktor Antidoping Schweiz

    «Die Dopingbekämpfung hat sich in den letzten zehn Jahren fundamental geändert. Es sind weltweit unabhängige nationale Anti-Doping-Agenturen entstanden, die sportübergreifend, zielgerichtet und unangekündigt kontrollieren. Zudem muss Förderung von sogenannten «Clean Sports»-Projekten vorangetrieben werden.»

  • Rolf Järmann, ehem. Radprofi

    Rolf Järmann, ehem. Radprofi

    «Sportverbände haben kein Interesse an einem sauberem Sport, da der Sportler dauernd Bestmarken steigern muss. Hat man dies einmal mit Doping erreicht, wird es unmöglich, in Zukunft ohne Doping bessere Resultate zu bringen. Die Verbände haben kein Interesse an einem Dopingskandal, das schadet dem Image. Also versucht man, ja keinen auffliegen zu lassen.»

  • Jiri Dvorak, medizinischer Leiter der FIFA

    Jiri Dvorak, medizinischer Leiter der FIFA

    «Wichtig ist vor allem, die Dopingkontrollen den jeweiligen Sportarten anzupassen. Je nach potentiellen Risiken müssen Massnahmen durchgesetzt werden als integrierter Bestandsteil der Prävention. Ein sauberer Spitzensport liegt im Interesse aller Beteiligten einschliesslich der Sportverbände, wie der FIFA.»