Paralympics: Gedopt und voyeuristisch?

  • Dienstag, 6. September 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 6. September 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 7. September 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 7. September 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 7. September 2016, 16:35 Uhr, SRF info
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    • Freitag, 9. September 2016, 10:10 Uhr, SRF info
    • Samstag, 10. September 2016, 14:05 Uhr, SRF info

24 Athletinnen und Athleten vertreten die Schweiz an den Paralympics in Rio de Janeiro im Kampf um Edelmetall. Eine grosse Chance, dem Behindertensport Glanz zu verleihen. Doch der Dopingskandal der russischen Athleten beschädigt dessen «Sauber-Image». Wo steht der Behinderten-Spitzensport heute?

Es könnte jeden treffen: Ein Unfall mit anschliessender Behinderung verändert ein Leben schlagartig. Viele lassen sich nach dem ersten Schockmoment nicht entmutigen. Einige von ihnen streben sogar Höheres an, werden zu Spitzensportlern und messen sich an den Paralympics.

Der Ausschluss der russischen Athleten an den Paralympics in Rio wirft jedoch ein schlechtes Licht auf einen sensiblen Sportbereich, der ohnehin schon um Aufmerksamkeit kämpft und ständig im Schatten der Nichtbehindertensports steht.

Wenig Geld, wenig Prestige und jetzt noch der russische Doping-Skandal: Wo steht der Behindertensport? Welche Funktion und Ausstrahlung haben die Paralympics? Sind sie bloss eine voyeuristische Zurschaustellung der Behinderten? Böse Zungen sprechen sogar von einer «Freak-Show». Oder helfen die Spiele den Behinderten erst recht im Kampf um Anerkennung, Integration, Partizipation und Rehabilitation? Und was «bringen» sie den Nichtbehinderten?

Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club»:

Chantal Cavin, blinde Schwimmerin und Marathonläuferin, dreimalige Paralympics-Teilnehmerin
Christoph Kunz, querschnittgelähmter Mono-Skifahrer, zweifacher Paralympics-Goldmedaillengewinner
Christof Baer, Swiss Olympic, bis Sotschi 2014 Chef de Mission Paralympics
Matthias Strupler, Sportmediziner, Dopingexperte, ehemaliger Teamarzt Swiss Paralympic
Susy Schär, Paralympic- und Dopingexpertin SRF

Positionen:

Chantal Cavin: «Nach drei Paralympischen Spielen in Athen, Peking und London will ich mich jetzt als blinde Leistungssportlerin mit nicht behinderten Athletinnen messen, ich will herausfinden wie konkurrenzfähig ich bin. Deshalb bin ich den Zürich Marathon gelaufen und habe ihn auf Rang 25 in drei Stunden und 16 Minuten beendet.»

Christoph Kunz: «Ich verstehe den Begriff «Freak-Show» teilweise, er behagt mir nicht. Aber ich glaube, dass dieser «Freak-Moment» bei gewissen Zuschauern nach anfänglichem Mitleid oder kurzer Irritation komplett verschwindet und der Faszination über die Spitzenleistungen der Paralympic Athleten Platz macht.»

Christof Baer: «Weshalb soll im Behindertensport weniger oder gar nicht gedopt werden? Es gibt sowohl bei den behinderten wie auch den nicht behinderten Sportlern Athleten, die aus falschem Ehrgeiz heraus oder fehlgeleiteter Leistungsbereitschaft zu Dopingmitteln greifen.»

Matthias Strupler: «Im Behindertensport wird genau gleich gedopt wie bei den Nichtbehinderten. Das IPC hat den Ausschluss der russischen Athleten gemäss dem Regelwerk ausgesprochen und sich nicht von diplomatischen oder politischen Einflüssen beirren lassen.»

Susy Schär: «Beim Behindertensport fasziniert mich zuerst einmal der rein sportliche Wettstreit. Dazu sind Paralympic-Athleten aber auch Türöffner in der Gesellschaft und schliesslich interessiert mich das ganz spezifische, medizinische Umfeld.»

Beiträge

  • Thomy Scherrer stellt die Gästerunde vor.

    Zwei Behindertensportler, ein Sportmediziner, ein Vertreter von Swiss Olympic und die SRF-Paralympics- und Dopingexpertin analysieren den Stellenwert des Behinderten-Spitzensports.

  • «Mich mit Sehenden zu messen ist eine neue Herausforderung.»

    Chantal Cavin, blinde Schwimmerin, Marathonläuferin und dreimalige Paralympics-Teilnehmerin verlor nach einem Sturz im Judo ihr Augenlicht. Erst in der Rehabilitation entdeckte sie das Schwimmen und schliesslich den Spitzensport.

  • «Wir sind Freaks im positiven Sinne: leidenschaftliche Sportler!»

    Christoph Kunz, querschnittgelähmter Mono-Skifahrer und zweifacher Paralympics-Goldmedaillengewinner, versteht es, wenn Zuschauer der Paralympics zuerst ein wenig irritiert sind durch die ungewohnten Bilder. Dann aber würden die Zuschauer sehr rasch überrascht durch die herausragenden Leistungen der Behinderten.

  • «Mechanisches Doping lässt uns staunen.»

    Christof Baer, Swiss Olympic, bis Sotschi 2014 Chef de Mission Paralympics, unterstützt, dass Topathleten wie der Sprinter Oscar Pistorius darum kämpfen, auch an Wettkämpfen mit Nichtbehinderten teilnehmen zu können. An der Vergleichbarkeit der Leistungen zweifelt er allerdings.

  • «Auch im Behindertensport wird gedopt!»

    Matthias Strupler, Sportmediziner, Dopingexperte und ehemaliger Teamarzt bei Swiss Paralympic erklärt, wie und mit welchen Substanzen und anderen Mitteln Behinderte ihre Leistungen steigern.

  • «Manchmal werden behinderte Sportler auch einfach vorgeführt.»

    Susy Schär, Paralympic- und Dopingexpertin SRF, erinnert sich an Paralympische Spiele, wo auch sie als Berichterstatterin von Zweifeln geplagt wurde, ob das Abbilden bestimmter Behinderter und deren Leistungen ethisch noch vertretbar war.

  • Die Goldfahrt des querschnittgelähmten Skifahrers Christoph Kunz.

  • Training der blinden Schwimmerin Chantal Cavin.

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