Rentner an die Arbeit?

  • Dienstag, 18. August 2015, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 18. August 2015, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 19. August 2015, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 19. August 2015, 8:35 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 22. August 2015, 15:25 Uhr, SRF info

Sie werden immer mehr und immer älter. Zudem bleiben sie länger fit. Die Rentner. Sollen sie ihren Lebensabend beschaulich geniessen dürfen? Oder muss man von ihnen gar einen Einsatz für das Gemeinwohl verlangen?

Bei Gründung der Sozialversicherungen, ging man davon aus, dass ein Pensionär vielleicht noch zehn Jahre Rente beziehen würde. Wer heute pensioniert wird gehört zu den privilegierten Glückspilzen der Babyboomer. Meist sind Neurentner finanziell gut abgesichert und bei bester Gesundheit, wenn sie aus dem Berufsleben ausscheiden. Viele der vitalen Ruheständler profitieren gut und gerne noch 20-25 Jahre von der AHV. Und in Zukunft? Wenige junge Erwerbstätige müssen für viele Rentner bezahlen.

Soll die sogenannte «Generation Gold» ihren Ruhestand in vollen Zügen geniessen oder sich weiter für die Gesellschaft einsetzen? Und wenn, in welcher Art? Institutionalisiert, freiwillig oder via ein flexibles Rentenalter?

Ideen sind vorhanden: Es gibt es Plattformen, durch die sich Pensionäre unkompliziert einen Zustupf verdienen können. Oder Projekte wie den Zeittausch, bei dem Pensionierte älteren Menschen helfen. Die Zeitgutschrift, die sie dafür erhalten, können sie einsetzen, wenn sie dereinst selbst Hilfe brauchen.

Im «Club» bei Karin Frei diskutieren Experten und Rentner über die Altersguillotine, berufliche Verfallsdaten und darüber, wer am Ende die Rechnung bezahlt.

Positionen der Gäste:

Jérôme Cosandey: «Es gibt kein anderes Land in der Welt, wo die Lebenserwartung höher und die Wirtschaft primär dienstleistungsorientiert ist. Wo sonst also könnte man länger arbeiten als in der Schweiz?»

Monika Stocker: «Die Entwicklung der Alterspyramide ist eine Herausforderung. Aber das Alter ist kein neoliberales Projekt. Wir müssen Betreuung und Pflege jenen Wert beimessen, der ihnen gebührt!»

Roland A. Müller: «Für viele liegt der Antrieb, weiter tätig zu sein nicht im Monetären. Wertschätzung und Befriedigung spielen eine genauso grosse Rolle. Weiterarbeit nach Erreichen des Rentenalters nützt deshalb auch der Gesellschaft.»

Denise Lambossy: «Die Arbeit bei 'Rent à Rentner' bringt mir einen Zustupf, damit die Rente reicht. Ich habe aber auch viele Menschen kennengelernt, zu welchen ich eine schöne Beziehung aufbauen durfte. Am Ende ist es das, was einem in der Pension bereichert.»

Priska Muggli: «Der demographische Wandel bringt auch ein grosses Potential mit sich. Es braucht kreative Ideen um dieser Herausforderung zu begegnen.»

Beiträge

  • Karin Frei begrüsst ihre Gäste und führt ins Thema ein

    Sollen Pensionierte zurück an die Arbeit? Die Generation der sogenannten «Golden Agers» geht in Rente. Die Babyboomer sind bei der Pensionierung meist kerngesund, leistungsfähig und haben nicht selten eine ansehnliche Rente. Müssen diese vielen Neurentner die jungen Arbeitnehmer unterstützen und darum auch nach der offiziellen Pensionierung weiter arbeiten? Der CLUB zeigt mit seinen Gästen Lösungsvorschläge auf, wie man das strapazierte Rentensystem entlasten könnte.

  • Monika Stocker: Beraterin, ehem. Vorsteherin Sozialdepartement ZH

    «Natürlich müssen Jungen für Rentner zahlen - so ist der Generationenvertrag.» Die heutigen Rentner haben ausserordentliches geleistet. Sie zahlen AHV-Beiträge, Steuern und so weiter und sind zudem nicht als Rentner zur Welt gekommen. Sie waren auch mal jung und haben vorherige Generationen unterstützt, die teilweise noch keine volle AHV hatten. Es geht nicht an, dass man nun am Generationenvertrag herumschraubt – dieser ist gut so! Die jungen müssen nicht für uns bluten – meine Generation hat zudem viel angespart.

  • Jérôme Cosandey: Vorsorgespezialist von Avenir Suisse

    «Das grosse Potential der älteren Mitarbeiter liegt im Betrieb selbst.» Kaum jemand wird ältere Mitarbeiter neu anstellen. Aber die Firmen müssen das Potential ihrer älteren Arbeitnehmer neu erkennen. Jene Mitarbeiter kennen ihren Betrieb, das Produkt und den Kunden. Das Knowhow ist da und in diesem Prozess braucht es einen Wandel. Vielleicht braucht es mit 60 Jahren für die Mitarbeiter eine institutionalisierte Standortbestimmung um zu beraten, wie es weiter geht.

  • Denise Lambossy: seit 2009 in Pension,Mitglied von Rent a Rentner

    «Ich wollte definitiv als Rentnerin weiter arbeiten aber nicht mehr mit so viel Druck.» Es gibt sicher Momente in denen ich mich frage, warum reicht meine Rente kaum zu leben. Was habe ich falsch gemacht in der Planung und im Budget? Weiterarbeiten tue ich aus Spass und natürlich auch weil ich muss und den „Zustupf“ ganz dringend brauche. Herausforderungen halten frisch!

  • Roland A. Müller: Direktor Arbeitgeberverband

    «Das ältere Arbeitnehmer nicht wohlgewollt sind, ist eine Behauptung. Die Wirtschaft braucht sie.» In Sachen Renten wird noch einiges auf uns zukommen. Diese Entwicklung zeichnet sich ganz klar ab. Auf Grund der demographischen Entwicklung ist eines ganz klar: Es fehlen Leute! Der Fachkräftemangel macht uns zu schaffen – die Wirtschaft wird dort viel aktiver agieren müssen. Künftig wird es weniger junge Arbeitnehmer geben, also wird die Wirtschaft automatisch auf ältere zurückgreifen. Dies ist eine logische Folge.

  • Priska Muggli, Geschäftsführerin «Zeitvorsorge» St. Gallen

    «Firmen müssen sich vielmehr Gedanken darüber machen, was es für Alternativen zur Pensionierung mit 65 gibt.» Im Jahr 2020 gehen zum Beispiel 60‘000 Pflegende in Rente. Dies ist ein Drittel aller aktiven Pflegenden. Wir steuern auf einen gigantischen Engpass zu, der gravierende Ausmasse annehmen wird, wenn wir nichts machen. Nun muss man sich fragen, wer in unserer Gesellschaft kann uns bei diesem Notstand unterstützen? Wir brauchen Freiwillige, die uns Menschlichkeit und Erfahrung zur Verfügung stellen. Wie können wir diese Ressource künftig nutzen?