Sparhammer - Schule in Aufruhr

  • Dienstag, 19. Januar 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. Januar 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 20. Januar 2016, 2:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 20. Januar 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. Januar 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 21. Januar 2016, 4:00 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 21. Januar 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Freitag, 22. Januar 2016, 9:45 Uhr, SRF info

Der Spardruck macht auch vor den Schulen nicht halt. Lohnkürzungen, grössere Klassen, weniger Freifächer lauten die Forderungen. Die Lehrer sehen ihren Leistungsauftrag in Gefahr. Die Politik bleibt hart. Wie viel Rotstift die Qualität der öffentlichen Schulen beschädigt, scheidet die Geister.

Nichts soll tabu sein bei den Diskussionen rund um die Sparmassnahmen in den Schulen. Doch für die einen ist damit das höchste Gut der Schweiz - die Bildung - in Gefahr. Andere sehen darin eine Chance für die Schule der Zukunft, die auch marktwirtschaftlich funktionieren soll.

In den letzten drei Jahren haben die Deutschschweizer Kantone mindestens 265 Mio. Franken im Bildungsbereich eingespart. Für die kommenden drei Jahre sind noch umfassendere Abbaumassnahmen geplant von über 500 Mio. Franken. Nicht darin enthalten sind die Sparmassnahmen der einzelnen Gemeinden.

Auch diese suchen ganz unterschiedliche Wege, um zu sparen: Die einen verzichten auf den Halbklassenunterricht, andere streichen das Fach «Deutsch als Zweitsprache», wieder andere wälzen die Kosten für den Musikunterricht auf die Eltern ab. Im Kanton Luzern steht auch eine zusätzliche Ferienwoche zur Debatte.

Lange galt Bildung in der Schweiz als heilige Kuh, wenn es um Sparmassnahmen ging. Droht jetzt die Schlachtbank? Wohin führen diese Sparmassnahmen? Wie kann die Schule mit der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung mithalten? Und wird das in Zukunft noch finanzierbar sein?

Unter der Leitung von Thomy Scherrer diskutieren im «Club»:

Christoph Wittmer, Rektor Kantonsschule Enge und Präs. Schulleiter-Konferenz Zürich
Liselotte Graf-Zünd, Schulleiterin und Primarlehrerin Thun
Lucien Criblez, Professor für Historische Bildungsforschung und Steuerung des Bildungssystems
Rudolf Minsch, Chefökonom Economiesuisse
Christian Amsler, Erziehungsdirektor SH, Präs. Deutschschweizer Erziehungsdirektoren

Positionen

Christoph Wittmer: «Bildung ist das Fundament unserer Gesellschaft. Die Diskussion über die Finanzen muss mit Weitsicht geführt werden.»

Liselotte Graf-Zünd: «Ein Schüler mehr pro Klasse tönt von aussen betrachtet nach nichts. Aber an der Front kann das riesige Konsequenzen haben: eine Klasse könnte geschlossen werden, in einem Dorf gar eine ganze Schule mit Entlassungen von Lehrern. Und die Schüler müssten umverteilt werden.»

Lucien Criblez: «Die "Krise" der öffentlichen Haushalte trifft den Bildungsbereich zum dümmsten Zeitpunkt: Die Schülerjahrgänge wachsen wieder, in einzelnen Kantonen stark und schnell. Die "guten Zeiten", in denen Wachstum und Reformen im Bildungsbereich nicht nur durch mehr Geld, sondern auch durch den "Generationengewinn" kleiner werdender Schülerjahrgänge finanziert werden konnten, scheinen vorderhand zu Ende zu sein.»

Rudolf Minsch: «Die Qualität des Bildungssystems ist von sehr grosser Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft. In den nächsten Jahren werden die Mittel der öffentlichen Hand generell knapper. Entsprechend muss sich auch die Bildung auf ein tieferes Wachstum der Finanzmittel einstellen. Die Qualität muss durch Effizienzsteigerungen gehalten bzw. noch verbessert werden.»

Christian Amsler: «In den letzten Jahrzehnten war die Bildung quasi eine heilige Kuh, im positiven Sinn. Heute wird sie, in Anbetracht der ausserordentlich schwierigen Finanzlage vieler Kantone, kontroverser diskutiert. Bildungsausgaben machen rund einen Viertel des Staatsbudgets aus. Wir müssen der Bildung Sorge tragen. Ich bin der Meinung, dass man auch in diesem Bereich einen massvollen Schritt zurück machen kann, da in den letzten Jahren eher ausgebaut wurde. Das ist nicht einfach, wir kommen aber nicht drum herum, einen Sparbeitrag zu leisten.»

Beiträge

  • Sparhammer - Schule in Aufruhr

    Der Spardruck macht auch vor den Schulen nicht halt. Lohnkürzungen, grössere Klassen, weniger Freifächer lauten die Forderungen. Die Lehrer sehen ihren Leistungsauftrag in Gefahr. Die Politik bleibt hart. Wie viel Rotstift die Qualität der öffentlichen Schulen beschädigt, scheidet die Geister. Am Mittwoch, dem 13. Januar 2016, haben Studenten, Schüler und Lehrer des Kantons Zürich auf ihre Position aufmerksam gemacht.

  • Thomy Scherrer stellt die Gäste vor

    Lange galt Bildung in der Schweiz als heilige Kuh, wenn es um Sparmassnahmen ging. Droht jetzt die Schlachtbank? Wohin führen diese Sparmassnahmen? Wie kann die Schule mit der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung mithalten? Und wird das in Zukunft noch finanzierbar sein? Das diskutiert Thomy Scherrer mit folgenden Gästen aus dem Bildungssektor.

  • Liselotte Graf-Zünd: «Diese Zitrone ist ausgepresst!»

    Liselotte Graf-Zünd, Schulleiterin und Primarlehrerin in Thun, erlebt tagtäglich, dass die Ansprüche an die Schule immer mehr steigen. Diese Ansprüche zu erfüllen, wird durch die anstehenden Sparmassnahmen sicherlich nicht einfacher. Auf die Nachfrage von Thomy Scherrer, ob man denn nun bei der Bildung sparen dürfe, findet sie richtig deutliche Worte: «Nein. Diese Zitrone ist ausgepresst!»

  • Christian Amsler: «Es tut weh, ist aber notwendig!»

    Christian Amsler, Erziehungsdirektor des Kantons Schaffhausen und Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz, macht klar, dass es zwar unangenehm ist bei der Bildung zu sparen, aber es eben eine Pflicht sei, seinen Teil zu einer Problemlösung beizutragen. Eine Massnahme, die Christian Amsler als durchaus spannenden Ansatz empfindet, ist die Aufstockung einer Schulklasse um allenfalls eine Schülerin oder einen Schüler. Dafür brauche es aber eine Offenheit und Kooperation über die Gemeindegrenzen hinaus.

  • Rudolf Minsch: «Klassen zusammenlegen ist befruchtend!»

    Rudolf Minsch, Chefökonom Economiesuisse, hält es besonders in kleineren Gemeinden für eine diskussionswürdige Option allenfalls mehrere Jahrgänge zusammenzulegen. Das sei sogar befruchtend. Er war früher selber Primarlehrer und hält es für machbar, dass die Schüleranzahl in einer Klasse um eine kleine Dosis erhöht werde.

  • Christoph Wittmer: «Weniger Zeit für mehr Schüler macht Sorgen!»

    Christoph Wittmer, Rektor Kantonsschule Enge und Präsident der Zürcher Schulleiter-Konferenz, hat einen Vorschlag für Sparmassnahmen erarbeitet: Eine Woche mehr unbezahlten Urlaub für Lehrerinnen und Lehrer. «Die Frage war, wenn man etwas Schlechtes machen muss, was ist am wenigsten schlimm», erklärt Christoph Wittmer. Die Lösung mit Kurzarbeit richte die kleinsten Schäden an. Im Gymnasium sind die Schülerzahlen bereits hoch, oft Klassen von 30 Schülern, so dass die mögliche Zukunft, weniger Zeit für mehr Schüler bei grösseren Herausforderungen zu haben, Grund zur Sorge sei.

  • Lucien Criblez: «Die Frage ist: Was bieten wir nicht mehr an?»

    Lucien Criblez, Professor für Historische Bildungsforschung und Bildungspolitik, findet es fragwürdig die Sparmassnahmen wie Mosaiksteinchen zusammenzustückeln. Aller Voraussicht nach werden sich diese Probleme im Bildungswesen in den nächsten Jahren konstant halten, so dass allenfalls immer weitere Mosaiksteinchen notwendig würden. Gemäss Lucien Criblez wäre es eigentlich fairer, wirklich offen die Frage zu stellen, was konkret man nicht mehr anbieten wolle. Das wäre zwar eine radikalere Lösung, aber man würde nicht jedes Jahr weitere versteckte Einbussen in Kauf nehmen müssen.