Teure Medikamente - nicht mehr für alle?

Wer schwerkrank ist, ist auf wirksame Behandlungen angewiesen. Teure Krebsmedikamente treiben die Gesundheitskosten in die Höhe. Sind Behandlungskosten von bis zu 100'000 Franken pro Jahr gerechtfertigt und wer entscheidet wann «genug» ist?

Die Kosten für Krebsmedikamente haben sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht. Die Sendung «Kassensturz» beleuchtet die Preispolitik und das Kosten-/ Nutzenverhältnis von wichtigen Krebsmedikamenten. Die Sendung «Club» diskutiert anschliessend die Folgen teurer Medikamente für die Gesundheitskosten. Können sich bald nur noch die Reichen teure Medikamente leisten, falls sie die Krankenkassen nicht mehr bezahlen? Müssen die Patienten und Patientinnen lernen zu verzichten - mit Rücksicht auf die allgemeinen Gesundheitskosten. Und: Wie teuer darf ein Lebensjahr sein?

Im «Club» diskutiert Karin Frei mit:

Pascal Strupler, Direktor Bundesamt für Gesundheit BAG
Manuela Jensen, Krebspatientin
Franco Cavalli, Onkologe
Erika Ziltener, Präsidentin Schweizerische Patientenstellen
Thomas Cueni, Weltverband der forschenden Pharmaindustrie IFPMA
Konstantin Beck, Gesundheitsökonom

Positionen:

Pascal Strupler: «Medikamente müssen für alle, die sie brauchen, zugänglich sein - und bezahlbar. Die Preisvorstellungen der Pharmafirmen stehen dem nicht selten entgegen.»

Manuela Jensen: «Selbstverständlich mache ich mir Gedanken, wenn ein Medikament extrem teuer ist. Aber aus Preisgründen verzichten möchte ich dann doch nicht. Es geht um mein Leben.»

Franco Cavalli: «Man darf die Verantwortung für den Entscheid, ob ein teures Medikament eingesetzt werden soll, nicht einfach auf Ärzte und Patienten abschieben.»

Erika Ziltener: «Wir verlangen mehr Transparenz von der Pharmabranche. Produktions- und Forschungskosten rechtfertigen die hohen Preise nicht. Selbst wenn der Nutzen eines Medikaments nicht ausreichend ausgewiesen ist, lässt es sich über emotionalen Druck mit betroffenen Personen einfordern und genau das macht die Pharmaindustrie.»

Konstantin Beck: «Wer bezahlt die hohen Kosten am Lebensende? Die Allgemeinheit. Warum also nicht auch die Allgemeinheit fragen, wie teuer diese Kosten sein sollen? Wir haben das - im Rahmen eines Nationalfonds-Projekts - gemacht, und die Antworten fielen relativ grosszügig aus.»

Thomas Cueni: «Ich wehre mich dagegen, dass man die Patienten glauben macht, die Zweiklassenmedizin sei unvermeidlich, obwohl nur ein Rappen pro Franken Gesundheitsausgaben für Krebsmedikamente ausgegeben wird.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Die Runde diskutiert und streitet darüber, wie die hohen Medikamentenpreise zustande kommen und wer dafür verantwortlich ist.

  • «Man hält sich an jedem Strohhalm.»

    Manuela Jensen fühlt sich für die hohen Gesundheitskosten mitverantwortlich. Als Krebspatientin benötigt sie teure Medikamente. Aber diese geben ihr auch Hoffnung.

  • «Die Medikamentenpreise sind zu hoch.»

    Der Onkologe erläutert, dass die Entwicklung der hohen Medikamentenpreise nicht mehr zu ertragen sei, mit Preisen von bis zu 150'000 Franken pro Jahr pro Patient.

  • «Es braucht eine Zäsur.»

    So wie die Pharmaindustrie heute funktioniert, könne es nicht weitergehen. Die Präsidentin der Schweizerischen Patientenstellen fordert eine Zäsur.

  • «Einige Medikamente sind günstiger geworden.»

    Der Pharmavertreter Thomas Cueni zu den Medikamentenpreise: Die Krebsmedikamente sind preislich gestiegen, weil bei diesen ein wissenschaftlicher Fortschritt dahinter stecke. Blutdrucksenkende Medikamente hingegen sind günstiger geworden. Medikamentenkosten seien im Vergleich zu anderen Gesundheitskosten weniger gestiegen.

  • «100'000 Franken für ein Lebensjahr.»

    Der Gesundheitsökonom Konstantin Beck über sein Nationalfondsprojekt zum Thema Lebensende. Darin geht es u.a. darum, was ein weiteres Lebensjahr kosten dürfte.

  • Statistik Preise Krebsmedikamente

Mehr zum Thema