Traumatisiert, allein, verloren: Kinder auf der Flucht

  • Dienstag, 13. September 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 13. September 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 14. September 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 14. September 2016, 11:00 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 17. September 2016, 14:05 Uhr, SRF info

28 Millionen Kinder und Jugendliche sind weltweit auf der Flucht vor Krieg, Not und Gewalt. Viele fliehen ohne Angehörige. Auf ihrer gefährlichen Odyssee werden sie verschleppt, misshandelt und missbraucht. Mit welchen Folgen kämpfen diese traumatisierten Kinder? Welche Hilfe ist sinnvoll?

2015 erreichten 2800 unbegleitete minderjährige Asylsuchende die Schweiz, beinahe drei Mal so viele wie im Jahr zuvor. Die meisten Geflüchteten sind zwischen 16 und 17 Jahre alt und stammen aus Eritrea, Afghanistan, Somalia oder Syrien. 15 Prozent der Schutzsuchenden sind Mädchen. Viele der Geflohenen kämpfen mit schwersten psychischen und physischen Folgen ihrer kräftezehrenden Reise.

Die Schweiz ist verpflichtet gerade diesen Hilfesuchenden besonderen Schutz zukommen zu lassen. Die Realität sieht laut der Schweizerischen Flüchtlingshilfe jedoch oft anders aus. Nicht selten bleibt minderjährigen Betroffenen verwehrt, was ihnen eigentlich zustünde und sie sind komplett auf sich allein gestellt.

Welche Hilfestellung minderjährige Asylanten erhalten entscheidet jeder Kanton selbst. Manche Kantone kommen dieser Verpflichtung vorbildlich nach, andere behandeln die jungen Flüchtlinge stiefmütterlich. Kritiker der flüchtlingsfreundlichen Praxis befürchten, dass die schweizerische Flüchtlingskultur einen Sog bewirkt und sich noch mehr Flüchtlinge die Schweiz als Ziel aussuchen.

Sind die Narben auf der Seele von geflüchteten Kindern heilbar? Und wie kann diesen speziellen Flüchtlingen richtig und sinnvoll geholfen werden?

Unter der Leitung von Karin Frei diskutieren im «Club»:

Fana Asefaw, Kinder- und Jugendpsychiaterin, Oberärztin Clienia Littenheid, Eritreerin
Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin Unicef Schweiz, Sonderpädagogin
Katrin Jaggi, private Flüchtlingshelferin, Flüchtlingsschule «welcome 2 school», Verein «züri 4 refugees»
Aliki Panayides, Geschäftsführerin SVP Kanton Bern, Gemeinderätin Ostermundigen
Guido Graf, Gesundheits- und Sozialdirektor LU/CVP
Phuc Tran, ehem. Bootsflüchtling aus Vietnam, Gastrounternehmer, Bijouterieverkäufer
Ramin Yousofzai, Student, ehem. afghanischer Flüchtling

Positionen

Fana Asefaw: «Die Bürokratie und die teilweise lange Wartezeit bis man sich hier als junger Flüchtling in Sicherheit fühlt, können demoralisierender sein als das erlebte Trauma auf der Flucht.»

Elsbeth Müller: «Flüchtlingskinder sind in allererster Linie Kinder und ihre Not erfordert unser Mitgefühl. Auch sie haben ein Recht auf Schutz und auf Bildung - unabhängig von ihrem Status. Unsere Gesellschaft hat die Pflicht, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und die Kinderrechte sicherzustellen.»

Katrin Jaggi: «Es geht nicht um eine romantisierende Willkommenskultur. Diese Jugendlichen sind da. Wir sind per Gesetz verpflichtet, uns um sie zu kümmern. Diese Herausforderung gilt es zu meistern.»

Aliki Panayides: «Mit einer optimalen Betreuung dieser jungen Asylsuchenden befeuern wir die Migrationsströme: Diese Kinder und Jugendlichen werden von ihren Familien ganz bewusst losgeschickt, in der Hoffnung, dass sie später die Familie unterstützen können.»

Guido Graf: «Die Integrationsarbeit von Bund und Kantonen ist ungenügend, weil uns die Mittel fehlen. Die jungen Flüchtling zu integrieren ist auf lange Sicht gesellschafts- und wirtschaftspolitisch klug.»

Phuc Tran: «Unsere Flucht aus Vietnam war hart aber wir wollten es unbedingt an einem neuen Ort nochmal schaffen. Mein erster Eindruck von der Schweiz? Wir wurden desinfiziert und neu eingekleidet. Ich erhielt zum ersten Mal in meinem Leben Unterwäsche – ein unglaublicher Luxus. In meinem Heimatland tragen so etwas nur reiche Leute.»

Ramin Yousofzai:«Für mich ist es das A und O, die Sprache richtig zu beherrschen. Am Ende ist es das, was einem die Türen öffnet und hilft, akzeptiert zu werden.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gästerunde vor.

    Ehemalige Flüchtlinge und Experten beleuchten das Schicksal von Kindern und Jugendlichen auf der Flucht.

  • «Wenn sie hier sind, brechen viele zusammen.»

    Fana Asefaw, Kinder- und Jugendpsychiaterin, Oberärztin Clienia Littenheid, kam selber vor vielen Jahren als Flüchtling in die Schweiz. Heute therapiert sie u.a. auch traumatisierte Kinder und Jugendliche. Welcher Gewalt diese jungen Menschen ausgesetzt seine, könne man sich hier kaum vorstellen.

  • «Diese Kinder brauchen unseren bedingungslosen Schutz.»

    Elsbeth Müller, Geschäftsleiterin Unicef Schweiz und Sonderpädagogin, erklärt, warum immer mehr Kinder und Jugendliche - allein oder mit ihren Familien - auf den Fluchtrouten unterwegs sind. Sie seien in allererster Linie Kinder und müssten ganz besonders geschützt und betreut werden.

  • «Ein Flüchtlingskind in einer Notschlafstelle ist ein Skandal!»

    Katrin Jaggi, private Flüchtlingshelferin, Mitbegründern der Flüchtlingsschule «welcome 2 school» und des Vereins «züri 4 refugees», mahnt, dass in vielen Schweizer Kantonen noch zuwenig für die schutzbedürftigen Kinder und Jugendlichen getan werde.

  • «Eltern schicken ihre Kinder oft allein auf die Flucht!»

    Aliki Panayides, Geschäftsführerin SVP Kanton Bern und Gemeinderätin Ostermundigen, kritisiert eine bedingungslose Willkommenskultur. Wer Kinder aufnimmt, die ganz gezielt von ihren Familien zwecks künftiger Existenzsicherung auf die Flucht geschickt würden, der würde diese Migrationsströme samt Elend der Kinder nur noch befeuern.

  • «Es wird zuwenig für die Integration getan.»

    Guido Graf, Gesundheits- und Sozialdirektor LU/CVP, zeigt sich schockiert über die Situation, dass Kinder z.T. sogar in Notschlafstellen untergebracht werden. Bei der Integration gerade dieser jungen Menschen sieht er noch grossen Handllungsbedarf. Für nicht mehr Schulpflichtige brauche es besondere Angebote.

  • «Wir wurden auf der Flucht ausgeraubt und ausgesetzt.»

    Phuc Tran, ehem. Bootsflüchtling aus Vietnam, Gastrounternehmer und Bijouterieverkäufer, kam 1980 als Kind in die Schweiz. Die Herzlichkeit, mit der er von den Schweizern empfangen worden war, klinge noch heute in ihm nach. Zuvor erlebte er eine lange Flucht des Schreckens.

  • «Heute kann ich der Schweiz etwas zurückgeben!»

    Ramin Yousofzai, Student und ehemaliger afghanischer Flüchtling, kam 2001 mit 9 Jahren in die Schweiz und integrierte sich sehr rasch im neuen Land. Seine Eltern hätten ihn dabei von Beginn weg ganz intensiv dazu ermuntert und ihn dabei unterstützt.

  • Wenn Kulturen aufeinanderprallen.

    Eine muslimische Flüchtlingsfrau im Schweizer Hallenbad (DOK)

  • Keine bedingungslose Unterstützung.

    Ein afghanischer Flüchtling träumt von einer Musikerkarriere, doch die Schule geht auch bei ihm vor. (DOK)

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