Türkei – auf dem Weg zum Gottesstaat?

  • Dienstag, 19. Juli 2016, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 19. Juli 2016, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 20. Juli 2016, 2:31 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 20. Juli 2016, 8:41 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. Juli 2016, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. Juli 2016, 12:42 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 20. Juli 2016, 16:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 21. Juli 2016, 4:00 Uhr, SRF 1
    • Donnerstag, 21. Juli 2016, 12:45 Uhr, SRF info
    • Samstag, 23. Juli 2016, 9:05 Uhr, SRF info
    • Samstag, 23. Juli 2016, 10:41 Uhr, SRF info

Wie geht es weiter mit der Türkei nach dem gescheiterten Putsch? Befürchtet wird, dass Präsident Erdogan nun seine letzten Kritiker beseitigen und die Islamisierung seines Landes weiter vorantreiben wird.

Nach dem misslungenen Militärputsch von Freitagnacht hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein gnadenloses Vorgehen gegen seine Feinde angekündigt. Er liess bereits viele Tausend Generäle, Offiziere, Soldaten und Richter festnehmen. Die Wiedereinführung der Todesstrafe steht zur Diskussion. Erwartet wird, dass Präsident Erdogan jegliche Opposition eliminieren und noch autoritärer regieren wird.

Doch die Gesellschaft ist zerrissen. Viele begrüssen, genau wie Erdogan, den Islam als Leitbild, andere befürchten gar einen Gottesstaat, ähnlich dem Iran. Und die Kurden haben Angst vor einer Eskalation.

Die Türkei ist und bleibt eine Brücke zwischen Abendland und Morgenland. Umso wichtiger ist eine stabile Türkei als zentraler Partner des Westens. Möglich, dass sich die Flüchtlingskrise wieder verstärkt, als Folge einer restriktiveren Politik Erdogans. Wohin geht also die Türkei? Die hochaktuelle Diskussion im «Club» unter der Leitung von Karin Frei mit:

Werner van Gent, SRF-Korrespondent
Edibe Gölgeli, Grossrätin BS, mit türkisch-kurdischen Wurzeln
Maurus Reinkowski, Islamwissenschafter, Universität Basel
Margerite Zoetewij-Turhan, Europarechtlerin, Universität Freiburg
Borhan Bas, Psychologiestudent und Journalist, mit türkischen Wurzeln

Positionen

Werner Van Gent: «Ich habe Angst, der missglückte Putsch könnte sich wie ein Brandbeschleuniger auf die bestehenden Konflikte auswirken.»

Edibe Gölgeli: «Erdogan ist zwar ein Antidemokrat, ihn aber antidemokratisch, also mit einem Putsch zu bekämpfen, ist keine Lösung. Man müsste ihn wegwählen können. Ob das allerdings funktioniert ist eine andere Frage.»

Maurus Reinkowski: «Der gescheiterte Putschversuch ist ein Erfolg für Demokratie und Zivilgesellschaft, aber zugleich wächst die Gefahr, dass die Türkei in Zukunft ein autoritärer Staat sein wird.»

Margerite Zoetewij-Turhan: «Der Putsch des Militärs ist gescheitert. Der wahre Putsch ist jedoch jener Erdogans und der geht weiter. Langsam aber sicher hebelt er die Demokratie aus.»

Borhan Bas: «Für mich ist es wichtig, dass die Polarisierung und Hetze, die in der Türkei stattfindet, nicht auf die Schweiz überschwappt. Wir müssen hier sehr proaktiv arbeiten, dass wir das Problem nicht importieren.»

Beiträge

  • Karin Frei stellt die Gäste vor

    Karin Frei diskutiert mit ihren Gästen, wie es mit der Türkei nach dem Militärputsch weitergeht und ob Präsident Erdogan die Islamisierung seines Landes vorantreiben wird.

  • Werner van Gent: «Erdogan fürchtete sich vor einem Putsch.»

    Der bekannte Fernsehkorrespondent berichtet seit Jahrzehnten aus dem Nahen Osten und der Türkei. Der Putschversuch hat ihn völlig überrascht, damit hätte er zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet. Van Gent beschreibt, was der Militärputsch 2013 in Aegypten beim türkischen Präsidenten Erdogan ausgelöst hat.

  • Edibe Gölgeli: «Gläubig zu sein rechtfertigt keine Lynchjustiz.»

    Für Edibe Gölgeli ist klar, dass Präsident Erdogan die Religion als Mittel zum Zweck nutzt, um mehr Macht zu gewinnen.

  • Maurus Reinkowski: «Das Thema Gottesstaat ist nicht neu.»

    Der Wissenschafter beobachtet die Diskussion in der Türkei, ob das Land Richtung islamischen Gottesstaat geht, seit Jahren. Es stelle sich die Frage, ob hinter Erdogans Politik eine sogenannte "hidden agenda", also ein verborgener Plan steht.

  • Margerite Zoetewij:«Ein EU-Beitritt der Türkei wird unsicherer.»

    Margerite Zoetewij-Turhan hat acht Jahre in Istanbul gelebt. Würde die Türkei ein streng islamischer Staat werden, hätte sie nach Einschätzung der Europarechtlerin keine Chance mehr auf einen EU-Beitritt.

  • Borhan Bas: «Sogenannte Verräter sollen gemeldet werden.»

    Der Journalist Borhan Bas kritisiert, dass es in der Türkei keine freie Presse mehr gibt, bei der Meinungsfreiheit möglich ist. Die Hetzte gegen sogenannte Verräter findet nun auch im Ausland statt.