Überraschender Abgang des Papstes

Aus aktuellem Anlass stellt der «Club» das Thema um: Für alle überraschend tritt Papst Bendedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen zurück. Mona Vetsch diskutiert mit Kirchenvertretern und Kritikern die Hintergründe des Abgangs und zieht eine Bilanz seiner Amtszeit.

Gesprächgäste

  • Abt Martin, Kloster Einsiedeln
  • Weihbischof Marian Eleganti, Bistum Chur
  • Klara Obermüller, Publizistin
  • Martin Iten, ARGE Weltjugendtag
  • Monika Schmid, Pfarreibeauftragte

Beiträge

  • Moderatorin Mona Vetsch

    Moderatorin Mona Vetsch

  • Abt Martin, Kloster Einsiedeln

    Abt Martin, Kloster Einsiedeln

    «Papst Benedikt XVI. hat in seinen Schriften durchblicken lassen, dass er weiss, was in der Kirche nicht stimmt. In der Schrift „Das Jahr des Glaubens“ fordert er uns auf, die Freude am Glauben wieder zu entdecken, umzukehren und die Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen. Er sagt, wie er die Menschen wahrnimmt und dass etwas passieren müsse. Er hat z.B. auch meine Schrift „Miteinander die Glut unter der Asche entdecken“ inspiriert.»

  • Martin Iten, ARGE Weltjugendtag

    Martin Iten, ARGE Weltjugendtag

    «Für mich ist der Rücktritt des Papstes, wie wenn ein Freund von mir Abschied nehmen würde. Ich habe nie mit ihm geredet, er kennt mich nicht. Durch das, was er in den letzten acht Jahren gesagt und geschrieben hat, habe ich dennoch einen Zugang zu ihm gefunden. In dieser Zeit ist er mir ans Herz gewachsen. Es fühlt sich an, als würde jetzt ein Freund sagen: „Tschüss mitenand!“»

  • Klara Obermüller, Publizistin

    Klara Obermüller, Publizistin

    «Joseph Ratzinger war Chef der Glaubenskongregation. Man kannte seine dogmatischen Positionen und wusste, wen man zum Papst wählen würde. Obwohl er ein hervorragender Theologe ist, muss man auch seine Fehltritte benennen: Seine Rede in Regensburg gegen den Islam, seine Annäherung an den rechten Rand der Kirche zu der Piusbruderschaft mit ihren Holocaust-Leugnern, die Zulassung der tridentinischen Liturgie mit der Karfreitagsfürbitte zur Bekehrung der Juden, seine Hypothek des sexuellen Missbrauchs in der Kirche …. Er hatte gute Seiten, einiges ging bei ihm aber auch daneben.»

  • Weihbischof Marian Eleganti, Bistum Chur

    Weihbischof Marian Eleganti, Bistum Chur

    «Er hat sich auch mit den Bewegungen der Basis wie der Pfarreibewegung auseinandergesetzt. In einer Predigt hat er sich darauf bezogen. Es ist ausserordentlich, dass ein Papst direkt auf solche Vorgänge eingeht. Er stellte dabei die wesentliche Frage, ob es vorstellbar sei, dass eine wahre Veränderung der Kirche durch den Ungehorsam realisiert werden kann. Das zeigt uns, dass der Papst bestens darüber informiert ist, was sich in der Kirche tut.»

  • Monika Schmid, Pfarreibeauftragte

    Monika Schmid, Pfarreibeauftragte

    «Die jungen Menschen in meiner Pfarrei, darunter auch Ministranten, kritisch denkende Jugendliche, können nicht verstehen, dass nicht auch Frauen oder verheiratete Männer den Auftrag erhalten, wie ein Priester eine Pfarrei zu leiten. Diese Menschen haben Fragen an Benedikt XVI. Er hat sich grosse Mühe gegeben, den rechten Flügel wie die Piusbrüder in die Kirche zurückzuholen. Dabei hat er aber nicht gemerkt, dass viele der Gläubigen still und leise seine Kirche verlassen haben.»