Was ist ein guter Schweizer?

  • Dienstag, 28. Juli 2015, 22:25 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 28. Juli 2015, 22:25 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 29. Juli 2015, 2:30 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 29. Juli 2015, 8:35 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 29. Juli 2015, 11:00 Uhr, SRF info
    • Mittwoch, 29. Juli 2015, 12:40 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 30. Juli 2015, 3:50 Uhr, SRF 1
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    • Samstag, 1. August 2015, 9:05 Uhr, SRF info
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    • Samstag, 1. August 2015, 15:15 Uhr, SRF info

Wir kommunizieren global, reisen überall hin und kommen zurück in die heile Schweiz. In ein System, das funktioniert. Selbstverständlich. Daheim weiss man eben, was Ordnung, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit heissen. Ein Land, bewohnt und bewirtschaftet von guten Schweizern. Tatsächlich?

Die Schweiz hat sich verändert. Ebenso die Welt. Wir leben länger und gesünder, werden älter. Noch nie ging es einer breiten Bevölkerungsschicht so gut. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen Einlass in die Schweiz. Alle wollen ein Stück des Kuchens. Man solle teilen und solidarisch sein. Mit Zuwanderern, mit den anderen Generationen. Und doch gilt es, den Besitzstand zu wahren. Die Angst um Heimatverlust scheint allgegenwärtig.

Nur, ist dieser Anspruch auf Heimat möglicherweise zu selbstverständlich geworden? Und man fragt weniger, was man zum Gemeinwohl beitragen kann, als was einem dieser Staat für die Steuern und Abgaben, die man leistet, gibt? Ist es eine Heimat, die mehr romantisches Gefühl als gelebte Realität ist, weil wir uns dem Facebook-Freund in Australien näher fühlen als dem Nachbarn nebenan?

Der «Club» fragt nach dem Selbstverständnis, das wir als Bewohnerinnen der Schweiz haben. Was heisst es, in Zeiten des Wandels ein guter Schweizer, eine gute Schweizerin zu sein?

Positionen

Daniel Strassberg: «Den guten Schweizer, die gute Schweizerin gibt es nicht, die gute Schweiz mit ihren vielen funktionierenden Institutionen hingegen schon.»

Hazel Brugger: «Humor wird in der Schweiz oft als Störfaktor und nicht als Kulturgut wahrgenommen und das würde ich gerne ändern.»

Yvonne Brändle-Amolo: «Den kulturellen Graben zwischen mir und der Schweiz habe ich mit dem Jodeln überwinden können, das Singen hat mir die Türe zur Schweizer Mentalität geöffnet, seither fühle ich mich integriert.»

Anton Gunzinger: «Der gute Schweizer ist verliebt in die Schweiz.»

Markus Ritter: «Der gute Schweizer müsste sich Gedanken über den dritten Lebensabschnitt machen. Die Generation 60plus ist heute noch so fit, dass sie der Gemeinschaft durchaus noch etwas mehr zurückgeben könnte, als sie dies zur Zeit tut.»

Beiträge

  • Daniel Strassberg, Philosoph, Psychoanalytiker

    Der Philosoph stört sich am Begriff des "guten Schweizers". Den gäbe es für ihn nicht, sondern nur eine Schweiz mit ihren funktionierenden Systemen wie dem Steuersystem, dem Sozialsystem, etc. Daniel Strassberg analysiert hierauf die Reaktion der Schweizerinnen und Schweizer auf die aktuelle Zuwanderung. Die Schweiz, sagt er, müsse sich sowieso zum einem "Patchwork" verändern.

  • Hazel Brugger, Slam-Poetin

    Hazel Brugger ist weltweit auf Kleinkunstbühnen zu Hause und kennt die Reaktionen auf das "typisch Schweizerische". Was ihr missfällt ist, wenn sich die Schweizer selber zur "Folklore" machen. Sie habe sich auch schon häufig für die Schweizer geschämt.

  • Yvonne Brändle-Amolo, Künstlerin, SP-Nationalratskandidatin

    Yvonne Brändle-Amolo kam durch die Heirat mit einem Schweizer in die Schweiz. Zugang zu den Schweizern hätte sie durch die Sprache gefunden, später kam das Jodeln hinzu. Viele Menschen, auch ältere, seien da ganz spontan und offen auf sie zugekommen. In diesen Momenten, und nicht am Tag, als sie Schweizer Bürgerin wurde, habe sich ihre Schweizerische Identität geformt.

  • Anton Gunzinger, ETH-Professor für Computer-Architektur, Autor

    Für Anton Gunzinger war der Schweizer Autor Max Frisch ein Vorzeigeschweizer: Dieser habe die Schweiz geliebt, sie aber auch immer wieder kritisiert, weil er sie eben so sehr liebte. Und wenn nach solchen Auseinandersetzungen ein gemeinsames erreichtes Ziel resultiere, dann sei das eine "gute Schweiz" und heute aus seiner Sicht auch "typisch schweizerisch".

  • Markus Ritter, Präsident Schweizer Bauernverband, CVP-Nationalrat

    Markus Ritter beschreibt die Verunsicherung eines Teils der Schweizer Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen, die in die Schweiz gelangen möchten. Das Schweizer-Sein mit der gesamten sozialen Sicherheit sei für alle, auch für die Schweizer, ein grosser Luxus, der auch bei Nichtschweizerin zu einer grossen Attraktivität führe.

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