Weltpolitik ohne Kompass

  • Dienstag, 13. Juni 2017, 22:20 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Dienstag, 13. Juni 2017, 22:20 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Mittwoch, 14. Juni 2017, 1:35 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 14. Juni 2017, 11:00 Uhr, SRF info
    • Donnerstag, 15. Juni 2017, 16:40 Uhr, SRF info
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    • Sonntag, 18. Juni 2017, 14:05 Uhr, SRF info

Die jüngste Schlappe in Grossbritannien für Theresa May, der Coup von Emmanuel Macron in Frankreich, die schicksalshafte Wahl von US-Präsident Donald Trump: Die Weltpolitik wird regelmässig erschüttert. Konstant scheint einzig die Inkonstante. Wir leben in einem Zeitalter der radikalen Ungewissheit.

Sie kündigen Klimaabkommen, unterhalten undurchsichtige Beziehungen zu autoritären Regimes, agieren mit Hauruck-Übungen auf die Migrationsströme: Fast täglich sorgen die grossen Politakteure für Überraschungen und Konsternation. Die Rede ist vom «Zeitalter der selbstgefälligen Eliten»; Eliten, die den Draht zum Volk längst verloren zu haben scheinen und den sozialen Frieden gefährden.

Sowohl die Wirtschaftsordnung als auch die westlichen Demokratien scheinen sich in einer Krise zu befinden. Der Populismus grassiert, Gewinner sind die Demagogen. Und die Frage steht im Raum: Droht der Niedergang der liberalen Gesellschaftsmodelle, sowie der Macht- und Autoritätsverlust der westlichen Wertvorstellungen? Hat das Volk gar selbst das Chaos gewählt? Wer ist wirklich schuld und wer hält Gegensteuer?

Die «Club»-Diskussion unter der Leitung von Urs Gredig mit:

Moritz Leuenberger, Alt Bundesrat
Claude Longchamp, Historiker und Politikwissenschaftler
Katja Gentinetta, Politikphilosophin
Stefanie Walter, Professorin für Internationale Beziehungen Uni Zürich
Roger Köppel, Verleger «Weltwoche», Nationalrat SVP/ZH
David Bosshart, CEO Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, Trendforscher

Positionen:

Moritz Leuenberger: «Die direkte Demokratie schärft das politische Bewusstsein viel mehr als jede andere Staatsform. Dennoch werden populistische Elemente auch bei uns mehr und mehr eingesetzt. Das führt allmählich zu einer Verblödung der Politik.»

Claude Longchamp: «Wahl- und Abstimmungsentscheidungen sind unsicherer geworden, weil zunehmend offen ist, wer sich beteiligt. Das aufklärerische Credo, mehr Bildung bringt mehr politische Informiertheit und die bringt mehr Beteiligung, stimmt so nicht mehr.»

Katja Gentinetta: «Finanzkrise, Migration, Digitalisierung: Viele Menschen blicken verunsichert in die Zukunft und wählen deshalb das vermeintlich Vertraute, das jedoch nicht immer die richtigen Antworten auf die Herausforderungen gibt.»

Stefanie Walter: «Trump hat die Welt unberechenbarer gemacht, aber damit auch gezeigt warum wir internationale Zusammenarbeit brauchen.»

Roger Köppel: «Das Volk wählt manchmal Chaos, aber gemessen am Chaos, das Politiker veranstalten, wenn sie zu wenig kontrolliert werden, hält es sich in Grenzen.»

David Bosshart: «In Zeiten einer immer anarchistisch werdenden Welt wird das Gut Vertrauen immer wichtiger.»

Beiträge

  • Urs Gredig stellt die Gästerunde vor:

  • «Protestwahlen hat es schon immer gegeben.»

    Moritz Leuenberger, alt Bundesrat, betont, dass es Protestentscheide gegen die Eliten schon immer gegeben habe. Auch das sei ein Teil der Demokratie.

  • «Das Autoritäre kommt zurück.»

    Claude Longchamp, Historiker und Politikwissenschaftler, erklärt, wie autoritäre Regimes wie mit Putin oder Erdogan so erstarken konnten.

  • «Jede Krise bestätigte eine Unbeständigkeit.»

    Katja Gentinetta, Politikphilosophin, schildert, warum die Unbeständigkeit der Lösungsansätze nach Krisen zu überraschenden Wahl- und Abstimmungsresultaten führen kann.

  • «Ja, es gibt eine europäische Sinnkrise.»

    Stefanie Walter, Professorin für Internationale Beziehungen Uni Zürich, erklärt, wie der Aufschwung von andere Staaten die Sinnkrise in Europa verursachte.

  • «Nichts von dem, was kam, hatte ich erwartet!»

    Roger Köppel, Verleger «Weltwoche», Nationalrat SVP/ZH, erklärt Überraschungscoups wie die Wahl von Trump u.a. mit einem wachsenden Misstrauen gegenüber den traditionellen Parteien.

  • «Die Welt ist nicht mehr linear, alte Ideologien, längst passé!»

    David Bosshart, CEO Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft, Trendforscher, sagt, dass dem Verlust der Parteienorientierung nicht zuletzt die Digitalisierung zu Grunde liegt.

  • «Leben wir im Zeitalter radikaler Ungewissheit?»