Wenn Altenpflege aggressiv macht

Oft liegen die Nerven blank, wenn Angehörige alte Menschen zu Hause pflegen. Viel häufiger als vermutet kommt es dabei zu Übergriffen. Dies bestätigen neueste Untersuchungen. Im «Club» bei Karin Frei erzählen Angehörige vom schmalen Grat zwischen Fürsorge und Gewalt.

Gründe für Übergriffe gibt es viele: Oft wird von den Pflegenden eine 24-Stunden Präsenz gefordert. Überlastung, Frustration und Einsamkeit sind die Folge. Dies erst recht, wenn die Gepflegten selbst frustriert oder aggressiv sind und die einzige Aussicht jene darauf ist, dass es nur noch bergab geht. Eine neue Studie bestätigt, was Fachleute längst vermuten: Am grössten ist die Gefahr für Übergriffe, wenn alte Menschen in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. Weshalb ist das so? Wie kommt es zu solch prekären Situationen? Kann man sie auf die Dauer überhaupt verhindern? Braucht es Kontrollmechanismen? Und einmal mehr: Wer pflegt die Pflegenden?

Gesprächsgäste

  • Gabriela Bieri-Brüning, Stadtärztin, Chefärztin Geriatrischer Dienst der Stadt Zürich
  • Brigitta Bhend-Küng, Geschäftsführerin unabhängige Beschwerdestelle für das Alter, UBA ZH/SH
  • Sonja Derendinger, pflegt Ehepartner zu Hause
  • Käthy Möckli, pflegte Alzheimerkranken Mann während 9 Jahren
  • Dorothea Fiechter, Trainerin Aggressionsmanagement
  • René Magnin, pflegte seine Ehefrau

Hilfsangebote

UBA: Die unabhängige Beschwerdestelle für das Alter berät Betagte und Angehörige in schwierigen Situationen: unbürokratisch und rasch: 058 450 60 60

Pro Senectute: Kostenlose Beratungsstellen in der ganzen Schweiz für Betagte und Angehörige: 044 283 89 89

Curaviva Schweiz ist der nationale Dachverband von über 2400 Heimen und sozialen Institutionen aus den Bereichen «Menschen im Alter», «erwachsene Menschen mit Behinderung» sowie «Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen».

Die Schweizerische Alzheimervereinigung ist für Menschen mit einer Demenz, für ihre Angehörigen und andere Betreuende da und bietet umfassende Hilfestellung durch zahlreiche Unterstützungsangebote: 024 426 06 06

Ausstrahlungsdaten

  • Dienstag, 05. Februar 2013, 22.20 Uhr, SF 1
  • Mittwoch, 06. Februar 2013, 01.40 Uhr, SF 1
  • Mittwoch, 06. Februar 2013, 11.00 Uhr, SF info
  • Donnerstag, 07. Februar 2012, 03.55 Uhr, SF 1
  • Donnerstag, 07. Februar 2013, 12.40 Uhr, SF info
  • Samstag, 09. Februar 2013, 14.00 Uhr, SF 1

Beiträge

  • Moderatorin Karin Frei

    Moderatorin Karin Frei

  • Käthy Möckli, pflegte Alzheimerkranken Mann während 9 Jahren

    Käthy Möckli, pflegte Alzheimerkranken Mann während 9 Jahren

    «Ich habe drei Fälle erlebt, in denen der Betreuer aus Erschöpfung vor dem zu Pflegenden gestorben ist. Das darf nicht sein. Es ist wichtig, dass man sich rechtzeitig Hilfe holt. Und hier müsste auch die Gesellschaft als Ganzes mehr Verantwortung übernehmen und Hilfsbereitschaft zeigen.»

  • Sonja Derendinger, pflegt Ehepartner zu Hause

    Sonja Derendinger, pflegt Ehepartner zu Hause

    «Als „normale“ Pflegende – mein Mann hatte zwei Hirninfarkte - bin ich oft allein gelassen. Für Angehörige, welche Menschen mit einer Diagnose wie Alzheimer pflegen, ist das Angebot an Anlaufstellen grösser. Ich wünschte mir, es gäbe gerade für die psychische Bewältigung der Pflege, auch für Pflegende wie mich mehr Anlaufstellen.»

  • René Magnin, pflegte seine Ehefrau

    René Magnin, pflegte seine Ehefrau

    «Man kann sich als Einzelperson noch so viel Mühe geben, was ein Heim den Patienten physisch und psychisch bietet, kann ein Einzelner im fortgeschrittenen Krankheitszustand nicht leisten. Rückblickend würde ich mich heute wohl früher für einen Heimplatz entscheiden.»

  • Brigitta Bhend-Küng UBA ZH/SH

    Brigitta Bhend-Küng UBA ZH/SH

    «Heute sehen wir in unserer Gesellschaft bezüglich der Gewalt im Alter allgemein und in häuslichen Pflegesituationen im Speziellen erst die Spitze des Eisberges.»

  • Gabriela Bieri-Brüning, Stadtärztin Zürich

    Gabriela Bieri-Brüning, Stadtärztin Zürich

    «Um Schwerstkranke oder Demente gut betreuen zu können, müssen Angehörige rechtzeitig Hilfe annehmen. Niemand schafft diese enorme Aufgabe allein!»

  • Dorothea Fiechter, Trainerin Aggressionsmanagement

    Dorothea Fiechter, Trainerin Aggressionsmanagement

    «Durch das Benennen werden Phänomene wie Gewalt und Aggression ins Bewusstsein gebracht. Das wiederum ermöglicht, diese gezielt zu durchleuchtet und zu verstehen, um daraus einen konstruktiven, kontrollierten und sicheren Umgang in der Pflege zu entwickeln.»