Mode: Kleider machen Leute

Zwischen 1880 und 1914 änderten sich in der Gesellschaft die Ansichten darüber, was geschmackvolle (Damen-)Mode ist, immer wieder. Typisch für die Belle Époque ist jedoch die ausgeprägte Hutkultur und die elegante Kleidung der bürgerlichen Klasse.

Die Mode der Herren aus der bürgerlichen Schicht war in der Belle Époque relativ eintönig. In ihrem Anzug- meist schwarz- oder grautönig – mit Weste, Sakko und hohem, steifen Kragen fielen die Männer kaum auf. Weit abwechslungsreicher sah dagegen die Garderobe der wohlhabenden Dame aus. Sie enthielt das passende Outfit für jede Situation: vom Nachthemd zum Morgenkleid über Haus-, Besuchs- oder Reisekleid bis hin zur Abend- und Ballrobe. Die Kleider reichten bis unter das Kinn. Unter ihren Kostümen trugen Damen ein Unterhemd und ein Korsett. Die Beine wurden durch Strümpfe, lange Unterhosen (genannt Beinkleider) und Unterröcke verdeckt.

Um modetechnisch auf dem neusten Stand zu bleiben, informierten sich die wohlhabenden Damen der Schweiz in ausländischen Zeitschriften. Viele Neuheiten kamen aus London oder Paris, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die ersten Modeschauen stattfanden.

Als das einengende Korsett von Medizinern zunehmend als ungesund eingestuft wurde, entstand 1906 in Paris das korsettlose Reformkleid, welches die Bewegungsfreiheit weit weniger einschränkte. Zudem wich die komplizierte, füllige Damenwäsche Schritt für Schritt der seidenen Lingerie.

Im krassen Gegensatz zur Garderobe der wohlhabenden Fabrikanten stand die Kleidung der Arbeiter. Diese wurde solange angezogen und weitergereicht, bis sie derart beschädigt war, dass sie nicht mehr getragen werden konnte. Und selbst dann wurde der Stoff als Lumpen noch weiterverwendet.