Jessie Kitaguchi: «Ich liebe die Traditionen Kyotos»

Sie verkauft in einem Laden Samurai-Schwerter und bringt anderen Leuten das Spiel auf der japanischen Bambusflöte «Shakuhachi» bei. Doch bei aller Liebe für Japan gibt es auch Dinge, über die sich die Schweizerin Jessie Kitaguchi nervt.

Die Schweizerin Jessie Kitaguchi spielt die japanische Bambusflöte «Shakuhachi».
Bildlegende: Die Schweizerin Jessie Kitaguchi spielt die japanische Bambusflöte «Shakuhachi». zvg

Es war die Liebe, welche die 36-jährige Ernetschwilerin nach Japan geführt hat. Ihren Mann lernte sie am Bahnhof Rapperswil kennen. Er studierte in der Schweiz. Nach mehreren Probe-Aufenthalten entschloss sie sich, ihm nach Japan zu folgen. Das ist 11 Jahre her.

«Wie bei uns in den 50er-Jahren»

Jessie Kitaguchi liebt die lebendigen Traditionen der alten Kaiserstadt Kyoto. Erst kürzlich, am 16. August, wurde in Kyoto das «Daimonji»-Fest gefeiert. An diesem Fest werden die Seelen der Verstorbenen mit Fackelzügen wieder ins Jenseits geleitet, nachdem sie eine Zeitlang in ihre irdischen Häuser zurückgekehrt waren.

So sehr Jessie Kitaguchi ihre neue Heimat schätzt - es gibt auch Dinge, die sie eher mühsam findet. Zum Beispiel, dass die Leute selten fadengerade sagen, was sie meinen. Oder dass sie sich als Frau nicht ganz ungezwungen mit einem Arbeitskollegen treffen kann. «Sofort gucken und tuscheln alle - wie bei uns in den 50er-Jahren», erzählt sie.

Mit ihrem Mann und einem Hund wohnt Jessie Kitaguchi nun in einem Haus mit Bananenstauden im Garten. Gleich dahinter beginnt der Bambuswald, wo es schöne Wanderwege gibt. Aber man müsse aufpassen wegen der Affen. «Sie kommen bis zum Haus und klauen einem Schuhe oder Schirme.»

Gespielte Musik

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Doris Rothen