Doku-Serie «Zwölf Schauspielschüler»: Wer spielen will, muss leiden

Die fünfteilige Reportage «Zwölf Schauspielschüler» begleitet Schauspielstudierende der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) durch ihre Ausbildung. Was beschäftigt die angehenden Schauspieler?

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Beide Staffeln der SRF-Reportage sind hier online zu sehen.

Die zweite Staffel der Dokuserie «Zwölf Schauspielschüler: 2. Akt – Ich glaub‘, ich bin hier falsch» zeigt das zweite Studienjahr, das geprägt ist von Zweifel, Hochgefühlen und ersten Bruchlandungen.

Mit welchen Themen und Schwierigkeiten müssen sich die Schauspielstudierenden während ihrer Ausbildung rumschlagen? Ein Überblick.

Wer spielen will, muss leiden

Bevor es auf die Bühne geht, muss der Text sitzen. Annabelle versucht einen Text von Franz Kafka in den Kopf zu kriegen, was ihr nicht ganz leicht fällt.

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Annabelle lernt ihren Text

0:37 min, aus Zwölf Schauspielschüler vom 6.8.2017

Wer auf die Bühne oder vor die Kamera will, muss noch einige andere Hürden überwinden. Denn Schauspielerei ist weit mehr als Talent. Es ist ein Handwerk, das erlernt werden muss.

Und: Mit einer guten Allgemeinbildung und einer reiferen Persönlichkeit steigen die Chancen, an einer Schauspielschule aufgenommen zu werden – so jedenfalls die Einschätzung einer Berufsberaterin. Einen Überblick für junge Interessierte findet sich hier.

Schauspielschule oder Militär

Ende des ersten Studienjahres hat sich die Klasse verkleinert. Aus 13 wurden zwölf Schauspielschüler: Der schweizerisch-italienische Doppelbürger Tristano Dalla Bona wollte als Comedian das Publikum zum Lachen bringen. Stattdessen hat er sich gegen die Schauspielerei und für eine Laufbahn beim Militär entschieden. In Folge 4 bekommt er Besuch von den ehemaligen Mitstudierenden Lucas und Katrija.

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Besuch bei Tristano im Militär

2:17 min, aus Zwölf Schauspielschüler vom 28.6.2017

Auch die anderen Schauspielstudenten erlebten im ersten Studienjahr einiges: Julian-Nico zog von zu Hause in eine WG, das Liebespaar Antonia und Lion stand vor grossen Herausforderungen. Die Klasse absolvierte ihren ersten Auftritt vor Publikum und verbrachte bange Stunden des Wartens vor dem Prüfungsentscheid.

Erste Staffel verpasst? Hier die Folgen ansehen.

Nicht jeder kann den Helden spielen

Was soll's denn sein: «Der Held», «Der Stallbursche» oder lieber «Die intrigante Alte»? Diese klischierten Bühnenfiguren entstammen dem sogenannten Rollenfach, einer historischen Praxis der Rollenzuteilung, die im 18. und 19. Jahrhundert den Theaterbetrieb bestimmte.

Glücklicherweise ist das Rollenangebot für die angehenden Schauspieler heute doch etwas breiter. Auch Schauspielstudent Jasper denkt über seine Einsatzmöglichkeiten im Film nach.

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2. Jahr: Jasper über seine möglichen Rollen

1:25 min, aus Zwölf Schauspielschüler vom 19.7.2017

Das Spiel mit den Geschlechtern

Die Bühne bietet Schauspielern und Schauspielerinnen Gelegenheit, in die Rolle des anderen Geschlechts zu schlüpfen. Von der komischen Oper über die Travestiekunst bis zu postdramatischen Theaterformen: Im Laufe der Zeit entstanden unterschiedlichste Möglichkeiten, um das subversive Potential des Theaters im Umgang mit Stereotypen spielerisch vor Publikum zu bringen.

Die Schauspielschüler Dominic, Silvio und Julian kosten ihre Frauenrollen im Stück «Die Präsidentinnen» so richtig aus – und haben dabei offensichtlich grossen Spass.

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2. Jahr: Julian in «Die Präsidentinnen»

1:09 min, vom 9.6.2017

Mit Sprechtraining zum sauberen Bühnendeutsch

Wie spricht man Sahne richtig aus? Auch dies gehört zur Schauspielausbildung: die korrekte Aussprache in sogenanntem Bühnendeutsch. Schon Goethe mahnte in seinen «Regeln für Schauspieler», das Erste und Notwendigste für den sich bildenden Schauspieler sei, dass er «sich von allen Fehlern des Dialekts befreie und eine vollständige, reine Aussprache zu erlangen suche.»

Das müssen auch die angehenden Schauspielschüler, besonders der Aargauer Dominic Hartmann. Um seinen Deutschschweizer Akzent loszuwerden, muss er hart trainieren. Im Vergleich zu seinen Studienkollegen und -kolleginnen ist sein Bühnendeutsch zu Beginn der zweiten Staffel noch verbesserungswürdig.

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Schauspielschüler Dominic im Sprechtraining.

1:12 min, aus Zwölf Schauspielschüler vom 15.7.2017

Der Sohn von Weinbauern stammt als einziger in seiner Klasse aus einem Elternhaus, in dem nicht Hochdeutsch gesprochen wurde. Deshalb gilt: üben, üben, üben.

Mehr Mut zur Vielfalt

Theater kann beides sein: Ein Ort, an dem überholte Geschlechterklischees gepflegt werden oder Raum für Experimente. Inés Mateos, Expertin für Diversität, erklärt im Interview, worauf es ankommt und wann Theater gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben kann.

Von den grossen Theaterhäusern fordert Mateos mehr Mut zur Vielfalt auf und hinter der Bühne und in Virtual Reality liegt für sie Potential für das Theater der Zukunft.