Kap - Zwischen Tropen und Eismeer

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In der Kapregion, wo verschiedene Ströme aufeinandertreffen, bieten sich einzigartige Naturphänomene. Blumenmeere erblühen in sonst staubtrockenen Steppen und Schmetterlinge tanzen den Hochzeitsball – eine Ode an die verjüngende Kraft der Ozeane.

Ganz anders würde das südliche Afrika ohne seine Meeresströme aussehen. Ohne den Nebel, der ins Land getragen wird, und die unterschiedlich warmen Wasserschichten wäre das Leben am Kap ärmer an Arten und Naturphänomenen. Hier begegnen sich nicht nur die Strömungen aus dem warmen indischen Ozean von Osten und dem kalten Atlantik aus Westen, sondern auch jene aus den nördlichen Tropen und der südlichen Antarktis. Wie die Kap-Halbinsel von diesen Einfluss-Sphären beherrscht wird, zeigt der zweite Teil der BBC-Serie «Afrika – Der ungezähmte Kontinent».

Hochzeitsball der Schmetterlinge

Das Leben am Kap wird für die grünen Meeresschildkröten ab der ersten Stunde zum Kraftakt. Kaum sind sie zu hunderten aus ihren Eiern im Sand gekrabbelt, werden sie schon zum begehrten Objekt für Gelbschnabelmilane und Krähen. Hastig visieren die erst sieben Zentimeter kleinen Winzlinge mit ihren ruderartigen Flossen das Meer an. Nur einer von Tausend schafft es bis ins Erwachsenenalter, dann jedoch werden sie bis 80 Jahre alt.

Schmetterlinge haben im dichten Blattwerk des Regenwaldes von Mosambik Mühe, einen Partner zu finden. Oft stundenlang folgen sie deshalb dem Fluss, aufwärts zur Bergspitze. Nur wenige Wochen im Jahr und bloss eine halbe Stunde jeden Morgen finden sie sich in luftigen Höhen zu Hunderten zum Hochzeitsball ein – ein federleichtes Spektakel, wie es noch nie vorher gefilmt wurde.

Welse im Sumpfgebiet von Gorongosa

Von den Drakensbergen heisst es, sie seien so hoch, dass sie in die Zukunft sehen können. Viel Leben wird vom Wasser des Agulhasstroms beeinflusst, doch die über drei Kilometer hohe Wand bildet eine unüberwindbare Grenze für herannahende Regenwolken. Die Gebirgskette verwehrt dem Wasser den Zugang und lässt eine imposante Sandwüste hinter sich.

Im Sumpfgebiet von Gorongosa arbeiten schnurrbärtige Welse Seite an Seite. Mit ihren riesigen, breiten Mäulern schnappen sie nach Luft und bilden im trüben Wasser zusammen Luftblasen. Das Blasennetz, das dabei entsteht, wird zur tödlichen Falle für die kleinen und leckeren Fische.

Weisse Haie und ein toter Wal

Der tote Wal, der im Benguelastrom umhertreibt, ist ein gefundenes Fressen für die weissen Haie. Denn hier, im eiskalten Wasser, ist jede Fettreserve willkommen. Wer jedoch denkt, die Haie würden sich wie eine wilde Meute auf die Gaumenfreude stürzen, der irrt. Erst wenn der Grösste unter ihnen sich sattgegessen hat, darf der nächstgrösste Hai sich am Walfleisch erlaben. Die kleinsten Haie stehen hinten an.

Am Land, auf den rutschigen und steilen Felsen, sind die afrikanischen Pinguine unterdessen mit Problemen konfrontiert wie keine anderen Pinguine auf der Welt. Die Sonne ist hier derart heiss, dass sie ihre Eier nicht wärmen, sondern vor den sengenden Sonnenstrahlen schützen müssen. Gewöhnt an 40 Grad unter null, kommen selbst die Pinguineltern in der Hitze an ihre Grenzen. Ob sie durchhalten können, bis das Junge das gleissende Licht der Welt erblickt?

Das geheimnisvolle Namaqualand

Namaqualand – der Name klingt so geheimnisvoll, wie seine Region es ist. Am Wüstenstreifen, westlich des Kaps, spielt sich alljährlich Erstaunliches ab. Wenn der Nebel sein Wasser über der dürren Wüste verteilt, verwandelt sich der scheinbar leblose Boden in ein riesiges und farbenprächtiges Blumenmeer. Die Wiese ist zugleich Schauplatz für allerlei Bühnenreifes. Auf dem Blütenboden eines Gänseblümchens hat sich – eingehüllt in Blütenblätter und geschützt vor nächtlicher Kälte – ein Blatthornkäfer sein Nachtlager eingerichtet, über und über im Blütenstaub eingepudert. Doch auch die Rivalen schlafen nicht ewig. Bald schon wird er kämpfen müssen.

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