Adoptivkinder aus Sri Lanka – ein Schweizer Skandal

  • Mittwoch, 6. März 2019, 20:50 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 6. März 2019, 20:50 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 7. März 1919, 1:45 Uhr, SRF 1
    • Montag, 11. März 2019, 11:15 Uhr, SRF 1
Adoptivkinder aus Sri Lanka – ein Schweizer Skandal

11‘000 Kinder aus Sri Lanka wurden in den 1980er Jahren von westlichen Paaren adoptiert – zum Teil mit gefälschten Identitäten. Auch in die Schweiz. Rund 700 Kinder wurden mit fragwürdigen Methoden von Sri Lanka in die Schweiz vermittelt.

Ein Film von Madeleine Brot und Xavier Nicol

Die Babys von damals sind heute erwachsene Männer und Frauen und haben viele Fragen. Zum Beispiel, wieso der Bund, der schon in einem frühen Stadium von diesem Babyhandel wusste, nichts unternahm, um ihn zu stoppen.

Der Film von Madeleine Brot und Xavier Nicol (von RTS) begleitet mehrere junge Frauen, die als Baby in die Schweiz adoptiert wurden, auf ihrer Suche nach den Wurzeln. Bei fast allen sind die Geburtsdokumente gefälscht worden. Die meisten Mütter wurden entweder unter Druck gesetzt ihre Kinder abzugeben oder sogar dazu gezwungen.

Sarah Ramani Ineichen ist in Sri Lanka geboren und wurde in die Schweiz adoptiert, als sie einen Monat alt war. Die heute 37-jährige Hebamme lebt in Genf. Über ihre leibliche Mutter weiss sie gar nichts. Sie weiss nicht einmal, ob ihre Dokumente echt oder gefälscht sind. So geht es vielen aus Sri Lanka Adoptierten. Oder ob das Baby auf dem einzigen Bild, das sie aus jener Zeit hat, auch wirklich sie selbst zeigt. 2017 fliegt sie nach Sri Lanka, um nach ihren Wurzeln zu suchen. Begleitet wird sie von Olivia Ramya Tanner, die ebenfalls aus Sri Lanka in die Schweiz adoptiert wurde. Obschon Olivia bei liebevollen Pflegeeltern aufgewachsen ist, möchte auch sie wissen, wer ihre leibliche Mutter ist und warum sie sie weggegeben hat. Auf ihrer Reise nach Sri Lanka finden die Frauen Antworten – wenn auch schmerzhafte.

Es sei «ein Geschäft nach Wünschen der Adoptiveltern» gewesen, sagt der pensionierte Sozialarbeiter Pedro Sutter. Er arbeitete selbst 1984 bei einer dieser umstrittenen Adoptionsvermittlungen und wandte sich mehrmals an die Schweizer Botschaft in Colombo mit dem Hinweis, es würden «Massenadoptionen» betrieben, mit «Scheinverfahren».

Und die Schweizer Behörden? Wieso haben sie die Augen verschlossen, auch wenn der Skandal bereits Anfang der 1980er Jahre öffentlich wurde?

Die Adoptionskinder aus Sri Lanka haben nun einen Verein gegründet. Das Ziel ist einerseits, die Mitglieder bei der Suche nach ihren Wurzeln zu unterstützen. Andererseits will der Verein das Problem auch politisch angehen, den Bund zur Rechenschaft ziehen. Im März 2018 nahm der Bundesrat ein Postulat entgegen, das Aufklärung im Adoptionsskandal fordert. Das Bundesamt für Justiz muss nun die damaligen Adoptionspraktiken untersuchen. Ein dunkles Kapitel, das die Schweiz noch nicht bewältigt hat.