Auf der Suche nach Menschlichkeit

Das Schweizerische Rote Kreuz feiert seinen 150. Geburtstag. Hilfe für die Schwächsten war schon immer zentral. Ein Blick in die Geschichte zeigt auch, dass die Verflechtung von Politik und humanitärer Arbeit fatale Folgen haben kann. Was lehrt die Vergangenheit und wie engagiert sich das SRK heute?

Ein Film von Elvira Stadelmann

Das Symbol des Schweizerischen Roten Kreuzes ist einzigartig und steht seit jeher für Hilfe bei Krankheit, Katastrophen und Krieg. 1866 wurde das SRK gegründet, mit dem Ziel, die Not von Verwundeten und deren Familien zu lindern.

Den Verletzlichsten beizustehen, das war fortan der Grundsatz der Organisation. So organisierte das SRK während und nach dem Zweiten Weltkrieg Erholungsurlaube für 180‘000 Kinder aus kriegsversehrten Ländern. Der achtjährige Anton Partl war eines von ihnen. Bis heute bleibt der Wiener seiner Gastfamilie aus Speicher verbunden und ist überzeugt, dass sie ihm das Leben gerettet hat. Dass diese humanitäre Aktion nicht zweckfrei war und das ramponierte Image der abgeschotteten Schweiz aufpolieren sollte, wurde erst später klar.

Die Instrumentalisierung durch Regierung und Militär führte zu einem Tiefpunkt in der Geschichte des Roten Kreuzes. Gegenüber den Verbrechen des Holocaust zeigte sich die offizielle Organisation untätig und übernahm die Haltung des «vollen Bootes» der Schweizer Regierung. Freiwilligen Helfern und Helferinnen des SRK ist es zu verdanken, dass die humanitären Grundsätze des Roten Kreuzes nicht gänzlich verloren gingen: So rettete die Krankenschwester Friedel Bohny-Reiter trotz Verbot zahlreichen Juden das Leben. Eine von ihnen ist Margot Wicki-Schwarzschild. Eindringlich erinnert sie an die humanitäre Verpflichtung, den Schwachen und Verfolgten auch heute beizustehen.

Flüchtlinge sind auch aktuell wieder die grösste Herausforderung der Organisation. In der Politik lassen sie Werte wie Menschlichkeit und Unparteilichkeit erodieren. Kurt Strehler, ist täglich mit den Folgen der internationalen Asylpolitik konfrontiert. In seiner Arbeit als Leiter des Asylzentrums Altdorf, dem mittlerweile einzigen, das von der Geschäftsstelle des SRK noch betrieben wird, setzt er sich unermüdlich ein, um die Grundsätze des SRK zu leben. Dabei geht er auch unkonventionelle Wege und seinem Verhandlungsgeschick ist es zu verdanken, dass er zwölf Frauen aus dem Asylzentrum eine Villa aus den 60er-Jahren vermitteln konnte. Doch nach Abschluss der Dreharbeiten wird klar, dass die Frauen bald wieder ihre Koffer packen und umziehen müssen. Aber Kurt Strehler hat bereits für einen Ersatz gesorgt.

In diesem grossen Engagement spiegelt sich die hohe Identifikation mit dem roten Kreuz auf weissem Grund wider, das viele Mitarbeitende als sinnstiftend und befriedigend empfinden.

Autorin: Elvira Stadelmann
Moderation: Kathrin Winzenried
Kamera: Marco Krobath Ton: Torsten Goddon
Schnitt: Brigitte Eschenmoser
Produktionsverantwortung: Christine Rindisbacher
Redaktion: Nathalie Rufer
Leitung: Marius Born

Artikel zum Thema