Bernhard Russi – nicht bloss der Sonnyboy der Nation

Als Filmautor Michael Bühler Bernhard Russi erstmals traf, wollte er keinen Film über ihn machen. Filme über Menschen, die nur den Erfolg kennen, sind selten spannend. Doch je besser er die Schweizer Sportlegende kennenlernte, desto klarer wurde: Russis wahre Geschichte hat noch niemand erzählt.

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Der junge Russi kassiert Ohrfeige

0:55 min, vom 12.1.2017
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Michael Bühler (*1974 in Thun), studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Bern. Seit 2002 ist er Redaktor bei SRF und freier Dokumentarfilmer.

Natürlich kannte ich Bernhard Russi, bevor wir diesen Film in Angriff nahmen: Als öffentliche Figur, als Kommentator von Skirennen, als Werbeträger. Und ich wäre kaum auf die Idee gekommen, über ihn einen Dokumentarfilm zu machen. Was sollte da noch gross zu sagen sein? Unzählige Fernsehauftritte, Liebling der Boulevardpresse, ein fast perfektes Image. Man weiss über ihn Bescheid. Und wenn es noch etwas zu sagen gäbe, würde der Russi wohl sehr darauf bedacht sein, den schönen Schein zu wahren. Oder?

Von der Überfigur zum Menschen

Ich begann meine Meinung zu ändern, als wir zusammen die Serie «sporterlebt» für SRF drehten. Russis Rolle war es, begleitet von Snowboard-Olympiysiegerin Tanja Frieden, mit Muskelkraft und öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Schweiz zu reisen und aussergewöhnliche Sportler kennenzulernen.

Bernhard Russi unter Strom

2:05 min, aus sporterlebt vom 10.9.2014

Die Dreharbeiten waren sehr intensiv, und mehr als einmal dachte ich: Das macht er nicht mehr lange mit. Doch es passierte das Gegenteil: Je übler die Rahmenbedingungen, desto gelassener Bernhard. Er ermunterte Tanja, wenn sie demoralisiert war, ging offen auf die vielen Menschen zu, die wir unterwegs trafen, und nicht zuletzt war er der Clown vom Dienst. Und so hatte ich die Gelegenheit, Bernhard Russi während tagelanger Ski-, Bike- und Bergtouren besser kennenzulernen. Noch immer war er für mich eine Art Überfigur, aber eine, die mich nun echt zu interessieren begann. Da war etwas. Sein Leben – das war mehr als eine endlose Erfolgsgeschichte.

Bernhard Russi vor seiner Hütte «Wilde Matten» oberhalb von Andermatt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bernhard Russi vor seiner Hütte «Wilde Matten» oberhalb von Andermatt. SRF

Nach Abschluss der Dreharbeiten für die Serie blieben Russi und ich weiterhin in Kontakt, und je mehr ich über ihn erfuhr, desto faszinierter war ich. Bald war klar: Es ist noch längst nicht alles gesagt über diesen Russi. So entstanden bald konkrete Pläne, einen biographischen Film über ihn zu drehen. Wir waren uns von Beginn weg einig: Bernhard Russi würde viel von sich geben müssen, wenn dieser Film mehr als eine Zusammenfassung seiner zweifellos grossartigen Karriere werden sollte.

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«DOK» am Donnerstag

«Bernhard Russi – Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern», 12. Januar 2017, 20.05 Uhr, SRF 1

Ein tiefer Einblick

Fast fünf Jahre lang durften wir Russi mit der Kamera begleiten. Er hat uns in dieser Zeit einen tiefen Einblick in sein Leben gewährt und die Kontrolle über das Resultat weitgehend abgegeben. Als am Schluss seine Anmerkungen zum fertigen Film kamen, ging es hauptsächlich darum, wie man den anderen Menschen, die im Film vorkommen, noch besser gerecht werden kann. Ich hatte vor diesem Film grossen Respekt vor der Figur Bernhard Russi. Jetzt, nach Abschluss dieses Projekts, ist mein Respekt für den Menschen Bernhard Russi noch grösser.

Sendung zu diesem Artikel

  • SRF 1 12.01.2017 20:05

    DOK
    Bernhard Russi – Von hohen Gipfeln und dunklen Tälern

    12.01.2017 20:05

    Bernhard Russi gehört zu den bekanntesten Schweizer Persönlichkeiten. Man glaubt, ihn zu kennen. Erfolgsverwöhnt, gutaussehend, wortgewandt. Ein Sonnyboy eben. Doch das erfasst nur ein paar wenige Facetten seiner Persönlichkeit. Bei «DOK» redet Bernhard Russi so offen über sein Leben wie noch nie.