Bertrand Piccard

  • Donnerstag, 25. Februar 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 25. Februar 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 26. Februar 2016, 2:00 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 26. Februar 2016, 11:15 Uhr, SRF 1

Solar Impulse, der fliegende Traum einer Welt ohne Erdöl, war letztes Jahr fünf Tage und fünf Nächte in der Luft. Hinter dieser Meisterleistung steht der Schweizer Pionier Bertrand Piccard, der die Idee trotz zahlreichen Widerständen zum Fliegen brachte. «DOK» zeigt den Weg zum Weltrekord.

Ein Film von Jacob Berger, Arnaud Bédat und Raphaël Guillet

«Wenn man zur Überquerung eines Meeres ansetzt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man zum letzten Mal zur Basis zurückkehren kann», sagt André Borschberg, Militärpilot und Ingenieur. «Danach gibt es kein Zurück mehr, weil entweder zu starker Wind herrscht oder das Wetter es nicht zulässt.» Die Solar Impulse erreichte diesen Punkt zwölf Stunden nach dem Start in Japan im Juni 2015. Ziel war Hawaii, ein Flug der fünf Tage und fünf Nächte dauern sollte.

Als wäre das nicht Herausforderung genug, fällt kurz vor dem «Point of no return» ein System aus, das dem Piloten ermöglicht hätte zu schlafen. Doch Borschberg entscheidet sich fürs Weiterfliegen, entgegen aller Ratschläge der Crew. Bertrand Piccard steht hinter ihm: «Für André und mich war das überhaupt kein Grund, den Flug abzubrechen, für einige Ingenieure hingegen schon, weil das Flugzeug nicht zu hundert Prozent betriebsfähig war. Das war ein Psychodrama.»

Nicht schneller als 75 Stundenkilometer

Die Solar Impulse ist ein beeindruckendes Flugobjekt. Die Flügelspannweite beträgt 72 Meter und 17‘000 Sonnenkollektoren liefern die Energie für vier Motoren, um das fragile Flugzeug in der Luft zu halten. «Es ist riesig und sehr leicht, reagiert also sehr empfindlich auf jegliche Turbulenzen», sagt Raymond Clerk, Mission Director Solar Impulse. «Wenn zum Beispiel die Windgeschwindigkeit am Boden mehr als 10 Knoten beträgt, bei einer leichten Brise also, hebt es von alleine ab.» Und schnell ist der empfindliche Leichtbau auch nicht: Maximal fliegt die Solar Impulse mit 40 Knoten, das sind knapp 75 Stundenkilometer.

Für Bertrand Piccard, Sohn und Enkel berühmter Abenteurer, ist die Mission Solar Impuls nicht die erste abenteuerliche Weltumrundung in der Luft. Ende der 90er-Jahre versucht Piccard zusammen mit dem britischen Piloten Brian Jones den Exploit der Weltumrundung im Heissluftballon ohne Zwischenhalt. Bei ihrem dritten Anlauf schaffen sie es im März 1999. Bis Bertrand Piccard jedoch vor 12 Jahren den Traum eines Solarflugzeuges ins Auge fassen konnte, musste er Unternehmen für die Finanzierung und Entwicklung gewinnen.

Zuerst suchte er Partner im Energiebereich und in der Luftfahrt: «Die hielten mich für völlig durchgeknallt. Aber sie haben es mir sehr höflich zu verstehen gegeben.» Es war alles andere als leicht für Piccard, Geldgeber zu überzeugen. Vor allem in der Schweiz, wo sein Streben nach Anerkennung manche irritiert. Und wo seine berühmte ökologische Botschaft nur schwer Gehör findet.

Piccard gab nicht auf. Die ETH Lausanne war sein letztes Eisen im Feuer. Dort konnte er Patrick Aebischer, Präsident der ETH Lausanne im Sturm erobern. «Ich erinnere mich, wie er eines Tages in dieses Büro kam und sagte: Hier, wir haben ein Projekt gefunden. Das möchten wir machen. Buchstäblich innerhalb eines Tages haben wir damals eine Million freigegeben.»

Neuer Start in Hawaii

Die Solar Impulse überwintert jetzt in Hawaii. Die Batterien, die sich beim langen Flug überhitzt hatten, müssen ausgewechselt werden. Ab März wollen Borschberg und Piccard mit den Testflügen beginnen. Im April dann soll der Weiterflug Richtung USA starten.

Autoren: Jacob Berger, Arnaud Bédat, Raphaël Guillet, Monika Balmer
Mitarbeit: Michael Weinmann
Kamera: Denis Jutzeler, Diego Wettstein
Ton: Blaise Gabioud
Schnitt: Cathrine Kala, Brigitte Eschenmoser, Mjco Zuber
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

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