Betrogene Liebe

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Es fühlt sich wie Liebe an – ist jedoch ein perfider Betrug. Immer wieder werden Frauen und Männer Opfer von «Romance Scam», so die Bezeichnung des Internet-Liebesbetrugs. Die Täter operieren meist von Afrika aus, sind in gut organisierten Gruppen aktiv und erschwindeln weltweit Millionen Dollar.

Ein Film von Petra Wernz und Christa Ulli

Die Opfer werden von den Tätern manipuliert und fallen auf die Tricks herein. «Mir würde das nie passieren» – sagen viele. Wirklich?

Sie sehnen sich nach Liebe, fühlen sich alleine, sind in einer schwierigen Lebensphase oder möchten einfach mal wieder einen Kick und Freude im Leben: Frauen und Männer, die auf Romance Scammer hereinfallen, sind ganz normale Menschen. Aber sie treffen im falschen Moment auf die falschen Leute, welche sie gnadenlos um den Finger wickeln. Mit drastischen Folgen.

Anny Weiler, 73, Schauspielerin und Sängerin, hat viel verloren: Ihre gesamten Ersparnisse und ihr Vertrauen. Der Mann, der ihr wunderbare Worte schrieb und am Telefon sagte, wie toll sie sei, hatte es nur auf ihr Geld abgesehen. Anny Weiler kannte den Mechanismus des Liebesbetrugs nicht und ging davon aus, dieser «Brandon aus San Francisco» meine es ernst. Sie freute sich auf seinen angekündigten Besuch und hatte sofort Verständnis, dass dieser Besuch platzte, weil – so sagte ihr «Brandon» – ein lukrativer Auftrag im Ausland dazwischen gekommen sei. Als er ihr eine grosse Notlage schilderte, half sie finanziell. Immer wieder.

«Man ist auf der emotionalen Überholspur», sagt Tom Siegwart, Psychologe am Medizinischen Zentrum Löwenstrasse in Zürich. Er hat Verständnis, dass ein Mensch so viel Nähe fühlen kann, obschon er oder sie das Gegenüber noch nie persönlich getroffen hat.: «Man kann da alles hineinpacken, was man sich schon immer gewünscht hat. Und das Gegenüber bestätigt das sehr liebevoll und romantisch. Wer Gefühle zulässt, kann darauf reinfallen.»

So erging es auch Brigitta Berger in Deutschland, die über eine Internet-Partnerbörse einen Mann suchte. Sie staunte über den attraktiven Herrn, der mit ihr eine Beziehung aufbauen wollte. Der Mann nahm schriftlich an ihrem Leben teil, machte ihr vor einer belastenden medizinischen Untersuchung Mut, gab vor, an ihrer Seite zu stehen. Warum hätte Brigitta Berger einem so netten Mann nicht helfen sollen? Dass er es nur auf ihr Geld abgesehen hatte, merkte sie zu spät.

Uschi Tschorn wurde ebenfalls abgezockt. Sie ist unterdessen Anlaufstelle für viele Opfer. Sie gründete in Deutschland «SOS-Selbsthilfe-Liebesbetrug». Sie reist mit dem Filmteam nach Ghana, wo sie den Machenschaften der Liebesbetrüger auf den Grund gehen will. Was sie dort sieht, hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Auf der einen Seite die Skrupellosigkeit der Männer und Frauen, die von den Einnahmen betrogener Frauen leben. Auf der anderen Seite das gebeutelte Land und die Perspektivlosigkeit vieler Menschen dort.

«Erstatten Sie Anzeige», ermutigt Christa Lüthi von der Kantonspolizei Bern Menschen, die Opfer von Romance Scam geworden sind. Viele von ihnen trauen sich nicht, zu gross ist die Scham. Oft versteht das engste Umfeld nicht, wie das passieren konnte. Doch erst wenn Anzeigen vorliegen, kann die Polizei ermitteln und vor allem das Ausmass dieser Betrugsmasche erkennen.

Erst wenn man weiss, wie Romance Scam funktioniert, kann man sich davor schützen. Aus diesem Grund erzählen die Frauen im DOK «Betrogene Liebe» mutig, was ihnen passiert ist.

Autorinnen: Petra Wernz und Christa Ulli
Kamera: Michael Gerber, Florian Bentele
Schnitt: Co Gründler, Joa Bräuninger
Produktion SWR, SRF
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Leitung: Belinda Sallin

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