Carl Lutz – Der vergessene Held

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Als zweiter Mann der Schweizer Botschaft in Budapest rettet der Appenzeller Diplomat Carl Lutz während des Zweiten Weltkriegs Zehntausende von verfolgten ungarischen Jüdinnen und Juden vor dem sicheren Tod.

Ein Film von Daniel von Aarburg

Die Geschichte des Schweizer Diplomaten Carl Lutz war lange unbekannt. Der Appenzeller hatte 1944, als in Ungarn die Judenverfolgung in vollem Gange war, zwischen 50 000 und 70 000 Juden das Leben gerettet. Er tat dies still und leise, aber bestimmt und riskierte dafür alles.

In seinen Verhandlungen mit SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann beruft er sich auf ein angebliches britisches Mandat, 8000 Jüdinnen und Juden die Emigration nach Palästina zu ermöglichen. Zur Überraschung aller gesteht das Führerhauptquartier in Berlin Lutz sein Kontingent zu, da dieser zuvor für die Deutschen in Palästina als Diplomat gute Dienste geleistet hatte.

Lutz erfindet darauf in Eigeninitiative ein Schutzbriefsystem, das die hilfesuchenden Menschen unter diplomatischen Schutz der Schweiz stellt und von anderen Ländern später kopiert werden wird. Lutz überschreitet das ihm vom Führer zugestandene Kontingent um ein Mehrfaches, numeriert die Pässe immer von 1 bis 7999.

Er mietet in der Nähe des Freiheitsplatzes den leerstehenden Schauraum eines Glasfabrikanten, das sogenannte Glashaus, und erklärt dieses zur Aussenstelle der Schweizer Gesandtschaft. Im Glashaus stellen nun über hundert jüdische Freiwillige im Schichtbetrieb die Schutzbriefe her. Carl Lutz schiesst mit seiner Leica eindrückliche Fotos der Menschenmenge, die vor dem Glashaus um Schutzpapiere anstehen. Im Verlaufe der sich zuspitzenden Ereignisse im Herbst 1944 wird das Glashaus auch physisch für viele Juden zum lebensrettenden Refugium.

Agnes Hirschi, seine «ungarische» Stieftochter, erzählt die unglaubliche Geschichte von Carl Lutz an den Originalschauplätzen in Budapest. Ergänzt wird diese durch Statements von Zeitzeugen aus der ganzen Welt, die mithilfe von Lutz den Holocaust überleben konnten. Fotos und 16-mm-Filme von Carl Lutz aus jener Zeit geben dem Film eine authentische visuelle Gestaltung.

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