Das Ende der Mission – Ein Stück Schweizer Weltgeschichte

  • Donnerstag, 22. Dezember 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 22. Dezember 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 23. Dezember 2016, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 23. Dezember 2016, 10:35 Uhr, SRF 1

Sie zogen aus dem Innersten der Schweiz in die abgelegensten, ärmsten Winkel dieser Welt: die katholischen Missionare aus Immensee. Sie machten aus Zehntausenden Heiden Christen, und ebenso unermüdlich bauten sie Hunderte von Schulen, Spitälern und Staudämmen.

Ein Film von Beat Bieri

Die weissen Männer, ebenso christliche Haudegen wie weltläufige Abenteurer, sind alt geworden. Nach rund 100 Jahren naht das Ende der Schweizerischen Missionsgesellschaft Bethlehem. In seinem 90-minütigen Film wirft Autor Beat Bieri einen Blick auf ein eindrückliches, bewegtes Stück Schweizer Weltgeschichte, das man auch eine Abenteuergeschichte nennen könnte.

Viele stammen aus armen Familien, aus engen Bergtälern, aus den katholischen, ländlichen Milieus der Schweiz – und fanden via Immensee in die weite, fremde Welt Asiens, Lateinamerikas und Afrikas. Seit fast 100 Jahren wirken die Immenseer Missionare als Seelenretter und Entwicklungshelfer. Und jedes dieser Missionarsleben böte Stoff für ein dickes Buch. 1925 reisten die ersten drei katholischen Pioniere vom Zugersee nach China (das die Schweizer Missionare 1953, nach der Machtergreifung durch die Kommunisten, wieder verlassen mussten).

Ein Schwerpunktland der Missionsarbeit wurde nach 1938 das damalige Süd-Rhodesien und heutige Simbabwe. Hier gerieten die Immenseer zwischen die Fronten eines Befreiungskrieges. Drei Missionare wurden getötet, sie werden heute von der schwarzen Bevölkerung als Märtyrer verehrt.

Die Schweizer wollten keine einheimischen Priester in ihre Gemeinschaft aufnehmen, um die junge, lokale Kirche nicht zu konkurrenzieren. Nun fehlt der eigene Nachwuchs, und im Altersheim im afrikanischen Busch lebt ein letztes Dutzend betagter Missionare und hadert mit dem unausweichlichen Schicksal.

In Immensee haben sich in den vergangenen Jahren die grossen Gebäude geleert. Der Hauptsitz der Missionsgemeinschaft ist mittlerweile ein Missionars-Altersheim. Nur noch wenige Bethlehemiten sind irgendwo auf der Welt missionarisch aktiv. Nun muss der Generaloberer Ernst Wildi ein gutes Ende finden für diese bewegte Geschichte.

Was ist aus den Werken der Missionare geworden? Einiges gedeiht weiter, doch vieles zerfällt. Einige der alten Männer sind mit sich und ihrer Arbeit im Reinen, andere sind traurig, dass nicht alles so herausgekommen ist, wie sie es sich gewünscht haben.

Und jetzt ziehen junge Asylbewerber in die leeren Gebäude in Immensee ein. Eine letzte Ironie der Geschichte: Ein Leben lang zogen von hier aus Missionare in die Dritte Welt, und nun kommt die Dritte Welt zu ihnen an den Zugersee – was wiederum die aktuelle Frage aufwirft, hätte nicht gerade die Entwicklungshilfe mithelfen sollen, diese Völkerwanderung zu verhindern?

Autor: Beat Bieri
Schnitt: Jean Luc Bodmer
Kamera: Beat Bieri
Musik: Hans-Peter Pfammatter
Titelgrafik: Oli Zwimpfer
Sprecherin: Sylvia Silva
Tonmischung: Renzo D’Alberto
Bildbearbeitung: Claudia Remondino
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin