Der unsichtbare Feind – Multiresistente Keime auf dem Vormarsch

  • Donnerstag, 8. November 2018, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 8. November 2018, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 9. November 2018, 1:40 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 9. November 2018, 11:20 Uhr, SRF 1
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Internationale Pharmakonzerne beziehen Antibiotika-Wirkstoffe aus Indien. Rund um viele lokale Fabriken sind grosse Mengen Antibiotika in der Umwelt. So entstehen gefährliche, resistente Keime, die sich global ausbreiten. Das Risiko einer Infektion steigt.

Ein Film von Christian Baars, Karin Bauer, Elena Kuch, Christine Adelhardt, Britta von der Heide

Weltweit warnen Ärzte und Politiker vor einer sich abzeichnenden Katastrophe. Multiresistente Erreger sind die derzeit grösste Gefahr für die moderne Medizin. Sie werden immer resistenter gegen Antibiotika. «Die grosse Gefahr ist, dass unsere Patienten an Entzündungen sterben, die wir für längst besiegt hielten», sagt Rein Jan Piso, leitender Infektiologe am Kantonsspital Olten. Weltweit sterben heute schon hunderttausende Menschen jährlich durch multiresistente Erreger.

In der Schweiz kennt man diese Superkeime, die gegen fast alle Antibiotika resistent sind, erst seit zirka zehn Jahren. Die Patienten, die Rein Jan Piso im Spital sieht, waren vorher im Ausland, vor allem in Asien.

Besonders viele resistente Keime kommen in Indien vor. In der Metropole Hyderabad wird ein Grossteil der weltweit produzierten Medikamente hergestellt. Die Abwasserreinigung der indischen Pharmafirmen aber ist ungenügend. «DOK» zeigt, dass Rückstände von Antibiotika in die Umwelt gelangen und damit beitragen, dass Supererreger entstehen. Die gefährlichen Keime verbreiten sich rund um den Globus – durch Waren und Menschen.
Schweizer Biologinnen haben einen Supererreger aus Indien erstmals vor zwei Jahren im Basler Abwasser gefunden: «Wir waren schockiert», sagt Claudia Bagutti vom Kantonslabor Basel. «Wir hätten nicht gedacht, dass dieser hoch resistente Keim auch in der Schweiz verbreitet ist.» Je mehr Superkeime in der Umwelt sind, desto grösser die Gefahr, dass man sie aufliest und im Darm trägt. Für gesunde Menschen kein Problem, bei abwehrgeschwächten Menschen aber können Superkeime lebensgefährliche Entzündungen auslösen.

Auch die Schweizer Pharmakonzerne Novartis und Roche beziehen Wirkstoffe für Antibiotika in Indien. Können sie garantieren, dass ihre Medikamente sauber produziert werden? Welche Lösungen gibt es für dieses lebensbedrohliche Problem? «DOK» hat mit Forschern in Indien und in der Schweiz gesprochen.

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