Im Schatten des Glücks

Die schwierigen Jahre der Bergbauernfamilie Epp, Folge 1

Vier Jahre lang begleitete Hanspeter Bäni mit der Kamera die Bauernfamilie Epp im Maderanertal. Entstanden ist ein grosser Film über den Überlebenskampf in den abgelegenen Gebieten der Zentralschweiz.

Ein Film von Hanspeter Bäni

Ein Heimatfilm jenseits aller Stereotypen einer heilen Bergwelt, denn alle Probleme der Neuzeit sind längst auch dort angekommen. Die menschlichen Dramen, die sich abspielen, könnten ohne weiteres einem Gotthelfschen Roman entnommen sein.

Die Vorboten des Unheils kündeten sich beim Bauern Sepp Epp vor vier Jahren durch starke Schmerzen in den Beinen an. Noch ahnte der Bergbauer aus dem Urner Maderanertal nicht, dass sich ein Drama mit schwerwiegenden Konsequenzen anbahnte. Betroffen davon ist auch seine siebenköpfige Familie, die in den letzten Jahren ohnehin vom Schicksal schwer geprüft wurde: Vor zwei Jahren wurde die Exfrau des Bauern und Mutter der Kinder wegen Mordes verurteilt. Im Winter des gleichen Jahres donnerte eine Schneelawine auf den Weiler Acherli und richtete rund um den Hof kostspielige Schäden an. Nur dank grossem Glück wurde niemand verletzt.

Immer im Sommer droht Steinschlaggefahr. Einmal wurde die Nachbarin der Familie von einem Stein getroffen und verlor dabei ihr Leben. Auch Schlammlawinen in den Sommermonaten sind keine Seltenheit und machen die Wege unpassierbar. Gleichzeitig versiegen die Wasserquellen aus unerklärlichen Gründen immer mehr auf dem Land der Bergbauernfamilie. Wohl besteht ein Projekt für eine Leitung, die aus Bristen Wasser hoch pumpen könnte. Doch die notwendigen Kosten kann die Familie unmöglich selber aufbringen. Seit Generationen schon leben und arbeiten die Epps in einem engen Talabschnitt des Maderanertales zwischen furchterregenden Felsen. Die Wiesen sind steil und können nur von Hand mit der Sense gemäht werden. Wen wundert‘s, dass keines der Epp-Kinder sich wirklich vorstellen kann, den Bauernbetrieb zu übernehmen, der in den Wintermonaten immer im Schatten liegt.

Mindestens bis zu seiner Pensionierung möchte Sepp Epp das Acherli weiterhin bewirtschaften. Doch auch dieser Wunsch ist mehr als ungewiss, denn sein Arzt stellt dem 60jährigen Bergbauern eine traurige Diagnose.

Der Dokumentarfilm von Hanspeter Bäni geht ans Herz – ohne sentimental zu sein.