Die Suche nach dem verlorenen Imperium

  • Mittwoch, 21. Dezember 2016, 22:55 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 21. Dezember 2016, 22:55 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 22. Dezember 2016, 5:15 Uhr, SRF 1
    • Mittwoch, 28. Dezember 2016, 11:20 Uhr, SRF 1

Im Dezember 1991 ging die Ära der Sowjetunion zu Ende. Heute noch bedauert das nach wie vor rund die Hälfte der Menschen in Russland. Warum? Und wo ist die Sowjetunion im modernen Russland noch spürbar? Diesen Fragen ist SRF-Russlandkorrespondent Christof Franzen ein Jahr lang nachgegangen.

Ein Film von Christof Franzen

Das «Reich des Bösen», wie es Ronald Reagan einst nannte, war Geschichte -– zerfallen in 15 neue Länder, wobei Russland faktisch das Erbe der Sowjetunion übernahm. Man redete vom endgültigen Sieg des Liberalismus, mit Marktwirtschaft und Demokratie auch im ehemaligen Ostblock.

Die Hoffnungen der Menschen wurden aber in den 1990er-Jahren massiv enttäuscht. Sie waren zwar frei, aber das zum Preis von Armut, der masslosen Bereicherung einiger weniger, internationaler Bedeutungslosigkeit und mit einem Präsidenten Boris Jelzin, der insbesondere gegen Schluss seiner Amtszeit quasi als Alkoholiker die Misere eines ganzen Landes repräsentierte.

Seit Jahren geht Russland wieder den Weg zurück: in Richtung eines autoritären Staates, mit eingeschränkten Bürgerfreiheiten und einer je nach Sichtweise selbstbewussten oder eben aggressiven Aussenpolitik – ein Kurs, der aber von ganz vielen Menschen, tief gekränkt während der postsowjetischen Krisenjahre, durchaus mitgetragen wird.

«DOK» hat sich dieses Jahr aufgemacht, Menschen in Russland eine Stimme zu geben, die in diesem wechselhaften Umfeld ihren Weg suchen. Christof Franzen hat Themen gewählt, die schon in der Sowjetzeit eine zentrale Rolle spielten, dabei aber eine Reihe überraschender Schauplätze gefunden.

So erfährt das Filmteam ausgerechnet an einem grossen Rockmusikfestival ausserhalb Moskaus, dass die russische Armee heute wieder eine Institution ist, die im Volk eine hohe Anerkennung geniesst. Im russischen Schwarzerdeland trifft es eine Bäuerin, die es mit westlichen Marketing- und Landwirtschaftsmethoden zu einem Vermögen gebracht hat – aber dennoch vor allem von der protektionistischen Regierungspolitik profitiert.

Im Ural erfährt das Team, dass die Frauen zur Sowjetzeit vor allem gescheit sein mussten, heute aber in erster Linie Schönheit gefragt ist. Gemeinsam damals wie heute: Es sind oftmals die Frauen, welche die Last von Arbeit und Familie mehrheitlich allein tragen müssen.

Etwas weiter, im sibirischen Kuzbass, besuchen die Filmleute Kohlenminenarbeiter und erfahren, dass es tief unter Tage wieder brodelt, wie am Ende der Sowjetzeit, aber auch warum die Kumpels – im Gegensatz zu damals – Angst vor Protesten haben.

Und nicht zuletzt wirft der «DOK» einen Blick auf das Thema Kirche. Das Filmteam trifft die Oberin eines kleinen Frauenklosters, die das Territorium eines benachbarten Gefängnisses zurückverlangt und dabei, gemäss neuem russischem Gesetz, sogar Recht bekommen könnte.

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