Doppelleben – Tamilische Secondos in der Schweiz

Über 45'000 tamilische Flüchtlinge leben in der Schweiz, teils seit 30 Jahren. Die Hälfte ist mittlerweile eingebürgert – und ihre Kinder sind hier gross geworden.

Ein Film von Beat Bieri

Doch es ist schwierig für diese tamilischen Secondos, ihren Platz in der neuen Heimat zu finden, zwischen den traditionellen Vorstellungen ihrer Eltern und den Freiheiten, welche die Schweiz verspricht. Sie müssten als «Lebenskünstler» ihren Weg zwischen diesen zwei Welten finden, sagt die 22jährige Laavanja Sinnadurai, Tempeltänzerin und Jus-Studentin, in diesem Dokfilm von Beat Bieri.

Dieses Doppelleben der jungen Tamilen in der Schweiz ist oft konfliktreich. Die traditionelle tamilische Kultur, von den Eltern hochgehalten, kollidiert immer wieder mit den liberalen Gepflogenheiten einer westlichen Gesellschaft. So musste sich etwa Theshoth Sritharan als Veranstalter der ersten Miss-Tamil-Wahl in der Schweiz gegen aggressive Vorwürfe und Verleumdungen von Landsleuten zur Wehr setzen: Eine Misswahl sei mit der tamilischen Kultur nicht vereinbar, hiess es, Shritharan sei von der gegnerischen srilankischen Regierung eingesetzt worden, um die tamilische Kultur zu zersetzen.

Die tamilischen Flüchtlinge sind in der Schweiz längst akzeptiert, sie gelten als arbeitsam und freundlich. Doch die Gemeinschaft der Schweizer Tamilen ist weitgehend eine geschlossene Gesellschaft geblieben – auch drei Jahrzehnte nach Ankunft der ersten tamilischen Flüchtlinge in der Schweiz. Junge Tamilen mit Schweizer Pass wollen sich jedoch nicht mehr in einer arrangierten Hochzeit verheiraten lassen, lehnen das Kastensystem ihrer alten Heimat ab. Und viele möchten den Kriegserinnerungen ihrer Eltern entrinnen.

Im Dokfilm «Doppelleben» erzählen tamilische Secondos, wie sie zwischen zwei Welten pendeln. Die jungen Tamilen stehen vor der Frage, die sich allen Immigranten stellt: Wie viel alte Heimat soll man mitnehmen, wenn man dabei ist, in einer neuen anzukommen?