Gegen das Fremde – Der lange Schatten des James Schwarzenbach

Wieviel Wandel erträgt die Schweiz? Wie viele Einwanderer? Das Jahr 1970 war der Beginn einer emotionalen, oft aggressiven Debatte, die mit der Abstimmung über die SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung im letzten Februar einen Höhepunkt erreicht hat.

Ein Film von Beat Bieri

Vor 44 Jahren kam die erste Initiative gegen die Überfremdung an die Urne, die «Schwarzenbach-Initiative», benannt nach ihrem Schöpfer James Schwarzenbach, der in der Schweiz den Kampf gegen das Fremde eröffnet hatte. Seither ist das Land entzweit in der Frage, wie mit der Immigration zu verfahren sei.

Die einen mögen es als historische Leistung sehen: Ende der sechziger Jahre formte der Schweizer James Schwarzenbach die erste ausländerfeindliche Partei im Nachkriegs-Europa. Er, der Sohn einer reichen Industriellenfamilie und Bewunderer autoritärer-faschistischer Diktatoren, focht mit seiner «Schwarzenbach-Initiative» gegen «die Überfremdung der Schweiz»: Die Initiative verlangte die Ausweisung von gegen 350'000 Fremdarbeitern, die meisten davon Italiener. Nur knapp wurde das Volksbegehren im Jahre 1970 abgelehnt. Gross waren in der Bevölkerung die Vorbehalte gegenüber den fremden Arbeitern aus dem Süden. «Wir waren konfrontiert mit hasserfüllten Blicken, mit Ablehnung und Verachtung», erinnert sich der italienische Immigrant Sergio Giovannelli in diesem «DOK»-Film von Beat Bieri. Woher rührte damals diese aggressive, fremdenfeindliche Stimmung? Und wer war James Schwarzenbach, der diese Stimmung mit seiner Politik aufnahm und verstärkte?

44 Jahre später, im Februar 2014, fand erstmals eine ausländerkritische Initiative, die SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung, Zustimmung an der Urne. Damals Schwarzenbach, heute SVP-Anführer Christoph Blocher – beides herausragende Einzelkämpfer, begnadete Rhetoriker mit demagogischer Kraft, Medienstars ihrer Zeit, zwei rechtspopulistische Missionare. Was eint die beiden, was trennt sie? «Schwarzenbach hatte wirklich die Schweiz im Kopf gehabt. Und insofern habe ich eine gewisse Verwandtschaft mit ihm, als ich mich auch für die Schweiz einsetze», meint Blocher in diesem Film.

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