Hannes Schmid – von einem, der auszog, die Welt zu verändern

  • Donnerstag, 13. Oktober 2016, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 13. Oktober 2016, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 14. Oktober 2016, 1:45 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 14. Oktober 2016, 11:15 Uhr, SRF 1

Das Leben von Hannes Schmid ist eine einzige Abenteuergeschichte. Als Fotograf war er mit den grössten Rock- und Popstars auf Tournee und schuf mit dem Marlboro Man eine der bekanntesten Werbeikonen. Jetzt steht Hannes Schmid vor seiner grössten Herausforderung: Er will Kambodschas Kinder retten.

Ein Film von Belinda Sallin

Mit knapp 20 Jahren wanderte der gelernte Elektriker nach Südafrika aus und begann als Fotograf zu arbeiten. Seine unbändige Neugier, sein Mut und sein unvergleichlicher Optimismus führten ihn dabei an Orte, die noch kein Weisser zuvor betreten hatte. In Papua-Neuguinea traf er auf die Dani und Lani, ein Volksstamm, der den rituellen Kannibalismus pflegt. Eine Begegnung, die ihn beinahe das Leben kostete.

Zurück in der Zivilisation vertauschte er den Busch mit der Bühne. Zwar fotografierte er keine Häuptlinge und Krieger mehr, dafür aber die Magier und Anführer der Pop- und Rockgemeinde. Er war mit den Grössten der 1970er und 80er-Jahre unterwegs: AC/DC, Queen, Abba, Rolling Stones, Iron Maiden, Bob Marley und viele mehr. Das Archiv Schmids ist ein «Who is Who» der Rockgeschichte. Nach acht Jahren hatte Schmid genug, liess alles hinter sich und brach auf zu neuen Ufern. Als Modefotograf holte er die Models aus den Studios raus und mit dem Marlboro-Man schuf er eine der bekanntesten Werbeikonen. Daneben realisierte er zahlreiche Reportagen und widmet sich heute auch der Malerei. Seine Fotografien und Ölbilder sind rund um den Globus in renommierten Galerien und Kunsthäusern zu sehen und längst ist der Name des Toggenburgers in der internationalen Kunstszene ein Begriff.

Ende der 90er Jahre hat Schmid geheiratet und wurde bald darauf Vater von zwei Kindern. Die Geburt seiner Kinder habe ihn verändert, sagt Schmid. Er, der auf seinen Reisen mehr als genug Elend und Armut gesehen hatte, konnte nicht mehr wegschauen, als er in Kambodscha auf die Slum- und Müllhaldenkinder traf. Mehrere Monate lebte er zusammen mit den Ärmsten der Armen in Phnom Penh, wollte helfen und begann, mit viel gutem Willen Reis, Wasser und Milchpulver zu verteilen. Die Einsicht, dass dies alles nicht nachhaltig ist, liess Schmid nicht resignieren. Ganz im Gegenteil: Er entwickelte eine völlig eigene Vision von Hilfe. Mit seinem Projekt «Smiling Gecko» begann er vor zwei Jahren mit der Planung eines ganzen Dorfes mit Modellcharakter. Mit einer unbändigen Schaffenskraft baute der 70-jährige eine Farmcommunity, wo Familien aus den Slums Hühner- und Schweinezucht betreiben, er baute Gästehäuser und ein Restaurant, gründete ein Transportunternehmen mit Tuk Tuks und plant jetzt eine Textilfabrik und eine Schule. Zahlreiche Sponsoren, Partner und Spender sind mit an Bord, das Projekt nimmt inzwischen riesige Ausmasse an.

Die finanzielle Belastung und die enorme Verantwortung setzen Schmid zu. An Schlaf, sagt er, sei kaum mehr zu denken. Wird er erreichen, was er sich vorgenommen hat? Ein Dokfilm über einen Menschen, der kaum rastet und sich immer wieder völlig neu erfindet.

Autorin: Belinda Sallin
Kamera: Tobias Buchmann,
Ton: Julian Joseph, Silvio Anania
Schnitt: Andreas Arnheiter, Max Pfeffer
Musik: Fatima Dunn
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

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