Justin Trudeau

  • Mittwoch, 19. September 2018, 23:00 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Mittwoch, 19. September 2018, 23:00 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Donnerstag, 20. September 2018, 5:10 Uhr, SRF 1
    • Montag, 24. September 2018, 11:15 Uhr, SRF 1
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Praktisch aus dem Nichts ist der kanadische Premierminister Trudeau an die Spitze seines Landes aufgestiegen. Ausschlag dafür gab nebst seiner jugendlichen Art sicher auch die Erinnerung an seinen Vater Pierre Trudeau, der die 70er und 80er Jahre entscheidend mitgeprägt hat.

Ein Film von Gilles Cayatte

Die Wahl im Oktober 2015 gewann Justin Trudeau aber weniger wegen seiner Herkunft, sondern weil er drängende Themen der Moderne auf seine Fahnen schrieb: Gleichberechtigung der Geschlechter, insbesondere auch der Homosexuellen, mehr Rücksicht auf die Ureinwohner und eine führende Rolle im Umweltschutz. In seiner ersten Regierung sassen gleich viele Frauen wie Männer, darunter etwa eine Blinde, ein Inuit, ein Flüchtling, ein bekennender Homosexueller und vier Sikhs.

Doch «Wahlkampf ist Poesie, und Regieren ist Prosa», sagt ein kanadischer Politiker. Heute weht Justin Trudeau der raue Wind der Realpolitik entgegen. Die Ureinwohner fordern statt schöner Worte endlich eine faire Politik ihnen gegenüber, und auch die Umweltschützer sind ernüchtert über Grossprojekte für Staudämme und Pipelines.

Doch Trudeaus grösstes Problem ist erst nach dem Wahlkampf aufgetaucht: Kanadas grosser Nachbar im Süden hat mit dem neuen Präsidenten Donald Trump seine Politik radikal geändert. Drei Viertel aller Exporte Kanadas gehen in die USA – und diese wollen nun das Freihandelsabkommen mit den Nachbarn kündigen und hohe Zölle erheben. Kanada fürchtet um seinen Lebensnerv, und der Premierminister muss handeln.

Der Film «Justin Trudeau» ist ein Portrait des charismatischen Politikers und zeigt, wie dieser als junger Mann versuchte, aus dem Schatten seines berühmten und beliebten Vaters zu treten und als eigenständiger Mensch wahrgenommen zu werden – was anfänglich bedeutete, dass er ziemlich orientierungslos war, denn «anders als der Vater» ist noch kein Programm fürs Leben. Filmer Gilles Cayatte richtet seinen Fokus auf ein Land, das oft als Anhängsel der USA betrachtet wird, nun aber dank seinem schillernden Premierminister mehr internationale Beachtung erhält. Cayatte ist aber kein Ikonenmaler, sondern stellt kritische Fragen und macht daher das Portrait auch zu einem Sinnbild des abschüssigen Grates zwischen populären Versprechen und harter Arbeit in der Realpolitik.