«Sie wollten uns töten» – Eine syrische Familie auf der Flucht

  • Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20:05 Uhr
Sendetermine
  • Erste Ausstrahlung:
    • Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20:05 Uhr, SRF 1
  • Wiederholung:
    • Freitag, 11. Dezember 2015, 1:55 Uhr, SRF 1
    • Freitag, 11. Dezember 2015, 11:15 Uhr, SRF 1

Nach einem Giftgasanschlag flüchtet Mahmud zusammen mit seiner Frau und den Kindern aus Syrien. «Sie wollten uns töten» ist ein einmaliges Filmdokument, von den syrischen Schützengräben über Griechenland und den Balkan bis zum Empfangs- und Verfahrenszentrum in Kreuzlingen.

Ein Film von Kurt Pelda und Andrea Pfalzgraf

Nach vier Jahren Krieg ein Tag im August 2015. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist ein Angriff der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) mit Giftgas. Der 29-Jährige Mahmud sieht die schrecklichen Brandblasen, die der chemische Kampfstoff auf den Körpern der Verwundeten hinterlässt. Nun verkauft er sein Haus in der nordsyrischen Stadt Azaz. Das Geld braucht er für die Flucht nach Europa, für die Schlepper, die ihn und seine Familie mit dem Schlauchboot übers Meer nach Griechenland bringen sollen.

Seine Frau Fatima und die beiden Kinder hat Mahmud schon vor längerem in einem türkischen Flüchtlingslager in Sicherheit gebracht. Dort wird auch das dritte Kind geboren, der kleine Ammar, der die gefährliche Reise im Alter von 18 Monaten miterlebt.

Mahmud hat als Aufständischer gegen die Armee von Präsident Assad gekämpft und später auch gegen die Terroristen des IS. Vom Westen unterstützt wurde er dabei nicht. «Die westliche Koalition gegen den IS? Die tut praktisch nichts, ausser hier und da ein paar Bomben abzuwerfen.» Der Westen, Europa, hat Mahmud und die seinen im Stich gelassen. Im Flüchtlingslager vegetiert die Familie dahin, es gibt keine Zukunft, keine Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat. Dabei wünschen sich Fatima und Mahmud nichts sehnlicher, als dass ihre Kinder eine gute Schule besuchen dürfen. Aber wenn die Hilfe nicht zu ihnen kommt, gehen sie nun halt dorthin, wo man ihnen helfen wird: nach Europa. Trotzdem betont Mahmud: «Wenn Assad und der IS einmal nicht mehr sind, dann wollen wir sofort wieder zurück nach Syrien.»

Die Überfahrt mit dem Schlauchboot auf die griechische Insel Samos filmen Mahmud und sein Neffe Issa mit dem Mobiltelefon. Danach liegt die Weiterreise von Griechenland über die Balkanroute Richtung Westeuropa in der Schwebe, weil Ungarn zu dieser Zeit die Grenze schliesst und Deutschland an der Grenze zu Österreich plötzlich wieder Kontrollen einführt. Statt sich am Ende erneut eines Schleppers zu bedienen, lässt sich die Familie vom nicht abreissenden Flüchtlingsstrom nach Norden treiben.

Autoren: Kurt Pelda und Andrea Pfalzgraf
Mitarbeit: Ayoub Almadani, Kerstin Hasse
Kamera: Kurt Pelda, Ayoub Almadani, Issa Ahmed, Ueli Haberstich, Martin Schäppi
Ton: Ruedi Müller
Schnitt: Eric Studer
Grafik: Eric Studer
Produktionsverantwortung: Monika Zingg
Redaktion: Belinda Sallin
Leitung: Marius Born

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