Tibet: Kampf für Freiheit und Selbstbestimmung

Selbstverbrennungen sind eine neue, erschütternde Form des tibetischen Protests gegen die chinesischen Machthaber. Ein «DOK»-Film porträtiert den Exil-Tibeter Loten Namling und seinen Kampf für die Unabhängigkeit seines Volkes. Filmautor Dodo Hunziker über Widerstand und Buddhismus.

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Der tibetische Krieger

52 min, aus DOK vom 11.2.2015
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Zum Autor

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Dodo Hunziker (*1973) ist Filmemacher und Produzent. Er lebt und arbeitet in Bern.

SRF DOK: Warum ein Film über den Berner Exiltibeter Loten Namling?

Dodo Hunziker: Als Loten mir von seinem Vorhaben erzählte, hatte ich sofort dieses starke Bild im Kopf: Ein heimatloser Tibeter zieht einen schwarzen Sarg durch das heile Schweizerländli. Ich war auch an der Idee des gewaltfreien Widerstandes interessiert. Die Geschichte hat sich dann mehr und mehr in Richtung einer grossen Frage entwickelt – wie kann ein Einzelner mit Fremdbestimmung, politischer Unterdrückung, ja der Gefahr einer Auslöschung seines ganzen Volkes, umgehen? Während den Dreharbeiten wurden gewisse Fragen immer dringlicher: Funktioniert der gewaltfreie Widerstand? Ist der Prozess der Radikalisierung unumgänglich? Bis hinein in Formen extremen gewalttätigen Widerstandes?

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«DOK» am Mittwoch

«DOK» am Mittwoch

«Der tibetische Krieger», Mittwoch, 11. Februar, 22:55 Uhr, SRF1. Der Kinostart des Films ist am 12. Februar 2015.

Spannend ist dabei der kulturelle Hintergrund. Der besteht hier ja nicht aus alttestamentarischem «Auge um Auge oder Zahn um Zahn». Auch nicht aus den bekannten Kampfaufrufen im Koran. Nein, die Frage des Widerstandes stellt sich für Loten auf der Basis des tibetischen Buddhismus. Der Buddhismus hat über die Jahrhunderte kriegerische Bergler und Nomaden zu befrieden versucht. Hat in einem zutiefst menschlichen Sinn zivilisatorisch gewirkt. Der Dalai Lama sagt im Film:

«  Gewalt führt immer ins Verderben. »

Dalai Lama

Nimmt der Film Partei für die Sache der Tibeter?

Ich mache Filme über Dinge, die mir ans Herz gehen, mir ein Anliegen sind. Die Auslöschung der tibetischen Kultur wäre eine Katastrophe, die Unterdrückung der Minoritäten in China verletzt meinen Gerechtigkeitsinn. Ich verstehe mich aber nicht als Kämpfer für ein politisches Ziel. Und ich bin kein Buddhist. Ich wollte herausfinden, was hinter dem spezifischen Fall Tibet, hinter der Geschichte von Loten steht. Ich stiess auf Grundsätzliches: Selbstbestimmung, Freiheit und wie man dafür kämpfen soll. Welches sind die Mittel? Rechtfertigt ein hehres Ziel jeden Weg?

Wie haben Sie sich als Autor eingebracht?

Ich habe als Autor meine Interpretation dessen zu geben versucht, was ich an Erlebtem bei meinen Protagonisten dokumentarisch eingefangen habe. Zuerst bin ich mit der Kamera also mitten in der Welt meiner Protagonisten gegangen, habe beobachtet, begleitet, Gespräche geführt und Bilder dazu gesucht. Was zum Schluss als filmisches Produkt über die Leinwand oder den Bildschirm geht, ist dann meine Interpretation.

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Loten Namling trifft den Dalai Lama

3:21 min, vom 11.2.2015

    • Der Widerstand der Tibeter

      Mehr als 50 Jahre nach der Niederschlagung des Tibeter-Aufstandes im März 1959 reagiert China weiterhin mit Gewalt auf den Widerstand der Tibeter. Drohungen, Misshandlungen und Verhaftungen gehören zum Alltag. Im Frühling 2008 – kurz vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Peking – erheben sich Tibeter erneut in weiten Landesteilen gegen die chinesische Herrschaft. Der Aufstand wird niedergeschlagen. 2011 beginnt eine Welle von Selbstverbrennungen. Mehr als 130 Tibeter haben bisher den freiwilligen Feuertod gesucht.

      Homepage zum Film mit Hintergründen zum Konflikt

      2:28 min vom 11.2.2015

Sendung zu diesem Artikel

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    SRF 1 11.02.2015 22:55

    DOK
    Der tibetische Krieger

    11.02.2015 22:55

    Loten Namling, Exil-Tibeter und Musiker des Dalai Lama, ist tief erschüttert von den Selbstverbrennungen in seinem Heimatland. Er macht sich auf zu einer Reise, die ihn erst quer durch die Schweiz und schliesslich zurück an den Ort seiner Kindheit führt, ins nordindische Dharamsala.