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Arabische Touristen «Wer sich verhüllt, ist nicht frei!»

Nach dem Tessin hat sich auch der Kanton St. Gallen für ein Verhüllungsverbot ausgesprochen. Nur ein paar Tage zuvor, am 15. September, hat das Egerkinger Komittee die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» eingereicht. Die Tourismusdestinationen der Schweiz haben daran wenig Freude.

Legende: Video ««Wir ziehen das durch!»» abspielen. Laufzeit 0:15 Minuten.
Vom 28.09.2017.

«Die Verhüllung hat in unserem Kulturkreis nichts zu suchen. Wer sich verhüllt ist nicht frei. Wir zeigen einander das Gesicht», sagt Walter Wobmann, SVP-Nationalrat und Mitinitiant der Verhüllungsverbotsinitiative. Gemeinsam mit Sympathisanten, vor allem Mitgliedern der SVP, sammelte er diesen Sommer Unterschriften für die Initiative. Sie sieht vor, dass in der Schweiz per Gesetz verboten werden soll, sich das Gesicht zu verhüllen. Dies gilt für Hooligans aber auch – und vor allem – für Musliminnen, die ihr Gesicht mit Burka oder Niqab verhüllen.

Wir würden ein kleines, modernes Land auf der ganzen Welt blamieren
«Ja zum Verhüllungsverbot»: Die Initianten bei der Einreichung der Unterschriften am 15. September
Legende: «Ja zum Verhüllungsverbot»: Die Initianten bei der Einreichung der Unterschriften am 15. September SRF

Davor graut es Tourismusdestinationen wie Interlaken: «Wir befürchten, dass eine solche Initiative einen Rückgang er Logiernächte bewirkt», sagt Tourismusdirektor Daniel Sulzer. Interlaken ist bei arabischen Touristen vor allem im Sommer sehr beliebt. Sobald der Fastenmonat Ramadan zu Ende ist, füllen sich die Hotels und Flaniermeilen mit Gästen aus den Golfstaaten. Viele dieser Frauen verhüllen ihr Gesicht mit einem Niqab.

Pferdekutscher Ernst Voegeli, auch er ein SVP-Politiker, hält nichts von einem Verhüllungsverbot, das auch für Touristinnen gilt. 80 Prozent seiner Kunden, die Kutsche fahren, kommen aus arabischen Ländern. «Ein Verhüllungsverbot wäre ein grosses Problem für den Tourismus. Zudem würden wir uns als kleines modernes Land auf der ganzen Welt blamieren.» Er könne nachvollziehen, dass die Schweizer keine Minarette und Gebetsrufer wollen, aber dass man Touristen derart einschränke, mache keinen Sinn.

Die Männer wollen, dass ihre Frauen ohne Schleier essen können und verlangen Vorhänge
Bobfahrt mit Niqab
Legende: Bobfahrt mit Niqab SRF

Es gibt in Interlaken auch Unternehmer in der Tourismusbranche, die ein Verhüllungsverbot befürworten. Christopher Admirat, Geschäftsführer des Hotels Rössli, beobachtet, dass arabische Gäste andere davon abhalten, zu kommen. Für ihn und sein Personal seien es besonders fordernde Gäste: «Die Männer wollen, dass ihre Frauen ohne Verhüllung essen dürfen und verlangen, dass wir Vorhänge und Türen schliessen, damit sie niemand sieht. Das ist in unserem Hotel jedoch nicht möglich.» Zudem gebe es immer wieder Probleme mit Männern, die sich nicht von weiblichem Personal einchecken lassen wollen. «Viele werden auch böse, wenn man die verhüllte Frau ihrer Meinung nach zu fest anschaut beim Erklären.»

Am Freitag, 15. September lief die Frist für die Initiative aus. Punkt 15 Uhr reichten die Initianten des Egerkinger Komitees 106’600 Unterschriften ein. Es war eine Zitterpartie, denn viele Unterschriften erwiesen sich als ungültig: «Es gibt viele Leute, die umziehen, sterben oder aus Versehen doppelt unterschreiben», so Mitinitiant Walter Wobmann. «Eventuell waren sogar Leute dabei, die Pseudo-Unterschriften geschickt haben. Zum Glück reicht es nun.» Wobmann gibt sich kämpferisch: «Wir werden das durchziehen und die Abstimmung gewinnen!»

34 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (sensus communis)
    Wenn Wobmann & Schlür losmarschieren,um Unterschriften zu sammeln,dann immer für eine völlig unsinnige Sache.Wieder einmal provozieren SVP-Exponenten eine Anti-Islam Debatte, welche völlig absurd & kontraproduktiv ist. Mit diesem Verbot lösen wir nicht ein einziges Problem,im Gegenteil,wir werden zur Zielscheibe von islamistischen Fanatikern,welche diese Aktion als Provokation deuten werden.Ich will einen vernünftigen Umgang mit dem Islam & keine Verbote.All dies ist nur Aufwiegelung der SVP.
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  • Kommentar von Valentin Lendi (valentin)
    Gibt es da nicht bereits ein Vermumungs Verbot? Wozu den noch dieser Aufwand?
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  • Kommentar von Jörg Fritschi (jfr)
    In Iran ist es gesetzliche Pflicht, dass Frauen in der Öffentlichkeit selbstverständlich ein Kopftuch tragen, so auch damals unsere Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. In unserer Kultur lassen wir unser Gesicht sichtbar. Wieso wird diese unsere Kultur von islamischen Frauen (und Männern!) nicht ebenso selbstverständlich respektiert? Eigentlich ist es traurig, dass dieser Respekt ganz offensichtlich nicht selbstverständlich ist und durch ein Gesetz festgelegt werden muss.
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