Das Donaudelta

Die rumänische Hafenstadt Tulcea ist der Ausgangspunkt von Urs Gredig. Dort trifft der Reporter den Biologen Radu Suciu, der seine Arbeit einem aussergewöhnlichen Fisch verschrieben hat: Dem Hausen.

Der Fisch gehört zur Familie der Störe, ist so alt wie die Dinosaurier und weltbekannt für seinen Kaviar. «Der Hausen ist der König der Donau», erklärt er. Doch er ist vom Aussterben bedroht.

Von Tulcea aus reist Urs Gredig in die Republik Moldau. Nur wenige hundert Meter Donauufer hat das Land. Und genau dort entsteht seit einigen Jahren der erste und einzige Hafen. Chef der Anlage ist der süddeutsche Thomas Moser. 2006 gab er seinen sicheren Bürojob auf und pendelt seitdem zwischen der Republik Moldau und Wien, wo er mit seiner Familie lebt. «Hier erlebt man jeden Tag Überr­aschungen und Abenteuer», beschreibt er seine Motivation. Ziel des ehemaligen Investment­bankers ist, ein Logistikzentrum nach europäischem Standard zu bauen. Ein Projekt mit grossem Potential, aber ungewissem Ausgang.

EU-Waisen - Die Eltern arbeiten in Westeuropa

Genau gegenüber dem Hafen liegt Giurgiulesti, ein Dorf wie es viele gibt in der Republik Moldau. Hier trifft Urs Gredig auf die Geschichte der zehnjährigen Adelina und des achtjährigen Eduard. Beide sind sogenannte EU-Waisen: Kinder, die bei Verwandten aufwachsen, weil ihre Eltern in der EU arbeiten, um die Familie zu ernähren. «Meine Mutter putzt bei einer Frau, die ein zweistöckiges Haus hat und mein Vater baut Badezimmer», erzählt Adelina. Sie vermisst ihre Eltern sehr und hofft, dass sie irgendwann aus Frankreich zurückkehren.

Eine Frau in knallrotem Kleid und Stöckelschuhen auf einer Baustelle, das ist das Erste, was Urs Gredig von der ukrainischen Stadt Ismail zu sehen bekommt. So lernt der Reporter die Journalistin Irina Fedorova kennen. Sie ist Chefredakteurin des Lokalfernsehens, betreibt mit ihrer Mutter Ludmilla eine Galerie und gibt Kunstunterricht für Schulklassen.

Der Nullpunkt der Donau

Noch einmal geht es für Urs Gredig zurück nach Tulcea. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge ins Donaudelta. Das Naturreservat ist Lebensraum von über 5000 Tier- und Pflanzenarten. Auf der Fahrt durch das Wasserlabyrinth kommt Urs Gredig immer wieder an Siedlungen und kleinen Dörfern vorbei. Sie sind typisch für die Deltalandschaft. Wie das Dorf Sarichioi, das überwiegend von Lipowanern bewohnt wird. Die sogenannten Altgläubigen flohen vor rund 300 Jahren aus Russland ins Donaudelta, weil sie eine Kirchenreform nicht mitmachen wollten. In der Abgeschiedenheit des Deltas konnten sie ihre alten Traditionen bewahren.

Auf dem Weg zum Nullpunkt der Donau macht Urs Gredig einen letzten Stopp im Dorf Letea. Dort besucht der Reporter den Dorflehrer Paul Sârbu, der das Donaudelta zu seiner Wahlheimat machte. Das Besondere: Der 55jährige ist auch Schriftsteller und hat sein künstlerisches Schaffen der Donau verschrieben. Sein Fazit: «Die Donau ist eine Schlange, die vom Menschen gebändigt werden muss».

Und dann: Von Letea aus ist es nicht mehr weit bis zum Leuchtturm von Sulina. Dort wo die Donau im Sulina-Arm ins Schwarze Meer mündet, endet die Reise von Urs Gredig.