Vom Eisernen Tor bis ins Bulgarische Russe

Die Reise von Urs Gredig beginnt in Rumänien. Genauer gesagt auf der Donaufähre zwischen Calafat und Widin, einer von drei Fährverbindungen zwischen Rumänien und Bulgarien. Noch haben die Fährleute hier ein Monopol, denn die einzige Brücke zwischen den beiden Ländern ist fast 500 km entfernt.

Auf der anderen Seite der Donau liegt Widin. Die bulgarische Stadt gehört zur ärmsten Region der EU. Vor allem junge Menschen haben hier wenig Perspektive. Daher verlassen die gut Ausgebildeten die Region und gehen nach Sofia oder gleich ins europäische Ausland. Eine, die blieb, ist Landärztin Natasha Petkova. Anstatt zu klagen, ist sie unermüdlich unterwegs zum Wohle ihrer Patienten.

Dabei hätte die Region an der Donau Aufmerksamkeit mehr als verdient: Denn hier liegt die Schatzkammer von Bulgarien. Davon zumindest ist die Archäologin Krassimira Luka von der Universität in Sofia überzeugt. Unter der Erde am Donauufer schlummern die Überreste der Siedlung Ratiaria. Sie soll einst die Hauptstadt der römischen Provinz Dakien gewesen sein. Doch das «bulgarische Pompeij» ist bedroht: Seit vielen Jahren wird die Ausgrabungsstätte systematisch von Schatzräubern heimgesucht.

Musik ohne Noten

In der Stadt Lom trifft das Fernsehteam Georgi Angelovi. Er ist Bandleader und Komponist der 13köpfigen Roma-Band «Gebrüder Angelovi». Noten braucht er keine. Denn Musik, das sei von anderen klauen und neu zusammensetzen. Apropos klauen: Für Angelovi ist Musik ein Handwerk das Geld bringt, damit er und seine Bandmitglieder ihre Familien ernähren können. «Das wichtigste ist ja», sagt er, «dass wir nicht klauen gehen».

Russe ist die nächste Station von Urs Gredig. Die lebendige Stadt mit ihren Bürgerhäusern und Adelspalästen war einst eine wohlhabende Handelsstadt und beheimatet noch immer den wichtigsten Donauhafen Bulgariens. Bekannt ist Russe aber auch wegen der «Brücke der Freundschaft», die bislang noch die einzige Donaubrücke zwischen Bulgarien und Rumänien ist. Wie es tatsächlich um die Freundschaft und um das Verhältnis der beiden Länder steht, erfährt Urs Gredig bei der Fahrt ins rumänische Giurgiu auf der anderen Seite der Brücke.

An Bord eines Luxusdampfers

Am Hafen von Giurgiu in Rumänien besteigt Urs Gredig ein Kreuzfahrtschiff. Damit wird er die letzte Etappe bis zum Donaudelta zurücklegen. An Bord des Luxusdampfers erwartet den Reporter ein Kontrastprogramm zu seiner bisherigen Reise: Fast jeder Wunsch wird den Passagieren von den Augen abgelesen. Dahinter steckt Kreuzfahrt-Direktor Hajo Lauenstein, die gute Seele des Schiffes. Für den Deutschen ist die Donau fast schon ein zweites Zuhause.