Vom kroatischen Vukovar bis ans Eiserne Tor

Vukovar ist der Ausgangspunkt für Susanne Wille in der vierten Folge. Die Stadt am Ufer der Donau war 1991 ein bedeutender Schauplatz des kroatischen Unabhängigkeitskrieges.

Hart umkämpft war auch die Schuhfabrik «Borovo» – einst Arbeitgeber der ganzen Region. Der Ingenieur Ivan Hubalek hat die Belagerung hautnah miterlebt und berichtet Susanne Wille von seinen Erlebnissen, aber auch vom Wiederaufbau, die er als stellvertretender Bürgermeister von Vukovar aktiv mitgestaltet hat. Eine Begegnung, die optimistisch stimmt.

Auf der anderen Seite der Donau lebt Djura Rang. In seinem Heimatdorf im Nordwesten von Serbien ist er eine Persönlichkeit. Der 50jährige ist einer der letzten Bootsbauer des Landes und hat eine unge­wöhnliche Lebensphilosophie: Er redet mit Holzbooten, ihm flüstern Fischsuppen zu und er fordert Fische zum Kampf heraus. Und seine Freunde nennen ihn liebevoll «Robinson der Donau».

Das «Silicon Valley» Serbiens

Donauabwärts liegt Novi Sad, die zweitgrösste Stadt Serbiens. Hier stösst Susanne Wille auf eine überraschende Erfolgsgeschichte: Das «Silicon Valley» Serbiens. In der modernen Stadt macht die Software-Industrie mittlerweile 30 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Begonnen hatte alles während der Jugoslawien­kriege. «Serbien war isoliert und das einzige Tor zur Welt war das Internet», erzählt Petar Ulic. Der IT-Unternehmer gehört zu den Pionieren der Branche. Aus der Not haben viele Firmen eine Tugend gemacht und Novi Sad so wirtschaftlich neues Leben eingehaucht.

Als nächstes besucht Susanne Wille Belgrad. Die Hauptstadt ist Dreh- und Angelpunkt für den Verkehr zwischen Mittel- und Südosteuropa und Heimat unterschiedlichster Bevölkerungs­gruppen. Eine der grössten Minderheiten sind die Roma. Allein in Belgrad gibt es mehr als 150 Roma-Enklaven. Hier trifft Susanne Wille auf die Sozialarbeiterin Lepa Nedeljkovic. Die 37jährige kennt die Sorgen der Roma und setzt sich mit ganzem Herzen für sie ein. In einem Slum vor den Toren der Stadt werden die beiden Frauen in das Haus einer Roma-Familie eingeladen. So erhält Susanne Wille Einblick in die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen am Rande der serbischen Gesellschaft.

Schwimmende Clubs und Bars auf der Donau

Im Gegensatz dazu steht die nachfolgende Geschichte über das Belgrader Nachtleben. Es ist über die Grenzen Serbiens hinaus bekannt. Schauplätze sind schwimmende Clubs und Bars auf Donau und Save. Mittendrin trifft das Fernsehteam einen Star der Szene: Goga Sekulic. Sie singt Turbo-Folk, ein Mix aus östlicher Volksmusik und Discosound. Die Musik ist populär, aber auch umstritten.

Das Eiserne Tor ist der Höhepunkt der Reise von Susanne Wille und gleichzeitig auch ihre letzte Station. Im rumänischen Orşova trifft die Reporterin auf Ahmet Enghuir. Der 71jährige ist auf der Insel Ada Kaleh geboren und aufgewachsen. Eine türkische Exklave in Mitten der Donau. Bis 1968 war die Insel beliebtes Ausflugsziel mit Einkaufsmöglichkeiten für türkische Delikatessen, Schmuck und Tabakwaren. Bis der Staudammbau am Eisernen Tor alles zunichte machte.

Am Schluss der Sendung trifft die Reporterin ihren Kollegen Urs Gredig, der die letzten beiden Etappen der Reise in ein unbekanntes Europa übernimmt.