Adieu Geschworenengerichte

Seit fast 160 Jahren haben im Kanton Zürich Geschworene, Laien, bei schweren Verbrechen wie Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung, Raub, Erpressung und Geiselnahme über Schuld und Unschuld entschieden.

Gerichtszeichnung der neun Geschworenen bei einem Prozess im Obergericht in Zürich (1999).
Bildlegende: Gerichtszeichnung der neun Geschworenen bei einem Prozess im Obergericht in Zürich (1999). Keystone/Zeichnung Linda Graedel

Das besondere an den Geschworenen-Prozessen: Die Geschworenen kennen die Akten nicht, sie entscheiden nur aufgrund der Eindrücke, die sie unmittelbar vor Gericht gewinnen; bei den Befragungen von Angeschuldigten, Opfern, Zeugen und Sachverständigen.

Mit Inkrafttreten eines einheitlichen Strafprozessrechts auf eidgenössischer Ebene auf 1. Januar 2011 bleibt kein Platz mehr für diese Unmittelbarkeit. Neu müssen alle am Urteil Beteiligten, also Laien und Richter, Kenntnis der Prozessakten haben. Fast alle Kantone haben ihre Geschworenengerichte schon längst abgeschafft.

Am 17. Dezember 2010 ist der letzte Geschworenenprozess im Kanton Zürich über die Bühne gegangen. In Zukunft gibt es nur noch im Kanton Tessin etwas Ähnliches wie Geschworenengerichte. Die Geschworenen werden dort aber Kenntnis der Akten haben.

Im «Doppelpunkt» erzählen:
- Pierre Martin, Präsident des Zürcher Geschworenengerichts
- Valentin Landmann, Strafverteidiger
- Michele Luminati, Rechtshistoriker Universität Luzern
- Verena Sala, die berühmteste Geschworene der Schweiz

Moderation: Regi Sager, Redaktion: Regula Zehnder