Die Schweizer Kinderzüge: Erholungsurlaub im Schokoladenland

Nach 59 Jahren hat Antoine Potterat seine frühere Gastschwester endlich wieder gefunden. Gudrun Kimmel kam 1951 als 6-jährige mit einem «Schweizer Kinderzug» des Schweizerischen Roten Kreuzes aus Norddeutschland für drei Monate in die Schweiz.

Gudrun Kimmel und Antoine Potterat: Einmal 1951-52 und einmal 2010.
Bildlegende: Gudrun Kimmel und Antoine Potterat: Einmal 1951-52 und einmal 2010. zvg

«Doppelpunkt» berichtet über das erste Treffen nach so langer Zeit und über die «Schweizer Kinderzüge».

Elsi Aellig und Anita Zaugg haben zwischen 1947 und 1956 die Kinderzüge des Schweizerischen Roten Kreuzes organisiert und begleitet. Sie erinnern sich in der Sendung an die vielen Fahrten mit bleichen, abgemagerten Kindern, die in die Schweiz kamen und nach drei Monaten, rotbackig, mit neuen Kleidern, einer Speckseite und Schokolade im Rucksack die Schweiz wieder verliessen. Und das Team des Suchdienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes erzählt, wie Antoine Potterat seine Gastschwester gefunden hat.

182‘000 Kinder aus dem vom Krieg zerstörten Europa kamen zwischen 1940 und 1956 zur Erholung in die Schweiz. Viele von ihnen konnten in dieser Zeit das erste Mal Kind sein. Eine gefüllter Teller war ihnen ebenso fremd wie eine Umgebung ohne Trümmer und Ruinen.

Gastkinder und Gasteltern sind oft bis heute in Kontakt geblieben. Bei einigen ist aber der Kontakt abgebrochen. Viele von ihnen machen sich heute, über sechzig Jahre später, auf die Suche nach ihrer Schweizer Gastfamilie, um noch einmal Danke zu sagen und den Ort, wo sie Geborgenheit erleben durften, zu sehen. Aber auch die Gastfamilien und die Gastgeschwister in der Schweiz machen sich auf die Suche nach den Kriegskindern, die mit den «Schweizer Kinderzügen» drei Monate oder länger in der Schweiz waren.

Moderation: Riccarda Simonett, Redaktion: Regula Zehnder