Macht Schönheitschirurgie glücklich?

Fett absaugen, Augenlider straffen, Brüste vergrössern: Der Schönheitsmarkt boomt. Setzt man die Zahl an Schönheitsoperationen in Relation zur Bevölkerung, dann rückt die Schweiz an die Spitze. Warum dieser Trend? Doppelpunkt spricht mit Schönheitswilligen, Ärzten, Ethikern und Patientenschützern.

Frau wird im Gesicht operiert.
Bildlegende: Risikoreiche Eingriffe: Nur ca. ein Drittel aller Schönheitschirurgen in der Schweiz hat einen Fachabschluss als ästhetischer Chirurg. colourbox

Schöner, selbstbewusster, zufriedener, erfolgreicher: Mit diesen Attributen beschreiben sich Menschen, die sich einem Eingriff bei einem Schönheitschirurgen unterziehen.

Doch nicht immer gelingt der Eingriff und die Risiken sind da: Die meisten Operationen werden in Vollnarkose durchgeführt und können gefährlich sein. Mögliche Vorerkrankungen oder die natürliche Wundheilung können die Beauty-Operation und die Nachbehandlung beeinträchtigen. Unterschätzt wird auch das Risiko von Entzündungen, Allergien, Infektionen, Gefässerkrankungen oder Kreislaufzusammenbrüchen.

Schweizerinnen besonders operierfreudig

Pro zehntausend Einwohner werden in der Schweiz knapp 60 Schönheitsoperationen durchgeführt. Platz zwei auf der Rangliste der Schönheitswilligen teilen sich Griechenland und Südkorea, gefolgt von Italien, Brasilien, Kolumbien und den Vereinigten Staaten (Daten: Acredis 2011).

In der Schweiz macht der Traum von Schönheit auch vor Männern nicht Halt: Knapp jeder fünfte Patient ist männlich, Tendenz steigend. Prognostiziert wird auch ein überdurchschnittlicher Operationsanstieg bei den Jungen unter 20 Jahren.

Titel des «Schönheitschirurgen» nicht geschützt

Bis zu 600 Anbieter tummeln sich auf dem Schweizer Schönheitsmarkt. Darunter finden sich auch viele schwarze Schafe, warnen die Schweizerischen Patientenstellen. Vielen von ihnen fehle die nötige Ausbildung. So komme es vor, dass z.B. ein Anästhesist plötzlich Brüste vergrössert. Aus diesem Grund empfehlen die Patientenstellen, Eingriffe nur von Schönheitschirurgen vornehmen zu lassen, die in einem der Fachverbände in der ästhetisch-plastischen Chirurgie verzeichnet sind.

Und die Patientenstellen raten vehement von Eingriffen im Ausland ab. Die Anbieter im Ausland würden zwar mit Schnäppchenpreisen locken, bei Komplikationen würden jedoch jegliche Absicherung, und häufig auch eine kompetente Nachbehandlung, fehlen.

Autor/in: Christine Schulthess