Palliative Care: Von den letzten Dingen

Palliative Care lindert die Leiden eines unheilbar kranken Menschen. Die meisten möchten zu Hause sterben, aber nur einem Viertel ist das vergönnt. Der «Doppelpunkt» redet mit einem betroffenen Ehepaar, befragt Palliativ-Fachpersonen und besucht die älteste Palliativstation im Kanton Bern.

Bild eines Zimmers mit Blumenstrauss, aus dem Fenster geniesst man den Blick aufs Berner Münster.
Bildlegende: Die Palliativstation des Diaconis ist die älteste Palliativstation im Kanton Bern. Diaconis

Wenn Palliative Care den Patienten nicht heilen, sondern Lebensqualität in den letzten Tagen geben will, braucht es für den Tod zu Hause ein ganzes System: Ärzte, Pflegende, Angehörige, Freunde und Freiwillige.

Dirk Longhouse (57) hat Krebs

Der 57-jährige Zahnarzt Dirk Longhouse hat Krebs. Er ist in seinem Haus in Lyss, im Wohnzimmer steht das Spitalbett. Seine Frau Andrea macht sich grosse Sorgen. Nicht, dass sie mit Mitte 50 bald schon Witwe sein wird – sie hat Angst davor, wenn ihr Mann Schmerzen haben wird, wenn er Atemnot haben könnte, dass sich seine Haut verfärbt, wenn er stirbt.

Die Spitex Nic Oomen hat schon viele Patienten palliativ zu Hause betreut. Im «Doppelpunkt» führt sie ein Gespräch mit dem Ehepaar Longhouse und versucht zu erklären und zu vermitteln. «Palliative Care umfasst so Vieles», sagt sie. «Das kann ein entspannendes Bad oder ein Wickel sein, aber auch das ganze System rund um den Kranken.»

Das Ehepaar lässt in der Sendung den Gefühlen freien Lauf: Ängste, Befürchtungen, Wünsche, Vorwürfe. Und das ist auch gut so, sagt Nic Omen: «Palliative Care ist auch ein Prozess.»

«Gespräche sind ganz wichtig»

Christoph Cina ist seit fast 30 Jahren Hausarzt in Messen. Er betreut regelmässig Palliativpatienten. «Ganz wichtig sind hier Rundtischgespräche», sagt er. Patient, Angehörige, Arzt und Pflegende sitzen zusammen und beraten. Er erzählt im «Doppelpunkt» von Beispielen aus seiner Hausarztpraxis.

Nelly Simmen ist Palliative-Care-Spezialistin. Ursprünglich war sie Krankenschwester und hat viele Jahre eine Palliativstation geleitet. Sie sagt: «Es ist sehr schön, wenn jemand zu Hause sterben kann. Es ist aber nicht immer möglich. Und auch nicht alle Patienten fühlen sich zu Hause sicher.»

Es gebe Situationen, da sei man auf eine professionelle Palliativstation angewiesen, so Simmen: «Nicht zu vergessen: Wird ein Patient auf einer Palliativstation betreut, können die Angehörigen Angehörige sein. Sie müssen sich nicht um Einkaufen, Putzen und Pflege kümmern.»

«Doppelpunkt» zu Besuch auf der Palliativstation

Ausserdem besucht der «Doppelpunkt» die Palliativstation des Diaconis, der ältesten Palliativstation im Kanton Bern. Seit über 20 Jahren werden dort Patienten in ihrer letzten Lebensphase betreut. Da wird schon mal ein Bett zum Sterben oder nur zum Sein in den Garten geschoben.

Regula Trachsler, stellvertretende Pflegeleiterin im Diaconis, gibt aber zu bedenken, dass das Sterben nicht wie im Film abläuft: «Es gibt Patienten, die sind vor dem Tod sehr unruhig und verwirrt.» Sie erzählt aus ihrem Alltag auf der Palliativstation. Und sie erwähnt auch die wichtigste Mitarbeiterin: die Abteilungskatze. Sie wisse genau, welchen Patienten sie Gesellschaft leisten soll und welche Angehörigen Trost brauchen.

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Moderation: Regi Sager, Redaktion: Regula Zehnder