«ECO Spezial» Brexit: Grossbritannien – ein gespaltenes Land

Ende März wird Grossbritannien sein Austrittsgesuch offiziell in Brüssel einreichen. Dann beginnen harte Verhandlungen. Besonders im Fokus: Die Finanz- und die Automobilbranche. Für beide ist der Zugang zum Binnenmarkt lebenswichtig. «ECO» zeigt Gewinner und Verlierer.

Dreimal hat Grossbritannien sich um eine Mitgliedschaft in der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG beworben. Zweimal wurde der Beitritt abgelehnt. Erst beim dritten Anlauf im Jahre 1972 klappte es. Nun, mehr als vierzig Jahre später, will die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt die EU wieder verlassen. Und die Beziehungen zum wichtigsten Exportmarkt auf eine neue Basis stellen.

«Europa wird kein globales Finanzzentrum mehr haben»

Der Finanzsektor ist Grossbritanniens wichtigste Branche: Sie liefert mehr als elf Prozent der britischen Steuereinnahmen und sieben Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Über eine Million Menschen arbeiten in der Finanzindustrie. Viele dieser Jobs könnten durch den Brexit in andere EU-Länder abwandern, wenn Grossbritannien den Zugang zum Binnenmarkt verliert.

«ECO» trifft den Cheflobbyisten der britischen Finanzbranche. Jeremy Browne vertritt die Interessen des grössten Finanzplatzes der Welt in der EU. Er kennt die Bedürfnisse und Befürchtungen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches. Und droht seinen Gesprächspartnern in Brüssel unverhohlen: «Wenn London nicht das globale Finanzzentrum Europas bleibt, wird es damit enden, dass Europa gar kein globales Finanzzentrum mehr hat.»

Dieses Selbstbewusstsein strahlen die Menschen in der City nicht aus. Viele sind verunsichert, wohin der Brexit Grossbritannien führen wird. Andere schämen sich. Und wieder andere haben sogar selbst für den Brexit gestimmt wie Devisenhändler David Johnson. Und dank Brexit bisher das Geschäft ihres Lebens gemacht.

Gespalten ist auch die Gefühlslage in der britischen Automobilindustrie. Die Branche erlebt derzeit einen beispiellosen Aufschwung, seit ausländische Hersteller wie BMW oder Tata britische Traditionsmarken übernommen haben. Der Brexit könnte diesen Aufschwung zunichtemachen. Arbeiter und Gewerkschaften befürchten massive Produktionsverlagerungen. 50‘000 Jobs stehen auf dem Spiel. «ECO» mit einem Stimmungsbericht.

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