Entwicklungshilfe-Milliarden bringen wenig

Rekordhohe 135 Milliarden US-Dollar gaben Industrieländer im letzten Jahr für Entwicklungshilfe aus. Geld, das auch auf Druck der Uno fliesst. Zum Auftakt des Uno-Gipfeltreffens analysiert «ECO» den Erfolg der klassischen Entwicklungshilfe, zeigt, woran diese krankt, und präsentiert Alternativen.

Im September 2000 verabschiedeten die Staats- und Regierungschef am Gipfel der Vereinten Nationen die prestigeträchtigen Millenniumsziele. Sie waren in den letzten 15 Jahren das wichtigste Leitbild in der staatlichen Entwicklungshilfe. Das prominenteste Ziel: die Halbierung der Armut bis ins Jahr 2015. Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon ist des Lobes voll: «Dank der Millennium-Entwicklungsziele entstand die erfolgreichste Bewegung zur Armutsbekämpfung».

Vom 25. bis 27. September findet an der Uno in New York das nächste symbolträchtige Gipfeltreffen statt. An diesem blickt die Uno zurück auf die Millenniumsziele und präsentiert auch deren Nachfolger, die sogenannten Nachhaltigkeitsziele. «ECO» nimmt dies zum Anlass, um die Entwicklungshilfe kritisch zu würdigen.

Ernüchterndes Fazit

«ECO» fragt, inwiefern die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung, die sinkende Kinder- und Müttersterblichkeit oder auch die tiefere Zahl der Malaria-Fälle wirklich auf die Uno und auf die Entwicklungshilfe zurückzuführen sind – die Antwort von Columbia Professor und Uno-Mitarbeiter Howard Friedman ist ernüchternd: Kaum. Auch andere Spezialisten sind kritisch – in Industrieländern und in Afrika.

Entwicklungshilfe ist stets gut gemeint, bringt aber leider meist doch nur wenig. «ECO» präsentiert gescheiterte Projekte, zeigt aber auch unternehmerisch aufgesetzte Alternativen. In der Spezial-Sendung zu sehen sind unter anderem:

  • Gescheiterte Entwicklungshilfe-Projekte und die Gründe für deren Scheitern.
  • Ein Interview mit Wirtschaftsprofessor Angus Deaton von der US-Elite-Universität Princeton. Angus Deaton hat mit seinem Buch «The Great Escape» ein Standardwerk zum Thema Entwicklung und Entwicklungshilfe publiziert.
  • Und «ECO» zeigt, wie Andrea Heinzer für den Schweizer Investitionsfonds Sifem in Kenia Unternehmer besucht und Investitionsmöglichkeiten klärt. Eine Reportage aus Kenia über Entwicklungshilfe, die Gewinn abwirft.

Beiträge

  • Uno-Millenniumsziele – eine kritische Bilanz

    Die Uno war in den letzten Jahren die treibende Kraft in der Entwicklungshilfe. Ihre Millenniumsziele, vor 15 Jahren formuliert, waren die Leitschnur für staatliche Entwicklungshilfe weltweit. Ein Blick auf die Bilanz zeigt: Die Uno überzeichnet den Erfolg der Millenniumsziele. Dem Wissenschaftler, der dies belegt, verpasst sie aber einen Maulkorb. Und: Ihre neu formulierten Nachhaltigkeitsziele werden die Welt kaum besser machen. Sie sind teils illusorisch, teils fehl am Platz und insgesamt verzettelt.

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  • Wo steht die Schweiz in der Entwicklungshilfe?

    Die Wirkung staatlicher Entwicklungshilfe ist bescheiden – und doch wird viel Geld dafür ausgegeben. Wie viele andere Länder, hat auch die Schweiz ihr Entwicklungshilfe-Budget stark erhöht. Die Deza, Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, konzentriert ihre Arbeit nach eigenen Angaben auf 20 Schwerpunkt-Länder und -Regionen. Wer genauer hinsieht, erkennt aber: Die Deza ist weder geografisch noch inhaltlich stark fokussiert.

  • Wenn gut Gemeintes scheitert

    Not- und Katastrophenhilfe ist unbestritten und kann Tausende Leben retten. Das Ziel vieler Hilfsprojekte ist aber nicht kurzfristige Hilfe, sie sollen die Situation in Ländern langfristig verbessern. Doch Hilfe von Aussen ist umstritten, und es scheitern deutlich mehr Projekte, als staatliche Entwicklungshilfe-Organisationen und Hilfswerke glaubhaft machen wollen.

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  • Angus Deaton: «Entwicklungshilfe ist zynisch»

    Wir haben eine moralische Verpflichtung zu helfen, aber Entwicklungshilfe richtet mehr Schaden an, als dass sie nützt. Zu diesem vernichtenden Urteil kommt der angelsächsische Ökonom Angus Deaton. Im Interview mit «ECO» sagt er, wie wirksame Hilfe aussehen müsste.

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  • Sifem: Der Schweizer Entwicklungsfonds

    Die Schweiz fördert Unternehmertum in Entwicklungsländern, etwa mit dem staatlichen Investitions-Fonds Sifem. Er investiert pro Jahr bis zu 100 Millionen Franken, grösstenteils in Entwicklungsländer. Und das gewinnorientiert. «ECO» hat die Investitions-Verantwortliche, Andrea Heinzer, in Kenia begleitet.

Einblick in die Dreharbeiten

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