Frachtschifffahrt: Ruinöser Preiskampf auf hoher See

90 Prozent des Welthandels werden über die internationale Frachtschifffahrt abgewickelt. Die, die dahinterstehen, meiden in aller Regel die Öffentlichkeit. Seit geraumer Zeit kriselt es jedoch massiv in der Branche. «ECO» beleuchtet mit einer Spezial-Sendung eine diskrete Welt.

60‘000 Frachtschiffe sind permanent auf den Weltmeeren unterwegs. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Schiffe werden zwar immer grösser und moderner, doch die Branche steckt in tiefen Schwierigkeiten: Wegen Überkapazitäten sind die Tarife eingebrochen, die Erlöse am Boden. Viele kleinere Reedereien gehen Konkurs. Über Wasser halten sich vor allem Branchengiganten wie die dänische Maersk oder MSC aus der Schweiz.

Nicht zuletzt wegen der Frachtschifffahrt hat die Globalisierung zugenommen. Es ist ein 500-Milliarden-Dollar-Geschäft. Aber den Preis dafür zahlen Seeleute und Umwelt. Viele Reeder fahren unter so genannten Billigflaggen von Ländern mit menschenunwürdigen Lohn- und Arbeitsstandards und verbrennen dabei mit ihren Schiffen den schmutzigsten aller Treibstoffe: Schweröl.

Schweizer Hochseeflotte

Auch die Schweiz verfügt über eine Hochseeflotte. 50 Schiffe kreuzen unter der Schweizer Flagge in internationalen Gewässern. Ohne den Bund gäbe es diese jedoch nicht. Er unterstützt die hiesigen Reeder mit Bürgschaften in Milliardenhöhe. Doch dieses Programm läuft bald aus. Was in Zukunft passieren wird, ist noch ungewiss.

Eine dieser Schweizer Reedereien ist die Firma Enzian. Für die «ECO»-Spezialsendung ist Moderator Reto Lipp auf deren Frachter «Basilisk» zwischen Antwerpen und Rouen mitgefahren.

Beiträge

  • Reedereien setzen auf Billigflaggen

    Die Frachtschifffahrt ist ein wichtiger Teil des Welthandels. Dabei werden zwei Drittel des Weltmarktes von wenigen Branchenriesen abgedeckt, deren Firmensitze oft in Steuerparadiesen zu finden sind. Die Bosse hinter diesen Imperien agieren im Dunkeln. Möglich machen dies vor allem Billigflaggen, unter welchen fast die Hälfte aller Frachter auf den Weltmeeren unterwegs ist. Einmal auf hoher See, sind die Frachter nur noch den Gesetzen ihres Flaggenstaates unterstellt. Leidtragende sind die Schiffsbesatzungen. Ihre Löhne sind enorm tief.

  • Bund unterstützt Schweizer Hochseeflotte

    Nicht alle Frachter fahren unter Billigflaggen. 49 Hochseeschiffe sind heute unter Schweizer Flagge unterwegs. Eine davon ist die Schweizer Reederei Enzian mit Sitz in Zürich. Um konkurrenzfähig zu sein, hilft der Bund mit einer Bürgschaft beim Kauf neuer Schiffe. Mitte 2017 läuft dieses milliardenschwere Programm aus. Der Bund prüft zurzeit, ob es künftig eine Schweizer Hochseeflotte geben soll oder nicht.

  • Interview mit Frachtschiff-Kapitän Antoni Zyprys

    Antoni Zyprys fährt seit 30 Jahren zur See. Ursprünglich aus Polen stammend, verbringt er regelmässig mehrere Monate auf einem Containerschiff, um Fracht von einem Hafen zum anderen zu fahren. Im Interview mit Reto Lipp spricht er über seine Arbeitsbedingungen sowie über den Druck, dem er ausgesetzt ist, seitdem der Konkurrenzkampf zwischen den Reedereien zugenommen hat.

  • Container als Wachstumsfaktor

    Seit Einführung des ersten Containers im Jahr 1956 hat die Frachtschifffahrt enorm an Bedeutung gewonnen. Die Idee für die Container hatte ein amerikanischer Geschäftsmann; heute profitiert die gesamte Weltwirtschaft davon. Dauerte es früher noch Wochen oder Monate, um ein Schiff zu entladen, werden heute 6000 Container in nur 24 Stunden entladen und wieder beladen. Eine Erfolgsgeschichte.

  • Dreckschleuder Frachtschiff

    Containerschiffe fahren mit dem giftigsten aller Treibstoffe: Schweröl. Das macht sie zu enormen Umweltsündern. Ein einziges Frachtschiff stösst so viele Abgase aus wie 50 Millionen Autos. Schweröl ist billig – und die tiefen Transportkosten auf dem Seeweg sind einer der Pfeiler des Welthandels.

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