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Einstein Online Analog oder digital: Sehen Sie den Unterschied?

Für Filmenthusiasten gehören die warmen Farben der analogen 35mm-Filme genauso wie das Flimmern auf der Leinwand zum Kinoerlebnis. Verliert das Kino mit der Digitalisierung seinen Charme? Die Hochschule Zürich hat in einer Studie untersucht, ob digitales und analoges Kino unterschiedlich wirken.

Splitscreen mit einem Vergleich der zwei Bilder.
Legende: Ein Bild aus dem Film «Parachutes» im Vergleich: Oben das analoge, unten das digital bearbeitete Bild. ZHdK

Ob Filmliebhaber oder Kameraleute: Viele beklagen schon seit Jahren den Niedergang des analogen Films. Einzig die guten alten Filmrollen könnten das wahre Kinogefühl erzeugen: die warmen Farben der Bilder, das Surren der Filmstreifen im Projektionsraum. Die digitalen Gegenstücke seien kalt, leblos und viel zu scharf.

Doch ab 2009 trieben 3-D-Kinofilme wie «Avatar» die Digitalisierung des Films unweigerlich vorwärts – waren vor 2010 noch 90 Prozent der Schweizer Kinos mit analogen Projektoren ausgerüstet, verringerte sich der Anteil innerhalb von zwei Jahren auf unter zwei Prozent.

Heute sind Kinos mit analogen Projektoren, durch die ein Filmstreifen rattert, selten geworden und fast alle Filmproduktionen werden mit digitalen Geräten realisiert. Der analoge 35mm-Film hingegen wird immer mehr zu einem Kunstmedium.

Drei Filmarten im Vergleich

Wissenschaftler der Züricher Hochschule der Künste (ZHdK) und der Universitäten Bern und Zürich wollten wissen: Haben analoge Filme womöglich wirklich eine andere emotionale Wirkung als ihre digitale Version?

«Unter den Kameraleuten und Filmemachern gab der Wandel vom analogen zum digitalen Kino sehr viel zu reden», erklärt Christian Iseli, Leiter der Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster. «Wir haben das nun wissenschaftlich untersucht und gefragt: Wie wirkt das eigentlich auf den Zuschauer? Bleibt im Wandel von analog auf digital etwas auf der Strecke?»

Grafik die zeigt, dass ein Teil des Lichts abgelenkt wird und in die zweite Kamera fällt.
Legende: Ausgefeilte Technik für das gleiche Bild: Die Kameras wurden im rechten Winkel angebracht, zwischen ihnen ein halb-durchlässiger Spiegel. SRF

Um das herauszufinden, produzierten Studenten der ZHdK drei Filme in verschiedenen Genres: eine Komödie, einen Science-Fiction-Film und ein Drama. Alle Filme wurden mit Hilfe einer speziellen Kamera-Konstruktion so gefilmt, dass sich am Schluss ein analoger und ein digitaler Film ergaben (siehe Bild links).

Die Wissenschaftler stellten noch eine dritte Version der Filme her: Sie bearbeiteten die digitalen Filme so, dass sie möglichst analog aussah. «Wir wollten wissen: Können wir durch Bearbeitung des digitalen Films mit Softwares die analoge Version simulieren?», fügt Iseli an.

Fast kein Unterschied mehr

In zwei Kinovorführungen wurden die Filme über 450 Probanden gezeigt, die zum Schluss der Vorstellungen einen Fragebogen ausfüllen mussten. Das Ergebnis: Alle Filme riefen die gleichen Gefühle und Reaktionen hervor. Studienleiter Iseli erklärt: «Wir haben herausgefunden, dass beim Eintauchen in eine Filmerzählung die emotionale Bindung gleich ist, ob bei digitalem, analogen oder bearbeitetem Film.»

Wenn es um die Gedächtnisleistungen ging, zeigte sich aber sehr wohl ein Unterschied zwischen den Filmen: «Als wir testeten, wie gut sich die Zuschauer an kleine Details im Film – die Farbe eines T-Shirts oder der Schuhe – erinnern konnten, schnitten die digital gedrehten Filme signifikant besser ab», so Iseli.

Wenn den Zuschauern hingegen die Wahl zwischen einer der drei Versionen gelassen wurde, hatten sie eine deutliche Präferenz. Tendenziell bevorzugten ältere Leute die analoge, jüngere die digitale Version des Films.

Machen Sie den Test

Der Science-Fiction-Film «Parachutes» wurde dem Testpublikum in den drei Versionen digital, analog und auf analog gemacht gezeigt: Können Sie erraten, um welchen Film es sich handelt? (Den Link zu den anderen zwei Filmen finden Sie unten).

Version 1

Legende: Video «Parachutes» Version 1 abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
Aus Einstein vom 27.01.2015.

Version 2

Legende: Video «Parachutes» Version 2 abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
Aus Einstein vom 28.01.2015.

Version 3

Legende: Video «Parachutes» Version 3 abspielen. Laufzeit 05:46 Minuten.
Aus Einstein vom 27.01.2015.

Auflösung

Version 1 ist die digitale Version. Im Gegensatz zu den anderen Versionen wirkt sie ein wenig schärfer.

Version 2 ist die digitale Version, die mit Hilfe von Software nachbearbeitet wurde. Um das analoge Aussehen zu erzeugen, wurde über das Bild ein Filter gelegt, der ihm ein körniges Aussehen verlieh – wie es für Film typisch ist. Dieses Korn entsteht beim Entwicklungsprozess eines Films.

Version 3 ist die analoge Version. Wenn man genau hinschaut, kann man das Korn erkennen. Auf einer Kinoleinwand ist zusätzlich ein leichtes Zittern des Bildes zu sehen, das entsteht, weil die hintereinander abgespielten Bilder auf den Filmstreifen nicht vollkommen exakt aneinander liegen.

19 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Pieren, 3550 Langnau
    Hoch empfindliche analoge Filme mit grobem Korn, schwarz s/w Bilder mit feinen Grauwerten sind einfach eine Sache für sich. Hingegen bringt der digitale Film Vorteile bei der Produktion, besonders wenn nicht viel Geld vorhanden ist. Kleine Produzenten können so in grossartiger Qualität drehen. Auch kleinen Kinos hat die Digitalisierung Vorteile gebracht. So müssen sie nicht mehr immer hinten anstehen wenn es um die Verteilung der Kopien geht. Ohne Kinos, ohne Produzenten, keine Emotionen.
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  • Kommentar von Andreas Strahm, Langnau
    Ein wichtiger Aspekt wurde nicht berücksichtigt: Analoge Kinofilme waren oft von lausiger Qualität, weil entweder die Kopie schlecht war (billiger herzustellen) oder die Kopie schon zu oft abgespielt worden ist (verschlissen). Das Ergebnis konnte sich oft nicht einmal mit einer gut produzierten DVD messen, geschweige denn mit einer Blu-Ray Disc. Nur das digitale Kino kann mit der Heimkino-Technik noch mithalten. Nur das digitale Kino bringt hochstehende Qualität auch in ländliche Kinos.
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  • Kommentar von marc aeschlimann, winterthur
    mir ist egal ob analog oder digital, vielmehr sind hald die meisten filme von heute absoluter gugus. praktisch meine ganzen lieblinge aus den 70er und 80er funktionieren als film auch auf einem 17" röhrenfernseher der flackert - und mono. das meiste heute ist ja nur "gut" weil dich der computeranimierte quatsch für den moment gerde etwas beeindruckt, wenn die weg sind bleibt dann meist ein müdes lächeln.
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