Tobias Müller im Tal der Könige: 3000-jährige Socke gefunden!

«Einstein»-Moderator Tobias Müller entdeckt zusammen mit Schweizer Wissenschaftlern das Tal der Könige in Luxor. Im Tagebuch schreibt er über seine Erlebnisse. Heute, Tag 3: Ein Fund, der die Forscher aus den Socken haut.

Früher Morgen, kurz nach 7.00 Uhr. Die Sonne verbirgt sich noch hinter den Hügeln. Aber im Tal der Könige wird bereits emsig gearbeitet. Einer der Forscher tippt am Computer, eine Kollegin hat einen Stein mit Relief in der Hand und fertig mit Bleistift eine originalgetreue Skizze. Direkt neben dem Weg, der am Lager der Schweizer Archäologen vorbeiführt, knien einige lokale Mitarbeiter. Mit kleinen Schaufeln tragen sie vorsichtig Schutt und Sand vom Hang ab. Was für eine Sisyphus-Arbeit, denke ich mir. Hier wird buchstäblich jeder Stein umgedreht. Aber nur so ist gewährleistet, dass auch die kleinsten Zeugen aus der Zeit der alten Ägypter gefunden werden.

Werde ich ein neues Grab mitentdecken?

Der Grabungsort befindet sich direkt neben zwei bereits entdeckten Gräbern. Die Forscher starteten hier nun einen weiteren Versuch. Ihre Hoffnung: wieder auf ein sensationelles Grab zu stossen. Tja, das ist Ärchäologie. Manchmal gräbt man auf gut Glück.

Obwohl, nur auf gut Glück wird hier nicht mehr gegraben. «Es gibt unterdessen Anzeichen, dass sich hier, tief im Boden, ein Grab verstecken könnte», sagt die Schweizer Archäologin Susanne Bickel, die wir für die Sendung «Einstein» im Tal der Könige begleiten. Sie zeigt auf einen grossen Stein, dessen Spitze aus dem Boden ragt. Dieser sei ein Anzeichen dafür, erklärt sie. Die Eingänge zu Grabkammern seien häufig so angelegt gewesen.

Ich hege bereits Hoffnung, dass wir während unseren Dreharbeiten auf ein bisher unentdecktes Grab stossen! Aber die Ägyptologin zerstreut meine Hoffnung sofort: «Wir sind erst am Anfang, es wird noch länger dauern, bis aller Schutt abgetragen ist.»

Eine Sensation kann Susanne Bickel mir dann aber doch noch zeigen. Wir steigen erneut in eines der bereits entdeckten Gräber. Eine der Basler Ägyptologinnen untersucht dort einen ganz speziellen Fund, der die Forscher aus den Socken gehauen hat. Eine Socke! Im ersten Moment denke ich: «Ok, eine Socke – und jetzt?» Bis Susanne Bickel mir erklärt, dass es sich um die älteste Socke der Welt handelt. Über 3000 Jahre alt.

Socke Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die älteste Socke der Welt. SRF

Gefunden haben Sie die Schweizer Forscher mitten unter Tonscherben und Mumienresten. Es ist der erste Beweis, das schon die alten Ägypter Socken getragen haben. Ich staune, wie filigran sie verarbeitet ist. Fein säuberlich sind die Ränder vernäht. Wer diese Socke wohl einst getragen hat?

Der Promi im Tal der Könige

Bevor wir am Abend zurück ins Hotel fahren, führt Susanne Bickel mich noch in das berühmteste Grab im Tal der Könige – das Grab des Pharaos Tutanchamun. 1922 stiess der Brite Howard Carter auf die Grabkammer des altägyptischen Königs. Im Gegensatz zu vielen anderen Gräbern war hier noch alles unversehrt. Auch die Mumie des Pharaos.

Das Grab hat im letzten Herbst erneut für Schlagzeilen gesorgt. Wiederum ein britischer Wissenschaftler entdeckte auf Scans der Grabwände merkwürdige Spuren. Sind es Hinweise darauf, dass es in den Wänden Durchgänge geben könnte? Durchgänge in bisher unentdeckte Grabkammern?

Ein grosses Geheimnis

Als Susanne Bickel mich ins Grab von Tutanchamun führt, türmen sich Gerüste und Werkzeugkisten vor den Wänden auf. «Die Forscher wollen herausfinden, ob es wirklich Durchgänge gibt», sagt Susanne Bickel und fügt an: «Schliesslich können sie nicht einfach mal ein Loch in die Wand schlagen.» Über den aktuellen Stand der Arbeiten weiss sie nichts. Es werde ein riesiges Geheimnis daraus gemacht.

Die Ägyptologin winkt ab, als ich sie frage, ob sie auch denkt, dass sich hier unten weitere Grabkammern verbergen. Sie wolle nicht spekulieren, blicke aber sehr gespannt auf den Moment, in dem die Ergebnisse verkündet würden.

Ich versuche es gleich selbst. Aber egal, wie intensiv ich die Wand im Grab auch studiere, ich entdecke keine Anzeichen für einen Durchgang. Und Sie? Versuchen Sie es, hier beim Fotoslider:

BildlegendeVerbirgt sich hier eine Durchgang? BildlegendeLinks die originale Grabwand; rechts der Scan, auf dem die Malereien fehlen. In Rot der vermutete Durchgang.

Morgen im Tagebuch: Der grosse Moment – wir erkunden erstmals ein uraltes noch unerforschtes Grab.

Gestern im Tagebuch: Tobias Müller auf Tuchfühlung mit Mumien

Vorgestern im Tagebuch: Die Krux mit der Drehbewilligung